Montag, 4. Februar 2008

Es war einmal in Amerika - Once upon a time in America

Die 1920er Jahre im New York zur Zeit der Prohibition waren ein hartes Pflaster, doch Noodles, Patsy, Max und Cookie schlagen sich für Kinder recht erfolgreich mit Erpressung und Schmuggel durch. Gangsterboss Bugsy sind sie jedoch ein Dorn im Auge, sodass er ihnen von Zeit zu Zeit auf die Pelle rückt. Bei einer dieser Begegnungen wird einer der Freunde tödlich von einer Kugel getroffen. Noodles rächt sich umgehend - von Raserei gepackt - und sticht den Mörder nieder. Selbst die eingreifenden Polizisten können ihn nicht aufhalten. So landet Noodles für über zwölf Jahr im Gefängnis. Als er entlassen wird, warten seine Freunde schon auf ihn. In der Zwischenzeit haben sie mit dem Schmuggel von Alkohol eine Menge Geld verdient und sind dabei ein kleines Gangsterimperium zu errichten. Noodles fügt sich in seine Rolle als zweiter Anführer nach Max, aber ihm behagen die neuen Methoden nicht. Er hält nicht viel vom Morden. Zudem hat er mit seinen unkontrollieren Gewaltausbrüchen und seiner Opium-Sucht zu kämpfen. Schließlich wird die Freundschaft von Max und Noodles auf eine harte Probe gestellt als die Situation eskaliert.

Der letzte Film von Sergio Leone wurde 1984 uraufgeführt. Schon 1968 als er vom Studio gezwungen wurde einen weiteren Western zu filmen, ging er mit der Idee für dieses 220 Minuten Gangster-Epos schwanger. Leone hatte genug von Western. Seine Filme wurden in Kopien zu Dutzenden in anderen Filmen weiterverwertet. Die Filmindustrie Italiens schien sich nur noch für Spaghettiwestern zu interessieren. Daher suchte er nach einer neuen Herausforderung. Als er in den 80ern endlich die Möglichkeit bekam sein Epos zu verfilmen, soll er sich so verausgabt haben, dass er seine Gesundheit verspielt haben soll (Leone starb fünf Jahre später als er an einem Film über die Belagerung Stalingrads gearbeitet hat).

In "Es war einmal in Amerika" findet man viele bekannte Elemente wieder, die typisch sind für Leone. Die Geschichte dreht sich wieder um Outlaws, der Gier nach Geld und dem Verderben, das sie deswegen heimsucht. Optisch hebt sich der Film von seinen Vorgängern stark ab. Der krasse Gegensatz von extremen Close-Ups und Total ist nicht mehr da. Der Film wurde komplett in Amerika gedreht, die Sets sind die aufwändigsten all seiner Filme und die Besetzung ist komplett aus Übersee. Robert de Niro, Joe Pesci, James Woods und Jennifer Conelly treten dabei in die Fußstapfen von Clint Eastwood, James Coburn, Rod Steiger und anderer Stars, die bereits mit Leone gearbeitet haben.

Leone schafft es die 20er, 30er und 60er überzeugend in Bildern einzufangen. Man sieht direkt, dass den Arbeiten eine Menge Recherche vorangegangen sein muss. Sets, Gegenstände, Kleidung, Autos, Straßenbild... alles wirkt sehr authentisch.

Die Geschichte wird in drei Zeitebenen erzählt. Zum einen in der Kindheit der Freunde, dann als Erwachsene in den Dreissigern und schließlich 1968 als Noodles in den Big Apple zurückkehrt und dort seine Vergangenheit erforscht. Dabei springt der Film immer wieder in die verschiedenen Zeitebenen und verknüpft so einzelne Handlungsstränge miteinander. Als der Film 1984 erschien wurde extra ein Cut ohne Zeitsprünge erstellt, damit das Publikum in Amerika der Geschichte besser folgen konnte. Ohne Worte. 

Wieder einmal steuerte Ennio Morricone sen Soundtrack zum Film bei, der sich dieses mal am weitestgehend Hollywood-Standards anpasste, wie auch der Rest des Films. Wirklich herausstechend ist das Panflötenspiel, das sehr asiatisch klingt und vielen aus Kill BIll vol.1 bekannt sein dürfte.

Für Filmfans interessant ist, dass es einige Verknüpfungspunkte zu FIST von Sylvester Stallone gibt. In einem Teil der Geschichte geht es auch um Gewerkschaftsstreiks, Streikbrecher, die Mafia, die dem Streikanführer unter die Arme greift und dafür von ihm Hilfe beim Alkoholschmuggel verlangt.

"Es war einmal in Amerika" ist handlungsbetonter als die vorangegengenen Filme Leones. Dafür geht ihm der Style eines "Zwei glorreiche Halunken ab". Die Western mit ihrer reduzierten Story eigneten sich wahrscheinlich eher für die dialogarme Erzählweise für die Leone bekannt geworden ist. Typisch für ihn sind jedoch die verschachtelten Rätselspiele, die der Regisseur mit dem Zuschauer treibt. "Zeige ein Element, dessen Herkunft oder Bedeutung nicht genau definiert ist und lasse den Zuschauer raten, wie der Zusammenhang sich darstellt." So oder so ähnlich kann man diese Szenen auf eine Faustregel herunterbrechen. Als Beispiel: In der Eingangssequenz hört man ständig ein Telefon aus dem Off durch die verschiedensten Szenen hindurch ohne dass sich klären würde was los ist. Das Klingeln wird irgendwann so surreal, dass man schon denkt, dass es nichts mit der Handlung zu tun hat als endlich eine Hand einen Hörer abnimmt. Solche kleinen "Spiele" ziehen sich durch den ganzen Film. Dies diente dazu den Zuschauer aktiv an das Geschehen zu binden und bei der Stange zu halten.

Mit "Es war einmal in Amerika" endet die Amerika-Trilogie, die zweite in Leones Karriere, und stellt eine wunderbare Alternative zu Francis Ford Coppolas "Der Pate" dar. Wer sich für Gangsterfilme interessiert kommt um diesen Klassiker nicht herum.

10 von 10 Schnapskisten

wer sich weiter informieren möchte kann dies u. a. hier tun:

Gewerkschaftskampf in Amerkia
http://de.wikipedia.org/wiki/Internation…od_of_Teamsters

Prohibition
http://de.wikipedia.org/wiki/Prohibition…tion_in_den_USA

Sergio Leone
http://de.wikipedia.org/wiki/Sergio_Leone

Ennio Morricone
http://de.wikipedia.org/wiki/Ennio_Morricone

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