Mittwoch, 16. Januar 2008

Hellboy

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges versucht Hitler - der vom Okkulten besessen ist - das Ruder noch einmal herumzureissen. Hierbei soll ihm Rasputin, die ehemalige rechte Hand des Russischen Zaren um die Jahrhundertwende, helfen. Rasputin baut mithilfe einiger Gesellen wie dem mehr oder weniger untoten Kroenen, seiner Geliebten Ilsa Haupstein und namenloser Nazi-Wissenschaftler eine Apparatur die der Wehrmacht ungeahnte Kräfte verleihen soll. Die Maschine ist ein Portal zur in den kalten Weiten des Alls gefangenen Bestie Oggdru Jahad. Diese gedenkt Rasputin in Wirklichkeit zu erwecken, denn sie ist es der er seine Unsterblichkeit verdankt (wir erinnern uns: den echten Rasputin musste man ja auch mehrmals töten bis er auch endlich mal tot war und blieb ). Es kommt wie es kommen muss: das Experiment geht dank des Eingreifens der US-Marines deftigst in die Hose und alle Bösewichter geben erstmal den Löffel ab. Doch durch das Portal ist ein kleines rotes Geschöpf gekommen, das von dem Wissenschaftler Broom adoptiert wird. Hellboy.

Dann macht der Film einen Sprung ins Heute, wo der ahnungslose FBI-Agent John Meyers Hellboy als Partner und Aufpasser zur Seite gestellt werden soll. Während Meyers durch die Hallen der "Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Phänomene" geführt wir und vor obskuren Figuren und Wesen gar nicht so recht weiss wie ihm geschieht, feiert Rasputin seine Wiederauferstehung. Hellboy zur Seite stehen noch der Amphibienmensch Abe, die lebende Fackel Liz Sherman und diverse Argumentationsverstärker mit denen dem Gekröse ordentlich der Arsch aufgerissen wird.

KACKE!

Comics haben es in unseren Breitengraden in aller Regel sehr schwer; deren Verfilmungen wissen eher die Leute zu begeistern. Schade, denn wie so oft ist auch hier die Comicvorlage facettenreicher als die Adaption. Dennoch ist Hellboy mein Hit 2004 gewesen. Daß Guillermo del Toro (Blade 2, Mimic, Cronos, Pans Labyrinth) Fan des Comics ist, bereichert die Umsetzung beträchtlich, ebenso wie das Mitwirken des Hellboy-Schöpfers Mike Mignola höchstpersönlich. Von der ersten Szene an begeistern die kräftigen Farben, die phantasievollen Sets, die Masken, Tempo, Kameraführung (achtet mal drauf, fast nie steht die Kamera still, sondern vollführt immer Schwenks) und die markigen Sprüche. Dazu eine trashige pulp-Story, die gerade durch Witz und die sehr lebendigen Figuren bzw. deren Zusammenspiel lebt. Unglaublich, wie sehr die Rolle des Hellboy Ron Perlman auf den Leib geschrieben zu sein scheint. Dabei erscheint der Comic bereits seit 1994 bei Dark Horse (bei uns Cross-Cult).

Schade ist lediglich, dass die Kreaturen-Macher sich auf ein paar wenige Figuren beschränken mussten. Wer Hellboy kennt erwartet noch mehr schleimiges Gekreuch als den Ratz-Fatz-Reinkarnierer Sammael und das Wesen am Ende. Dafür sieht das wenige einfach toll aus. Auch wenn es sehr oft nach Computer ausschaut, so werden Abe und Sammael in den meisten Szenen tatsächlich von echten Schauspielern in Masken gespielt. An dieser Stelle möchte ich allen die 3 Disc-Variante ans Herz legen, die mittlerweile schon für 12 € zu haben ist. Unter den massig Extras gibt es ein umfangreiches Making-Of und einen Audiokommentar mit den Schauspielern, bei dem die Sprecher gezeigt werden und der Film meist nur in einem kleinen Fenster mitläuft. Da wird zwei Stunden herrlichster Unfug erzählt.

Um allen Unkundigen der Vorlage ein Gefühl für die Unterschiede zur Verfilmung geben ein kurzer Abriss, was anders ist. Im Comic hat Hellboy nie etwas mit Liz, dafür funkts zwischen ihr und Abe gewaltig. Abe ist etwas weniger zart besaitet. Rasputin wird ziemlich fix von Hellboy über den Jordan gebracht und nervt seitdem nur noch aus der zweiten Reihe im Jenseits. John Meyers wurde neu erfunden. Im Comic geht H. oft mit Kate Corrigan auf Ermittlung. Der Humor ist noch einen Tick schwärzer und die Geschichten noch pulpiger (nichts ist unwahrscheinlich genug, als dass man nicht doch noch irgendwie die Nazis einbauen könnte  ). Rasputin hatte noch einen Verbündeten: Hermann von Krupt, einen Naziwissenschaftler. Irgendwas sagt mir, dass die einen schwebenden Kopf in einer Art Trauchglocke nicht einfach so auf der Halde für Ideen liegen lassen werden...  Noch zwei weitere Sidekicks von H. fehlen im Film: das Medium Johann Kraus und der Homunkulus Roger. Da Johann im neuen Hellboy mitspielen wird, denke ich, dass wir mit Roger im dritten Teil rechnen können. Oh, das Wichtigste: im Comic ist die Funktion von Hellboys rechter Hand noch nicht so ganz geklärt, aber es schein, dass es noch etwas apokalyptischer als im Film wird.

Dennoch ist Hellboy für mich eine der besten Comicverfilmungen. Denn eines hat del Toro im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen verstanden: die Quintessenz der Vorlage einzufangen.

9 von 10 scheimigen Tentakel

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