Sonntag, 8. Januar 2012

Patriot Act, the first


Dieses Jahr kommt endlich Joss Whedon´s "The Avengers" Film in die Kinos. Hulk, Iron Man, Thor und Captain America hauen sich dann mit Oberbösewichtern die Köppe ein. Da so ein Gemeinschaftsprojekt idR wenig Spielraum lässt, um allen Charakteren die gleiche Entfaltungsmöglichkeit zu bieten, ging man ausnahmsweise mal pfiffig an dieses Problem heran.
Zuvor sollten alle Figuren ihre eigenen Filme bekommen und einige der Nebenfiguren des "Avengers" Streifens bereits vorgestellt werden. Auf diese Art und Weise umgeht man das Problem der allzu flachen Charakterzeichnung. Natürlich kann das Projekt dann immer noch in die Hose gehen, aber ich bin schon einmal zuversichtlich; zumal ich die Iron Man, Hulk und Thor Filme für "ok" bis "sehr gut" empfunden habe.

Nur noch einer stand auf meiner Liste offen. Mit Thor zusammen ist Captain America zugegebenermaßender die mir am wenigsten liegende Figur. Irgendwie ist er die Marvel Version von Superman, nur nicht ganz so "äähhhhhrks!".
Ob man beim Captain wieder das selbe Kunststück hinbekommen wird, wie bei Thor? Nun ich war gespannt und am Ende zufrieden, wenn auch nicht begeistert. Aber im Detail:


Steve Rogers (Chris Evans; Sunshine, Losers, Scott Pilgrim) ist ein Waschlappen, ein Papiertaschentuch - kurz: ein kleines Mädchen könnte ihn fertig machen. Aber er lebt in den USA der vierziger Jahre. Der Zweite Weltkrieg ist in vollem Gange und die Propagandamaschinerie auf allen Seiten ebenfalls. Viele junge Männer melden sich freiwillig, um gegen die bösen Nazis zu kämpfen. Hanswurst Rogers will aber niemand haben. Keine Frau und erst recht nicht die US Army. Ständig wird er in den verschiedenen Meldestellen abgewiesen, bis er einem Wissenschaftler auffällt, der ein Programm zur Erschaffung von Supersoldaten leitet. Und wer wäre geeigneter dafür, zu zeigen, was seine Forschung leisten kann, als der auf den ersten Blick ungeeignetste Mann!?

Allzu viel mehr zur Story sei nicht verraten, da sie wie für eine Comicverfilmung typisch gerade mal so auf einem Papierdeckel Platz findet. Allerdings ist das bei einem Actionfilm auch nicht weiter schlimm, wenn die Mischung stimmt. Die meisten Dinge macht "Captain America" auch gar nicht mal falsch.
Wir haben beispielsweise einen starken Bösewicht als Gegenspieler. Hugo Weaving (Matrix, V wie Vendetta) gibt einen herrlich kompromisslosen Red Scull. Allerdings kommt seine Organisation "Hydra", die noch viel böser als die Nazis ist, etwas arg kurz in der Erklärung. Wer also die Comics nicht kennt, wird sich über die Nazis in den etwas seltsamen Uniformen sehr wundern.

Insgesamt wird die Geschichte in einem eher ernsthaften Ton erzählt, allerdings sind Humor und etwas augenzwinkernde Selbstironie ebenfalls mit von der Partie. In Bezug auf Farben und Körnigkeit lehnt sich die Optik an aktuelle Produktionen zum Thema WWII an, das Produktionsdesign wird jedoch sehr spacig, wenn Hydra auf der Leinwand einmarschiert. Zum einen macht das riesig Spaß und zum anderen verhindert es, dass "Captain America" zu einem melancholischen Weltkriegsfilm mutiert.

Schön auch, dass viele interessante Nebenfiguren auftauchen, die jedoch meist nicht viel zu sagen haben. Anstatt den behäbigen Anfang des Films etwas zu kürzen und in der zweiten Hälfte, die schon fast hektisch erzählt wird, mehr Filmminuten zu investieren, opfert man die Figurenzeichnung zugunsten des Captains. Dabei hätte man einen sehr launigen Film á la "Das dreckige Dutzend" im Comicstil bringen können. Schade.

Dafür finde ich es gut, dass man viele Querverbindungen zu Thor und Iron Man eingebaut hat. Der Odinwürfel, die Energiequelle Hydra´s, und der kurze Ausblick auf den Himmel Walhallas, wenn Red Skull dort hinteleportiert wird, sind schon sehr eindeutig. Howard Starks Teinahme am Plot zeigt uns was Iron Man´s Vater so getrieben hat, wie er auf die Formel für Tonys späteren Anzugtreibstoff kam und Aufladesound der Waffen Hydras sind ebenfalls klare Hinweise. So rücken die einzelnen Filme ein ganzes Stück näher zusammen.

Umso trauriger finde ich es, dass man am Ende erkennen muss, dass "Captain America - The First Avenger" nur ein Origins Film geworden ist, den man halt machen musste. Denn im Grunde leitet der Film direkt in Joss Whedons "Avengers" über. Das mag man nun gut finden, aber das Setting im WWII ist meiner Meinung nach zu früh für die Figur verlassen worden. Das Potential vom Captain wurde jedenfalls nicht ausgeschöpft.

Gute Verfilmung der pulpigen Vorlage, die jedoch einige Abzüge in der B-Note hinnehmen muss, auf der anderen Seite aber auch angenehm zurückhaltend in Punkto Patriotismus ist. Wer sich für das Genre oder den kommenden Avengers Film interessiert muss ihn einfach gesehen haben.

Kommentare:

  1. Hätte sicherlich bisschen mehr Entwicklung im 2. Drittel des Filmes benötigt, insbesondere weil Cap ja quasi von jetzt auf gleich von der Werbeikone zum Supermann wird. Dabei hat er grade mal die Grundausbildung hinter sich.

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