Sonntag, 27. Januar 2008

Wenn ich groß bin spiele ich mal Indiana Jones

Das Vermächtnis des geheimen Buches

Gemäß den Gesetzen Hollywoods muss ein erfolgreicher Film fortgesetzt werden. So jüngst geschehen in "Das Verrmächtnis des geheimen Buches". Wir erinnern uns an das Ende des Vorgängers: Ben Gates bekommt seinen Tempelritterschatz, die weibliche Hauptrolle als Freundin und der Bösewicht war überm Jordan.... mit etwas Nachhelfen wohlgemerkt.

Hier setzt der zweite Teil an, der somit die erste Fortsetzung in der Karriere von Nicholas Cage darstellt. Und damit hat es sich im Grunde schon mit den Neuerungen. Ben Gates und Abigail (Diane Kruger) haben sich jüngst getrennt, sein Bester Freund Riley (Justin Bartha) hat ein Buch über Verschwörungstheorien auf den Markt gebracht und alles ist somit wieder auf Null zurückgesetzt worden.


Die Ereignisse werden in Gang gebracht, als Ben mit seinem Vater (John Voigt) einen Vortrag über seinen heldenhaften Urgroßvater hält, der im Bürgerkrieg verhindert hat, dass die Union einen unermesslichen Schatz heben und das Kriegsglück wenden würden. Plötzlich steht Jeb Wilkins (Ed Harris) auf und verkündet er habe den Beweis, dass Gates Vorfahre der Hauptverschwörer im Lincoln Attentat gewesen sei. Von der Ehre bei den Eiern gepackt, machen sich Ben und sein Vater auf, einen Gegenbeweis zu finden und stoßen auf die Spur, die zu dem bereits erwähnten Schatz führt. Damit man das nicht allein tun muss, werden noch Riley und Abigail eingepackt und los gehts zur Schnitzeljagd.

Jerry Bruckheimer hat wieder zugeschlagen.

Qualität war ja noch nie seine Stärke, aber mit dem ihm zur Verfügung stehenden Geld kann man mittelmäßige Filme wenigstens gut produziert aussehen lassen. Die 100 mio Dollar stehen dem Film gut zu Gesicht. Schauplätze und Darsteller sind ins Rechte Licht gerückt und alle machen mindestens einen halbwegs (Diane Kruger) oder einen Topjob (Cage, Keitel, Mirren, Bartha und Harris). Es ist ja legitim für eine Fortsetzung die selben Zutaten zu benutzen um eine so schmackhafte wie erfolgversprechende Fortsetzung zusammenzuköcheln, aber den Vorgänger im Grunde zu Kopieren ist schon ziemlich frech. Ja, es geht um einen anderen Schatz, ja auch die Schauplätze sind andere, aber nahezu alle Figurenentwicklungen und grobe Handlungsabrisse wurden 1 zu 1 übernommen. So überrascht es nicht, dass Gates natürlich wieder mit Abigail zusammen kommt; ebenso wie Gates Eltern; der Bösewicht auf jeden Fall einen Tod stirbt (welcher ist ja fast egal bei solchen Produktionen); Gates von der Polizei gejagt wird, die abgedrehtesten Actioneinlagen wieder am Schluss eingefügt werden und der Film vorher nur so dahinplätschert, es wieder eine Verfolgungsjagd gibt und und und...

Aber eines mag ich garnicht:
Logiklöcher ohne Ende. Es kann ja ruhig mal ein bisschen hanebüchen sein, hin und wieder auch ein bisschen mehr, aber der Film sollte dadurch nicht seine Kontinuität und Glaubwürdigkeit verspielen. Die Figur des Jeb beispielsweise erscheint schizophren. Er will das beschmutzte Andenken seiner Vorfahren mit dem Schatzfund überstrahlen. Dazu darf Gates ihn nicht finden. Aber moment mal... er hat ihn doch absichtlich darauf angesetzt weil er zu blöd war ihn zu finden... aber warum will er ihn dann ständig umbringen? Tot findet Gates mal garnüschts. Vor allem: er tut so, als hätte Gates ihm niemals freiwillig geholfen und er hätte ihn nur mit der Geschichte über Gates Vorfahr sein Ziel erreichen können. Moment mal. Gates ist Schatzsucher und das mit Leidenschaft. Mit einem entsprechenden Deal hätte man drüber reden können und es dann zusammen geschafft mit weniger Stress. Dann will Jeb am Ende mehrfach Gates und Freunde beseitigen, beteuert zwischendurch mal kurz, dass alles nur inszeniert sei damit Gates die Stadt aus Gold findet, er eigentlich garnet so bösewichtig ist, hält Abigail dann ein Messer an den Hals und opfert sich schließlich selbst als er scheinbar die Sinnlosigkeit seines Handelns erkennt, damit Gates und die anderen entkommen können. Sinnlos? Äh, ja, das hätten auch die Drehbuchautoren mal besser vorher gemerkt.

Mit das Geilste war aber als die bei Mount Rushmore den Eingang zur Stadt aus Gold finden. Über einen Schalter aktiviert öffnet sich das Tor. Dabei krachen rissartig Teile des massiven Felsens ein und bilden so eine Tür. Äh, ja, das war mit Sicherheit Usus früher bei den Ureinwohnern, diese nur einmal funktionierende Türen zu bauen... oder kam danach immer einer vorbei und hat den Fels neu verputzt?

Trotz aller Kritikpunkte die Handlung betreffend ist Teil zwei besser inszeniert als der Vorgänger. Er ist Kurzweiliger und durch Riley gibt es hin und wieder auch was zu lachen. Auch das Zusammenspiel von Helen Mirren und John Voight als verkrachte Expartner weiss zu gefallen. Insgesamt aber immer noch magerer Durchschnitt. Und in einem Jahr in dem Indiana Jones seine Fortsetzung bekommt, wird Ben Gates es schwer haben im Dezember in einer Rückschau auf das Filmjahr auch nur eines Blickes gewürdigt zu werden.

5 von 10 Mayatempeln

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen