Samstag, 13. Juli 2013

Zeitreisen in die Gegenwart


Alles zurück auf Stunde Null. Eben noch kämpft Shaun in einem mittelalterlichen Gewölbe mit einem außerirdischen Wesen, nur um in der nächsten Sekunde in seinem eigenen Bett in Genf aufzuwachen. Er kann sich nicht erklären was geschehen ist, und spätestens als er im CERN seine Arbeit antreten will, stellt er fest, dass etwas faul ist im Staate Dänemark...

Mittwoch, 15. Mai 2013

Schnarch vs. Gamer: Colonial Marines

Tief in den Eingeweiden des weltweiten Netzes, genauer gesagt im binären Bundesstaat Jobgates, findet sich am Fuße des Mount Zuse Memorials alljährlich die digitale Prominenz ein, um Gericht zu halten über all die programmierten Verbrechen, die von den Entwicklerstudios auf die User losgelassen wurden. Wie in all den Jahren zuvor hatte das Master-Control-Programm den Vorsitz inne. Zwar hatte man angesichts der Popularität des Angeklagten mit einem vollen Server gerechnet, aber der Andrang war noch stärker als erwartet, sodass nicht alle Anwendungen geladen werden konnten. Geduldig wartete das MCP ab, bis auch die letzten Dateien Platz genommen hatten. Schließlich räusperte es sich laut und vernehmlich in das Mikrofon auf dem Richterpult. Sofort verstummte das Zischeln und das Getuschel im Zuschauerraum. Tausende Augen wandten den Blick erwartungsvoll zum MCP, das zufrieden die Sitzung eröffnete.

Montag, 4. März 2013

Die zweieinhalb Leben des Käpt'n Knudson



             'Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.'      
Ich hab keine Ahnung welche Pfeife diesen Aphorismus als Erster in den Äther genuschelt hat, aber was für geistig minderbegabte Fußballer gilt, hat in diesem Fall auch im Schattenbusiness Bestand. Nachdem wir die Geschäfte, für die wir nach Kopenhagen gekommen waren, erledigt hatten, war es an der Zeit die Heimreise in Angriff zu nehmen. Da wir wieder mit unserem Schnellboot nach Hamburg zurückschippern würden, war es klug, wenn wir keine Leerfahrt machen würden. Für irgendwas muss ja unser Schmuggelfach gut sein. So entschieden wir aufgrund eines Tipps von Sunetras alter Freundin Lina einer berüchtigten Hafenkneipe einen Besuch abzustatten. Vielleicht konnten wir ja dort einen kleinen Transportauftrag ergattern. 
            Am frühen Nachmittag schlenderten wir gemütlichen Schrittes an der Hafenpromenade entlang, vorbei an Anlegestellen mit vertäuten Fischerbooten und privaten Schiffen wie unserer Dead Man's Hand, Tante Emma Lädchen - ja, die gibt's tatsächlich noch in Dänemark -  Spirituosen-Geschäften, Puffs und Fischmärkten. Die Gebäude waren nahezu alle verklinkert und versprühten diesen gewissen ursprünglichen, abgerissenen, dezent herunter-gekommenen Charme, der Gemütlichkeit verheißt. Ein laues Lüftchen tanzte uns mit einer olfaktorischen Melange aus Salzwasser, frischem Fisch und Gebratenem um die Nase, während am weitgehend wolkenfreien Himmel einige Möwen kreischten.           In der Nähe der Marktstände hielten sich Nutten an den Seitengassen auf, um ihr Glück dabei zu versuchen die Herren der Schöpfung auf ihrem Heimweg zu Frauchen abzufangen. Allzu viel edles Material war nicht dabei. Eher würde ich einen Karpfen zum Fellatio missbrauchen als mich freiwillig auf eine der Dirnen zu legen. Diese Bazillenmutterschiffe wären wahrscheinlich sogar für meine Konstitution zu viel gewesen.    
            Cone schmiedete scheinbar andere Pläne. Daher gab ich ihm mit einem Ellenbogenknuff zu verstehen, dass er von den Mädels lieber alle elf Finger lassen sollte. Mit trotziger Gleichgültigkeit überspielte er seine Enttäuschung und trottete uns nach kurzer Pause hinterher - nicht ohne einen letzten sehnsüchtigen Blick auf die 'Auslage' zu werfen.     

Sonntag, 24. Februar 2013

Viel Feind - viel Ehr!



            Sanft schaukelte die Dead Man's Hand auf der Ostsee hin und her, als sich eine Drohne mit der Silhouette einer Hummel aus der mit Rauputz verkleideten Wand löste. An zwei hakenartigen Gebilden unter ihrem Bauch war eine metallene Düse befestigt, die das Ende eines Schlauchs bildete. Sie schwebte zu dem Nordwerft Wind Schnellboot herüber und verharrte vor einer schmalen Öffnung. Dort angekommen veränderte sie die Ausrichtung der Düse um etwa vierzig Grad nach unten und führte sie in den Tankstutzen ein. Abschließend schoben zwei kleine Greifärmchen einen Verschluss nach vorne, der rasend schnell auf das an der Bordwand befestigte Gewinde geschraubt wurde. Nun versiegelt, begann der Roboter umgehend Treibstoff mit hohem Druck in den Tank des Schiffs zu pressen. Aus müden Augen blickend, standen wir etwas abseits am Pier der Bootstankstelle und sahen dem Schauspiel der Drohne zu. Die Ereignisse der letzten Tage hatten uns mehr mitgenommen, als uns lieb war.      
            Nicht nur Piraten wollten uns ans Leder, nein auch die Vollversammlung der Wassergeister erwartete uns als schwimmenden Snack zur Halbzeitpause. Nur mit viel Glück waren wir ohne eine Schramme da durch gekommen. Und als wir endlich des nachts in Kopenhagen angekommen waren, tauchte dieser Japaner - Yashida Himoto - auf, der steif und fest behauptete der Verlobte unserer elfischen Spruchschleuder zu sein. Doch diese Enthüllung war nicht Schock genug. Nein! Ihm auf den Fersen waren auch noch irgendwelche Fremden, die uns mit einem Containerkran am Hafen den Garaus machen wollten.
            Kaum waren wir auch dieser Gefahr entkommen, musste ich enttäuscht feststellen, dass unser Tank fast leer war und wir nicht auf dem schnellsten Weg aus Kopenhagen verschwinden konnten. Yashida lotste uns also zu dieser teilweise schwimmenden Tankstelle vor der dänischen Hauptstadt. So weit ich blicken konnte hatte sich der Megaplex an der Küste ausgebreitet. Von der Schwarzen Flut von 2011, dem großen Crash von '29 und den Eurokriegen hatte sich das Land prächtig erholt und prosperierte seit drei Jahrzehnten so stark, dass selbst eine solche Klitsche von Tankstelle mit vollautomatisierten Drohnenbetankungssystemen ausgestattet war. In Hamburg hätte man dafür ein paar SINlose Hanseln angestellt, die wahrscheinlich sogar zum Schuhe zubinden zu dumm waren.  

Samstag, 16. Februar 2013

Nur 48 Stunden



Kapitel 3 - Mit dem Finger in der Wunde

Langsam krochen vereinzelt und schüchtern die ersten Sonnenstrahlen über altmodische Backsteinhäuser und charmebefreite Plattenbauten. Ein fahler Morgen graute nach einer Nacht, die ich so schnell nicht vergessen werde. Etwa gegen Mitternacht hatten wir das dänische Tønder erreicht, das am nördlichen Ufer des Neuen-Nord-Ostsee-Kanals lag. Da die Dead Man's Hand zu klein war, um uns allen genug Schlafplätze zu bieten, entschlossen wir uns in einem der hiesigen Hotels einzumieten.
Wenn man auf einem Run ist, sollte man einige wenige Stunden geruhsamen Schlafs nicht unterschätzen. Oft sorgt das für eine wesentlich bessere Konzentration während der kritischen Phasen einer Mission. Daher war ich auch froh, dass Tønder nicht wie viele andere Städte in Europa mit Qube-Hotels vollgepflastert war. Nicht umsonst nannte man diese Zumutung einer Unterkunft 'Sarghotel'. Wer gerne darin schlief war entweder kleinwüchsig, lag im Koma oder hatte ernsthafte Probleme mit der Wahrnehmung der Realität. Übereinandergeschichtet in engsten Kabinen wurde man mittels eines automatischen Lagersystems wie eine Fracht eingepfercht.
Die anbietenden Firmen warben damit, dass man zu kleinstem Preis die volle Entspannung geboten bekäme. Das war natürlich eine reine Lüge. In Wirklichkeit fühlte man sich wie eine Sardine in der Büchse. Daher wählten wir wohlweislich ein echtes Hotel aus. Doch die Hoffnung in vollkommener Ruhe ein paar Stunden der Entspannung geboten zu bekommen, wurde jäh durchbrochen durch Mandy, Angelica, Michelle und die anderen Prostituierten, deren Namen von ihren Freiern durch viel zu dünne Wände gebrüllt wurden. Der von der Decke rieselnde Dreck und das Wummern der Betten trugen ihren Teil dazu bei dass wir am liebsten ein paar blaue Bohnen verteilt hätten.

Samstag, 2. Februar 2013

Nur 48 Stunden

Kapitel 2 - An der Nordseeküste...


            "Was?!"
Beunruhigt wirbelte ich herum und stürmte aus der Kabine zum Heck des Schiffs.  Mein Haar wogte im Wind wie Seetang unter Wasser hin und her als ich in die Ferne blickte. Tatsächlich näherten sich uns drei Schnellboote mit hoher Geschwindigkeit von Achtern.
            Obwohl es tiefste Nacht war, konnte ich sehen, wie weiße Gischt hinter ihnen von den Motoren in den Himmel geschleudert wurde. Sie waren so schnell, dass sich ihre Buge Speerspitzen gleich gen Himmel gerichtet hatten.            
            Der zweite Ork an Bord trat an meine Seite. "Kannst du etwas erkennen?" 
            "Nein. Weder Waffen, Besatzungen... noch nicht mal so etwas wie Hoheitszeichen oder Konzernzugehörigkeiten. Aber so zielstrebig, wie die näher kommen, sind die nicht auf einen Plausch über einem Bierchen aus."
            "Ja", knurrte Cone, "das da bedeutet garantiert Ärger. Ich frage mich, wie der Zwerg ihr Kommen bemerken konnte."         
            Bevor ich etwas erwidern konnte, öffnete Largo einen Kanal im Komlink: "Entweder leidest du an Demenz oder du hast noch nicht mitbekommen, dass ich der Dead Man's Hand eine Riggeradaption verpasst habe. Sobald ich eingeloggt bin, werde ich eins mit dem Fahrzeug. Alles, was das Radar und die Sensoren aufzeichnen, wird direkt an mich weiter geleitet. Diese Flitzpiepen haben am Hafen auf uns gewartet. Ich hab sie schon seit unserer Abfahrt auf dem Schirm." 
            "Warum hast du nicht vorher was gesagt? Eine kleine Warnung wäre fantastisch gewesen."         
            "Bis jetzt hatten sie genug Abstand gehalten und es gab keinen Grund Panik zu schieben. Es hätte genauso gut Zufall sein können."
             Der ehemalige Ganger zog die Augenbrauen zusammen und sah grimmig zu unseren Verfolgern rüber. "Naja, Zufall können wir ja dann von der Liste streichen."   

Montag, 21. Januar 2013

Nur 48 Stunden



Kapitel 1 - Kubanisches Gold

          Kratzend entzündete sich das Streichholz in einer zischenden Sonne, die sogleich erstarb und so der Geburt einer einzelnen Flamme Platz schaffte. Als das Streichholz die Position wechselte, um sich an einen fast verbrauchten Docht anzuschmiegen, sponn die Flamme schwarze Fäden, die sich kräuselnd von der Spitze lösten und im Raum verloren. Dankbar nahm der Docht die Wärme an und übernahm den brennenden Setzling. Nun entflammt verbrauchte er das Wachs im Stoff und pumpte aus dem größer werdenden See am Fuße des Dochts neuen Brennstoff empor.
          Das Holz setzte seine Reise zu vier weiteren Kerzen fort, bis die Elfe den übrig gebliebenen Stummel zu ihren Lippen führte, um die Flamme auszupusten. Behutsam legte sie die Reste in ein Schüsselchen zu anderen abgebrannten Hölzern.