Donnerstag, 24. Januar 2008

Zwei glorreiche Halunken - The Good, the Bad and the Ugly

AIIAIIAAAAAA -WAH WAH WAH

Zum letzten Mal reitet 1966 der Mann ohne Namen (Clint Eastwood) in einem Film von Sergio Leone. Diesmal sind er, der hässliche immerzu fluchende Tuco (Eli Walach) und der kaltherzige Sentenza (Lee van Cleef) auf die Spur eines vergrabenen Goldschatzes gekommen; einer Kiste mit Sold der für die Armee bestimmt war, jedoch von Soldaten gestohlen und versteckt worden ist. Dabei kreuzen sich die Wege der drei immer wieder auf mehr oder weniger schmerzhafte Weise bis es zum finalen Showdown auf einem Friedhof kommt.

Zugegeben, die Zusammenfassung der Geschichte klingt auf den ersten Blick banal, aber dieses Mal kann Leone mit einigen Überraschungen aufwarten. Mit dem letzten Teil der "Dollar-Trilogie" hat er sich endgültig von den Wurzeln des amerikanischen Western gelöst und macht komplett sein eigenes Ding, und verlangt auch dem Zuschauer mehr ab. Damals war es so, dass man spätestens alle zehn Minuten eine Actionsequenz zeigen musste um das Publikum bei der Stange zu halten. Leone pfeift nun (glücklicherweise) auf dieses Prinzip und setzt neue Maßstäbe. Die Action hat sich ab sofort dem Nutzen für die Geschichte anzupassen und ist nicht länger ein reines Mittel zur Unterhaltung. Schließlich nimmt sich Leone (in dieser längeren DVD-Fassung) fast drei Stunden Zeit. Quentin Tarantino nennt ihn jedenfalls seinen "Liebligsfilm". Das macht ihn doch schonmal wert einen Blick auf ihn zu werfen.

Kern des Films sind die drei im Originaltitel genannten Figuren.

"Du weisst doch, dass ich meine Aufträge immer erledige!" (Sentenza)

Sentenza ist ein kaltblütiger Auftragsmörder, der komplett frei von Emotionen handelt. Ohne mit der Wimper zu zucken erschiesst er Kinder, verprügelt Frauen, nimmt Familien den Ernährer und schreckt auch nicht vor Folter zurück. Dabei - und das wird in der Folterszene mit Tuco deutlich - findet er aber auch keinen Gefallen an Gewalt. Sie ist in seinen Augen einfach nötig um seine Ziele zu erreichen; ohne ein Maß zu kennen. Einzig die Gier nach Gold treibt ihn an. Somit wird er zum ultimativen Bösen des Films.

"Weisst du was du bist, Blonder? Der Sohn einer gottverdammten Hure!" (Tuco)


Gut ist Tuco zwar nicht, aber bei Leone gibt es keine wirklich guten Charaktere. Alle sind böse, aber manche nunmal mehr als andere. Tuce indes bringt mit seinem unbeherrschten, emotionalen und sprunghaften Verhalten, wenn er sich um Kopf und Kragen quasselt, sich bekreuzigt als wolle er auf seiner Brust "Schiffe-versenken" spielen oder der köstlichen Mimik von Eli Wallach das komödiantische Element in den Film. Und auch die menschlichsten Aspekte stammen von ihm. Er ist der einzigste der Hauptfiguren, die durch seinen Bruder, den man im Laufe der Handlung kennenlernen wird, einen Hintergrund bekommt abseits der Handlung; eine Vorgeschichte. Er ist letztenendes immer der Gelackmeierte. Und das bringt für gewöhnlich immer Symphatipunkte beim Publikum ein. Es fällt am leichtesten sich mit ihm zu identifizieren. Dadurch wird er zum Mittelpunkt des Films, selbst wenn er nicht der Held ist.

"Auf dieser Welt gibt es zwei Kategorieen von Menschen. Die einen haben einen geladenen Revolver und die anderen buddeln. Los - buddel!" (Blonder)


Der Mann ohne Namen, der von Tuco nur "Blonder" genannt wird, hat sich in "Zwei glorrreiche Halunken" weiterentwickelt. Ihn füllt nicht mehr nur die schweigsame Coolness aus, er zeigt auch zum ersten Mal echte Anteilnahme. Dies geschieht jedoch recht subtil, wenn er beispielsweise samaritergleich einem sterbenden Soldaten die Jacke über die Brust legt und mit ihm seine Zigarre teilt. Allerdings zeigen sich auch leicht sardistische Untertöne, wenn er seine perfiden Spielchen mit Tuco treibt. Insgesamt schenken sich diese beiden Figuren nichts, was zu so manch komischer Situation führt.

Für das Ende der Dollar-Trilogie hat Leone enorme Recherchen unternommen. Dadurch, dass ihm das doppelte Budget von "Für ein paar Dollar mehr" zur Verfügung standen, konnte er es sich leisten viele Requisiten und Sets, die er auf Fotos aus dieser Zeit gesehen hat, originalgetreu bauen zu lassen. Das fast surreal anmutende Geschütz mit dem hölzernen Kugelfang auf dem letzten Waggon des Zuges ist ein gutes Beispiel hierfür. So entsteht eine Authentizität, die vielen anderen Filmen des Genres abgeht. Und durch die große Summe konnte er sogar eine Schlacht im amerikanischen Bürgerkrieg inszenieren.

Zum ersten Mal verflechtet Leone politische Inhalte und Aussagen mit der Handlung. Er greift ein wichtiges Ereignis der amerikanischen Geschichte auf: den Bürgerkrieg. Man sieht willkürliche Erschießungen, Gefangenenlager, die historisch belegt, aber auch dramatisiert dargestellt, an die Konzentrationslager der Nazis erinnern, in denen die Gefangenen Musik spielen müssen um die Geräusche der Folter zu überdecken. Er zeigt wie der Mensch im Krieg verroht und gleichgülig wird. Schließlich mündet dieser Teil der Geschichte in einer Schlacht um eine Brücke mitten im Niemandsland zu der der Mann ohne Namen nur fassungslos sagen kann: "Was für ein Unsinn. Die krepieren ja alle. Und wofür?"
Leone nimmt Tuco und den Blonden ein wenig in Schutz an dieser Stelle, denn deren Vergehen verblassen vor den Verbrechen, die Nationen verüben. Das wird noch ein wenig verstärkt wenn man kurz darauf den Soldatenfriedhof mit den unzähligen Kreuzen sehen kann.

An bekannten Themen greift er wieder die Geldgier, die ins Verderben führt und die Querverweise zum katholischen Glauben auf(Kreuze, ausgebrannte Kirche etc.), deren Interpretation letztlich jedem selbst überlassen bleibt.

Bisher viel zu kurz gekommen ist der Soundtrack der Leone Filme, der stets von Ennio Morricone geschrieben wurde. Das Titelthema lehnt sich wieder an die rockigen Klänge der ersten beiden Filme an, die inhaltlich nichts miteinander zu tun haben. So wie Leone verfeinert Morricone bis zu diesem Film sein Handwerk und wir können ihn hier auf dem Höhepunkt seines Schaffens sehen. Morricone verknüpft gerne einzelne Geräusche mit den Auftritten von bestimmten Figuren, vermischt klassische mexikanische Trompeten mit neuen Melodien, wechselt von typischen Westernklängen (Mundharmonika) zu rockigen, in orchestralen Sound gleitende Stücke. Ungewöhnliche Vorgehensweise: zuerst wurde die Musik geschrieben und erst DANN wurde der Film gedreht und der Schnitt an den Score angepasst.

"Hey, du Fettsack, ich werd dich fertig machen. Wirst schon sehen, da bleibt nur ein Fettfleck übrig. Und es wird nichtmal viel Krach machen." (Tuco)


Zudem übt sich der Film in Stille. Immer dann wenn sich die Gewalttaten des Sentenza anbahnen, werden sie durch vollkommene Stille eingeläutet. Man weiss als Zuschauer sofort: "Ok, der überlebt die Szene nicht." Aber von dieser Erkenntnis an kann es noch lange Minuten dauern bis es endlich geschieht. Wie gesagt, Leone lässt sich hier viel Zeit. 

Schauspielerisch gibt es nichts zu meckern. Alle überzeugen in ihren Rollen.

Auch zum Schnitt möchte ich mich nicht groß äussern, da man hierzu mehr in den Rezensionen zu den ersten beiden Teilen lesen kann. Erwähnenswert ist, dass hier noch öfter und deutlicher mit den Totalen und extremen Close-Ups gespielt wird. Beeindruckend ist die Kamerafahrt auf dem Soldatenfriedhof, der kreisförmig angelegt ist. Tuco sucht das Grab des Soldaten in dem sich der Schatz befinden soll. Hierzu läuft er immer im Kreis und blickt Reihe für Reihe auf die Inschriften. Die Kamera behält dabei den Schauspieler immer im Fokus und die Umgebung hinter ihm verschwimmt. Beeindruckende Leistung des Kameramannes; besonders am damaligen Stand der Techik gemessen.

"Wer schiessen will sollte schiessen und nicht quatschen!" (Tuco)

Bekannt geworden ist "Zwei glorreiche Halunken" für sein Showdown auf dem Friedhof, der auch heute noch als einer der Besten gilt. Über fünf Minuten dauert es vom Aufstellen der Duellisten bis endlich die Schüsse fallen. Die Score gepaart mit den Schnitten ist hier einfach ein Gedicht. Und es wird keine Silbe gesprochen. Spannend und elektrisierend!

Oh, ich versprach ja noch eine Information zum Thema Metallica! Auf der Platte "S&M" covern die Horsemen den Song "Extasy of gold" mit dem die Friedhodsszene um Tuco eingeleitet wird. Das meiner Meinung nach beste Stück Morricones.

Keine Wertung, da Genrereferenz.

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