Freitag, 11. Januar 2008

Das Reich der Sonne

Am Tag als 1941 die Japaner Pearl Harbour überfielen wurden in Shanghai alle westlichen Zivilisten in den Diplomatenvierteln deportiert.

Dort lebt auch der 11jährige Flugzeugfan Jim mit seinen Eltern. Während Shanghai schon lange von den den Japanern besetzt ist wagen sie sich nicht in die geschützen Viertel von Briten und Amis einzumarschieren.  Die Häuser, das Gesellschaftliche Leben, der Luxus, Schulen, alles sah aus wie in der Heimat; ein Staat im Staat.

Als die Japaner auch mit den Amerikanern im Krieg liegen, besteht kein Grund mehr für Zurückhaltung. Viele versuchen zu Flüchten, landen aber nur in Auffanglagern. Dabei wird Jim von seinen Eltern getrennt und versucht im besetzten China zu überleben. Was folgt ist eine Odysse, die ihn direkt in die Gefangenschaft führt. Dort lernt Jim wie man im Krieg überlebt und auf kürzestem Weg erwachsen wird.

"Das Reich der Sonne" nach dem Roman von J.G. Ballard, der mit seinem Buch seine eigene Kindheit in Shanghai und dem Gefangenenlager aufarbeitet, wurde von Steven Spielberg in Szene gesetzt. Ungewöhnlich für die Filme Spielbergs in den 80ern protzt er hier nicht mit Effekten oder trumpft mit einer kitschüberladenen Geschichte auf. Die Bilder sind dreckig, ungeschönt und die Musik Williams bemüht möglichst nicht die Tränendrüse. Der Film nimmt in vielen Passen schon vorweg was Spielberg später mit "Der Soldat James Ryan" oder "Band of Brothers" und "Schindlers Liste" wieder aufgreitft.

Das Thema zweiter Weltkrieg ist hier insofern (noch) interessant, da eine neue Perspektive und ein recht unbekanntes Kapitel dieser Zeit beleuchtet wird. Angenehm auch, dass Spielberg vermeidet die Japaner zu Dämonisieren.

Dabei lebt "Das Reich der Sonne" hauptsächlich von seinen durchweg guten bis sehr guten Schauspielern. Allen voran: Christian Bale als Jim. Man muss zweimal hinschauen bevor man ihn erkennt und was er hier für eine Leistung hinlegt ist beachtlich. Manchmal sind die Szenen mit ihm derart "strange", dass man glauben könnte eine kindliche Version von Klaus Kinski zu sehen. Herrlich. Bale transportiert die Wandlung vom naiven, verzogenen Balg zum demütigen, kämpferischen, tiefere Werte entwickelnden Jugendlichen wunderbar.

Ebenfalls erwähnenswert: John Malkovich und Joe Pantoliano.

8 von 10 abschmierenden Zeros

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