Freitag, 18. Januar 2008

M

Die Menschen in Berlin leben in Angst. Seit Monaten geht ein Kindermörder um. Paranoia greift um sich, jeder verdächtigt jeden. Da kann es durchaus passieren, dass ein harmloser Passant, der von einem Kind angesprochen wird, sich auf einmal im Handgemenge oder im Gefängnis wieder findet. Während die Berliner immer ungeduldiger werden, arbeitet die Polizei auf Hochtouren. Doch dem Organisierten Verbrechen ist dies nicht genug. Die ständigen Razzien bringen die Geschäfte zum Erliegen und so beschließen sie selbst tätig zu werden und die Bettlergilde, die in der ganzen Stadt präsent ist als Beobachter einzuspannen.

Der Kindermörder indes ahnt nicht, dass sowohl Polizei als auch die Berliner Unterwelt ihm dicht auf den Fersen sind...

Romuald Karmakar von der Süddeutschen Zeitung schrieb über M: "Dieser Film ist Weltkulturerbe, nicht offiziell, aber im Herzen aller, die das Kino lieben."


Tatsächlich ist der Mitte 1931 erschienene Film einer der ersten Tonfilme Deutschlands gewesen und alleine schon von technischer Seite betrachtet eine kleine Sensation. Zum ersten Mal drehte Fritz Lang, der durch seine eher phantastischen Werke "Die Nibelungen" oder "Metropolis" bekannt geworden ist, einen Film der in der Realität verankert war. Die Republikverdrossenheit der Deutschen schlug sich stark in der Kunst nieder. Während Anfang der 20er noch Dadaismu, Kubismus und andere sehr abstrakte Kunstformen in Mode waren, herrschte gemäß der allgemeinen Stimmung die "neue Sachlichkeit" vor. Dennoch tobt Lang sich auch dieses mal trichtechnisch aus, wo immer es ihm sinnvoll und möglich war. Wann immer man heute einen Kameraschwenk sieht sollte man innnerlich eine Kreuz machen und "Ave Fritz" aufsagen, denn er war der Erfinder des Schienensystems auf dem Kameras montiert Fahrten und entsprechende Schwenks vollführen konnten. Damit bereicherte er das Repertoire der Filmschaffenden doch beträchtlich. Daher kommen auch hauptsächlich Tricks in dieser Sparte zum Einsatz. Kameras, die nach unten hängend nach oben durch Löcher im Boden hochgefahren werden und große Straßenszenen sind hier nur ein Beispiel. Und man muss es einfach hämisch sagen: z.T. sauberer ausgeführt als bei so mancher heutigen deutschen Produktion. 

Das Bild ist über jeden Zweifel erhaben, doch der Sound steht auf einem anderen Blatt. Für seine Zeit revolutionär, wirkt die vollkommene Stille, die urplötzlich von eingespielten Geräuschen durchbrochen wird, manchmal unfreiwillig komisch. Der Ton der Dialoge wiederum ist sehr gut.

Von den Schauspielern dürfte einigen nur noch Gustav Gründgens (Mephisto) ein Begriff sein, der hier den Gangsterboss mimt. Der Kindermörder wird mit einer wirklich überragenden Leistung von Peter Lorre (Casablanca, 20.000 Meilen unter dem Meer) dargestellt, der 1933 auswanderte.

Was den Film eigentlich so spannend macht ist zum einen, dass Fritz Lang - für damals ungewöhnlich - sehr intensiv Kriminalarbeit, Ermittlungsmethoden, Täterprofile usw. studierte, bevor er sich an die Arbeit machte. Zum anderen ist da die Möglichkeit unheimlich viel aus dem Film über die damaligen Lebensumstände und die allgemeine Geistige Haltung herauszulesen. Das Ganovengericht am Ende des Films macht deutlich wie sehr die Deutschen von der Republik frustriert waren und sich daher von ihr abwandten. So viel dazu, am bestem immer selbst ein Bild machen. 

Zum Abschluss noch etwas kluggeschissen: Langs "Metropolis" wurde vor ein paar Jahren zum Weltdokumentenkulturerbe erklärt. Für Kinofans also geradezu Pflicht!

10 von 10 Confiserie-Tütchen

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