Dienstag, 15. Januar 2008

Todeszug nach Yuma

Westernfilme haben seit den Siebzigern einen schweren Stand. Nachdem die Zuschauer mit den Ami- und den Italo-Western in den 50er und 60er Jahren geradezu überschwemmt worden sind mit dieser Art Film, war man es leid Cowboys, Indianer, Prärier und Pferde zu sehen. Mehr oder weniger versank das Genre im Orkus. Meiner Meinung nach zu Recht, denn die große Masse dieser Filme war auf Zelluloid gebannter Müll, wenn man von einzelnen Werken, wie denen Leones und weniger anderer mal absieht.

Doch getreu dem Knorkator-Song "Die Scheisse rennt dir nach" kommt auch aus dem Klo der Unterhaltung hin und wieder was nach oben. Und da das so selten geschieht sind das dann meist auch richtige Filmperlen. Zu erwähnen sind da unter anderem "Erbarmungslos", "Schneller als der Tod" oder die Serie "Deadwood". "Todeszug nach Yuma" (3:10 to Yuma) reiht sich hier souverän ein, soviel sei vorab verraten.


Dan Evans (Christian Bale) lebt mit Frau und zwei Söhnen in Arizona und kommt eher schlecht als recht über die Runden. Er hat imense Schulden und weiss nicht wie er diese tilgen soll. Zudem will sein Gläubiger ihn von seinem Land vertreiben, da der Bau der Eisenbahn gut voranschreitet und Dans Land dann sehr wertvoll wird. Zudem ist Dan mit einem Handicap geschlagen: im Bürgerkrieg verlor er ein Bein unterhalb des Kniegelenks. In Interviews wurde Bale darauf angesprochen, dass man sich beim Script Sorgen gemacht habe, schließlich gilt er als radikaler Schauspieler, der keine körperlichen Risiken für eine Rolle scheut (siehe "the maschinist"). Ob er sich womöglich noch ein Bein für die Rolle amputiert?

Inmitten der Geldnot trifft es sich gut, dass der Outlaw Ben Wade (Russel Crowe) von den Pinkertons gefasst wurde und nun gut bezahlte Freiwillige gesucht werden, die Wade zum Zug nach Yuma bringt, damit er ins Gefängnis überführt werden kann. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg und Wades Bande ist unterwegs ihn zu befreien...

James Mangold (Identität, Walk the Line, Cop Land) erzählt in seinem Remake (Original von 1957) eine für das Genre übliche sehr gradlinige Geschichte. Mit Inhalt wird sie erst durch das grandiose Schauspiel von Bale und Crowe, denen man durchaus zutrauen kann die selbe überzeugende Leistung in vertauschten Rollen abzuliefern. Die Figuren sind nicht wie so oft in Western schwarz-weiss gemalt, sondern sehr abgründig gezeichnet. Die Figur des Wade gibt als Outlaw allerdings naturgemäß mehr her. Auf der einen Seite der erfolglose Farmer, dessen Überlebenskampf und sein Sinn für Recht und Ordnung ihn an seinem Auftrag festhalten lassen, auf der anderen Seite der Gesetzlose, der jedoch bei aller Brutalität und Kaltblütigkeit nie wirklich unsymphatisch wird. Auch er hat Regeln und klare Vorstellungen über Gerechtigkeit. Leider decken sich diese nicht mit der aktuellen Gesetzgebung.

Doch erst durch Evans Sohn, der seinen Vater für einen Versager hält, und zu Wade als coolen Typen aufschaut, geraten die Hauptfiguren aneinander. Quasi als Kampf Gut gegen Böse und als Pokal winkt das weitere Schicksal des Jungen.

Der Film wird in ruhigen, schönen Bildern erzählt. Der Soundtrack passt sich gekonnt dem Tempo des Films an und auch die Action kommt indes nicht zu kurz. Wie es sich für einen ordentlchen Western gehört, kommt es am Ende zum passenden Showdown.

9 von 10 Trapper

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen