Montag, 21. Januar 2008

Für eine handvoll Dollar

Etwa zur selben Zeit als Slapstick-Filme ihre Blütezeit hatten - also in der Stummfilmära der 20er Jahre - war auch eine andere Art Film sehr beliebt:

Der WESTERN!

Während die Slapstickfilme mit der Erfindung der Tonspur wie die Dinausaurier den Fehler machten bei Rot über die Ampel zu gehen und zum Großteil plötzlich den Löffel abgaben, konnte sich der Western weiterhin behaupten. Zu dieser Zeit wuchs auch Sergio Leone in Italien auf und er liebte die Westernfilme dieser Zeit. Er hatte Anfang der 60er bereits als Assistent an einigen Sandalenfilmen wie "Die letzten Tage von Pompeji" gearbeiten und seine erste Regie an "Der Koloss von Rhodos" beendet, als er 1963 einen Film sah, der ihn wie die Western nachhaltig beeindruckte: Akira Kurosawas "Der Leibwächter" aus Japan. Kurosawa hatte sich auf Filme über die Samurai spezialisiert und ließ sich für diese (laut eigenen Aussagen) von Western inspirieren.

Somit lag es nahe aus dem Stoff von "Der Leibwächter" einen Western zu stricken. Leone machte sich sodann an die Arbeit und adaptierte die Geschichte - allerdings ohne sich mit Kurosawa abzusprechen, was noch seine Folgen haben sollte, fügte der Handlung jedoch viele eigene Elemente hinzu.


Zunächst aber zur recht simpel gehaltenen Geschichte, die die "Dollar-Trilogie" einleitet: Der Mann ohne Namen (Clint Eastwood) kommt in das wie ausgestorben wirkende Städtchen San Miguel nahe der mexikanischen Grenze. Dort bekriegen sich die beiden Großfamilien der Rojos und der Baxters. Er beobachtet kurz darauf, wie Ramon Rojo US-Soldaten dahinmetzelt um an das Gold im Wagen zu kommen. Hmmm. Diese Fehde muss sich doch nutzen lassen... und so spinnt der Namenlose einen Plan die beiden Familien gegeneinander auszuspielen und am Ende den Jackpot einzusacken.

Der ein oder andere mag nun fragen, warum er sich für einen popligen Spaghetti-Western aus dem Jahre 1964 interessieren sollte. Na weil er sehr gut inszeniert ist, du Depp! Sechs, setzen und zuhören!

Eastwood als Hauptdarsteller wurde mit gerade mal 15.000 US Dollar abgespeist. Das sollte als Beispiel für das geringe Budget des Films genügen. Und wie viele Regisseure, denen kein Geldspeicher für aufwändige Effekte zur Verfügung steht, besann sich Leone daher viel mehr auf Inszenierung durch einfallsreichen Kameraeinsatz, einen sehr guten Schnitt und einen Soundtrack, der die Handlung für den Zuschauer zu etwas höherem erhebt. Dabei bricht Leone mit vielen Hollywood-Klischees bzw. Erwartungen, die an einen Western gestellt wurden und erschafft so den Prototypen des Italo-Westerns. Schon der überzeichnete Vorspann mit den Schussgeräuschen und der recht rockig geratenen Titelmelodie stimmt den Zuschauer darauf ein, dass es hier etwas anders zugehen wird. Die Bilder sehen sehr viel dreckiger aus als in den glatten Western aus Amerika.

In der ersten Szene schon wird ein Junge von einem Rojo gequält. Der Namenlose schaut dabei zu und tut nichts. In Hollywood hätte der strahlende Held sofort eingegriffen. Sein eigenes Leben ist dem Namenlosen nunmal mehr wert. Dann als eine der beiden Familien niedergemetzelt wird, sieht er wieder tatenlos zu. Im Grunde hat er die Eskalation sogar gefördert um an das Geld heranzukommen. Nur einmal trifft er eine moralische Entscheidung, als er die Familie, die die Rojos zerrissen haben, wieder vereint und in Sicherheit schickt.

In Leones Filmen sind alle Figuren böse, doch einige sind böser als andere. Die, die Kinder quälen sind die Schlimmsten. Das einzigste was lockt und der Motor der Geschichten ist, ist das Geld. Die Helden in diesen Western sind pragmatischer als in anderen Filmen. Und das galt für die damalige Zeit genreübergreifend. Leone und Eastwood erschufen mit der Figur des Namenlosen den Grundstein des Antihelden, der sich seitdem durch die Geschichte des Films schlängelt. Eastwood selbst griff das Thema immer wieder in seinen Hollywoodproduktionen wieder auf (am bekanntesten: Dirty Harry). Der Namenlose wird im Film zwar hin und wieder vom Sargbauer mit "Joe" angesprochen, doch hat er sich nie so vorgestellt. "Joe" wirkt wie ein Platzhalter, wie bei unbekannten Leichen, denen der Name "John Doe" zugewiesen wird. Somit war neu, dass man mit dem nicht vorhandenen Namen einer Figur Werbung machte statt mit einem starken Namen, der den Film repräsentiert (z.B. wie bei James Bond).

Was sich in "Für eine handvoll Dollar" bereits ankündigt ist Leones späterer Stil mit extremen Nahaufnahmen und langgezogenen Szenen vor Shoot-Outs die Spannung ins Unermessliche zu treiben. Aber erst mit "Für ein paar Dollar mehr" und "Zwei glorreiche Halunken" perfektioniert er diese Arbeitsweise.

Da sich die Teams um Drehbuchautoren, Kameraleute, Schnitt, Soundtrack usw. bei den folgenden Filmen Leones nicht groß änderten, werde ich in den kommenden Rezensionen verstärkt auf andere Aspekte eingehen.


7 von 10 Metallplatten

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