Mittwoch, 30. Januar 2008

Spiel mir das Lied vom Tod - Once Upon A Time In The West

"Menschen sind leichter zu verängstigen wenn sie sterben." (Frank)

Das Leben könnte so einfach sein. Frank (Henry Fonda) machte sich am frühen Morgen mit seiner Bande zum Sweetwater Hof auf um Brett McBain und seine verdammte Brut aus den Pantoletten zu ballern. Nun, zugegeben, das klappte auch vorzüglich. Zuerst fiel diese hässliche Tochter Maureen in den Staub, dann nahmen sie sich Brett und seine beiden Söhne vor, schade um den Kleinen, er war vielleicht erst sieben oder acht. Aber einer seiner Jungs musste ja unbedingt Franks Namen ausplaudern. So konnte er Bretts Filius nicht laufen lassen. Aber kaum ist man fort, weil man der Überzeugung ist, der Job sei erledigt, taucht mit dem Zug in der benachbarten Stadt auf einmal eine Frau aus New Orleans auf, die behauptet sie sei McBains Frau Jill (Claudia Cardinale).


Anscheinend hat dieser Mistkerl irgendsoeine Hure geheiratet, als er vor einem Monat auf Reisen war. Aber wenn man vier erledigt hat, erhöht eine fünfte Person nicht besonders die Rechnung. Sein Boss Morten baut gerade eine Eisenbahnstrecke Richtung Pazifik. Er hat es eilig, weil er tödlich an Knochentuberkulose erkrankt ist, eine Krankheit, die ihn zum Krüppel gemacht hat, und er will diese Farm, weil sie ihm im Weg ist ,weil sie durch die Eisenbahnstrecke wertvoll werden wird. Doch noch mehr als Morten will Frank diese Farm.

Doch die Spatzen pfeifen von den Dächern, dass zwei weitere Neuankömmlinge aufgetaucht sind, die Frank das Leben schwer machen könnten. Da wäre dieser stille Indianer Harmonica (Charles Bronson), der drei seiner Männer am Bahnhof kalt gemacht hat und der seinen wahren Namen nicht preis gibt. Frank kennt Harmonica, aber woher? Und da wäre noch dieser enflohene Häftling Cheyenne (Jason Robards), der mit seiner Bande die Gegend unsicher macht. Ach was solls. Wenn diese Penner sich wagen Frank in den Weg stellen, wird er ihnen ihre letzte Lektion erteilen...

"Wir haben nur drei Pferde. Sollten wir (für dich) etwa eines vergessen haben?"
"Nein. Ihr habt zwei zu viel." (Harmonica)


In den bisherigen Rezensionen zu Leones Filmen konnte ich immerzu den Begriff "zum ersten mal" benutzen. Aber bei einem Mann, der insgesamt nur sieben Filme als Regisseur inszeniert hat kommt nach der Hälfte seines Schaffens schon der Punkt an dem so langsam der Begriff "zum letzten mal" immer stärker in den Vordergrund treten wird. Mit "Once Upon A Time In The West" leitete Leone zum letzten mal eine Trilogie ein - die Amerika-Trilogie. Zum letzten Mal drehte er einen echten Western und zum letzten mal erschien in den 60ern ein Film von ihm. Zum letzten mal wollte er mit Clint Eastwood drehen - aber der kam nicht.

Im Grunde wäre es auch nur ein sehr kurzer Auftritt gewesen. In der Eingangssequenz am Bahnhof, in der die drei Banditen ewig auf jemanden warten, den sie umlegen könnten, sollten ursprünglich als Gag Eli Wallach, Clint Eastwood und Lee van Cleef diese Figuren darstellen, ums sogleich von Harmonica umgenietet zu werden. Als das nicht relaisierbar wurde, besann man sich auf andere Schauspieler für die drei "Opfer".

Nun ja, dafür überzeugt das neue Ensemble mit Charles Bronson, Jason Robards, Henry Fonda und Claudia Cardinale mindestens ebenso.

Leone präsentierte zum ersten mal eine Geschichte, in der sich die Schicksale der Männer um eine Frau drehen. Normalerweise haben Frauen in seinen Filmen eine sehr unterrepräsentierte Erscheinung. Man hätte meinen können, dass er einfach nicht mit Frauenrollen umgehn könnte, aber mit Jill McBane schuf er eine recht tiefgehende Figur. Ihrer neuen Familie beraubt, der sie die Mutter ersetzen sollte, die lange zuvor gestorben war, muss sie sich allein in der von Männern dominierten Welt durchsetzen. Zwar bekommt sie durch Harmonica und Cheyenne testosteronbestückte Hilfe zur Seite gestellt, doch zu keinen Zeitpunkt bittet sie um Hilfe,Gnade oder Nachsicht, weil sie eine Frau ist. Sie leidet nur für sich, hat den Blick aber fest auf die Zukunft gerichtet.

Mit Henry Ford als Bösewicht wurde quasi ein Image zerstört. Für die Amerikaner, die Ford nur als unerschütterlichen Helden kannten, muss es ein Schock gewesen sein, als er zu Beginn des Films Kinder hinrichtet. 

"Deine Freunde haben eine hohe Sterblichkeitsrate." (Harmonica)

Mit seiner neuen Trilogie wendet Leone sich neuen Themen zu. Wie bereits in "Zwei glorreiche Halunken" beschäftigen ihn zunehmend wichtige Ereignisse der amerikanischen Geschichte. Zuerst war es der Bürgerkrieg. In "Spiel mir das Lied vom Tod" ist der Eisenbahnbau mit dem Wettstreit zum Pazifik das zentrale Thema. An wichtigen Punkten in der Landschaft (z.B. an leicht zugänglichen Wasservorkommen) werden Bahnstationen errichtet. Erfahrungsgemäß entstanden um diese Bahnstationen ganze Städte, brachte die Eisenbahn Reichtum, Wohlstand, Bildung und somit Zivilisation. Die Eisenbahn wird somit zum Kontrapunkt des Westernhelden, der für Überlebenskampf, grenzenlose Freiheit, Gesetzlosigkeit und Wildnis steht. Durch die Eisenbahn wird das Ende der Wild-West-Ära eingeleitet. Verstärkt wird das Thema noch dadurch, dass einer der Helden am Schluss durch einen tödlichen Schuss aus der Waffe des Eisenbahnbauers Morten stirbt.

"Ich habe schonmal so drei Mäntel gesehen. In den Mänteln waren drei Männer; und in den Männern drei Kugeln." (Harmonica)

Der Soundtrack Morricones ist deutlich experimenteller geworden, da über weite Strecken ein Score aus Geräuschen dominiert. Die extremen Close-Ups und Totalen sind zwar noch vorhanden, werden aber nicht mehr so inflationär eingesetzt. Dafür sind einige sehr schöne Kamerafahrten mit dabei.
Neu sind einige Aufnahmen vom Monument Valley. Somit ist dieser Film der erste von Leone, den er nicht nur in Rom und Spanien gedreht hat.

Was mir an der vorliegenden DVD Edition besonders positiv aufgefallen ist, ist das 1a aufbereitete Bild. Es ist einfach Wahnsinn, welch hohe Bildschärfe und Bildtiefe die Restauratoren aus den Negativen herausgeholt haben. Selbst viele aktuelle Filme lassen nicht so viele Details in den Texturen erkennen. Dadurch kommen die für Leone typischen Geologie gewordenen Gesichter in den Nahaufnahmen noch besser zur Geltung. Gleiches gilt im Übrigen für den bereinigten Ton.

Das Duell am Ende des Films wurde übrigens als Hommage fast 1:1 am Ende des Films "Punisher" (Thomas Jane; John Travolta) übernommen.

Ein Klassiker, der allerdings "Zwei glorreiche Halunken" nicht das Wasser reichen kann.

9 von 10 Rachegelüsten

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