Montag, 2. Oktober 2006

V wie Vendetta

London im Jahre 2020. England wird von einem faschistischen Regime regiert. Es herrscht totale Kontrolle des Lebens. Intoleranz, Ignoranz und Angst hält die Menschen davon ab sich gegen die Unterdrücker aufzulehnen. Jeder, der irgendwie anders ist, etwa ein Freigeist, eine verbotene Religion ausübt oder gar homosexuell ist, wird inhaftiert, gefoltert, umgedreht oder umgebracht... oder verschwindet einfach so.

Seine Macht erhält das Regime zum großen Teil über die Medien, die durch Falschmeldungen die Bürger in einem Zustand der konstanten Angst hält.

Am 5. November 2020 schickt sich der Terrorist und Revolutionär V an endlich gegen die Diktatur vorzugehen. Dazu benötigt er die Aufmerksamkeit des Volkes; und wie kann man die besser erregen als mit einer spektakulären Sprengung eines Symbols? Gefolgt von klassischen Klängen aus Lautsprechern kommen die Menschen auf die Straßen um mitzuerleben wie Justizia von einer Bombe vernichtet wird. Die Message: in einem Jahr sollen sich alle Mitbürger vor dem Parlament versammeln um des 05. November zu gedenken.

Auf diesem Streifzug lernt V Evey kennen, die sich gerade ebenfalls gegen die Staatsgewalt wehren muss. Nach ihrer Rettung gerät Evey in V´s Bann und wird immer tiefer in seine Pläne zur Rettung Englands hineingezogen. Doch wer ist der Mann, der stets in der Maske von Guy Fawkes (http://de.wikipedia.org/wiki/Guy_Fawkes) herumläuft und nie sein echtes Gesicht zeigt? Was sind seine wahren Motive? Ist er ein edelmütiger Retter oder lediglich ein irrer Mörder, der nur Rachsucht kennt? Und für Evey stellt sich damit die wichtigste Frage: Ist Mord ein legitimes Mittel, um in dieser verwirrten Zeit politische Ziele zu erreichen?

James McTeigue hat bisher als Co-Regisseur mit den Wachowski-Brothers (Matrix) zusammengearbeitet, die diesen Film auch produziert haben. Mit seinem Debut legt er ein düsteres, beklemmendes Werk über Holocaust und Faschismus vor, das sich angenehm vom Einheitsbrei der Umsetzung solcher Themen absetzt, die leider oft nicht ohne den "Standardfaschist" Nazi auskommt. Kein Wunder, denn McTeigue hat sich an die Umsetzung des gleichnamigen Comics von Alan Moore und David Lloyd gewagt, die ein Szenario in der nahen Zukunft schufen, das erschreckend real wirkt.

Schnitt, Regie, Bild und Ton machen einen einwandfreien Eindruck. Gerade in den wenigen Actionsequenzen behält man sehr gut den Überblick, was derzeit nicht gerade Standard in Hollywood ist. Ich erinnere nur an die schrecklichen Wackelkameras in Blade 3, Riddik oder der Bourne Verschwörung usw. Apropos Action: zu viel sollte man hier nicht erwarten. Zwar handelt es sich um eine Comicadaption, doch ist V kein Superheld, der durch nen Kryptonitsplitter im Arsch Megakräfte bekommen hätte. Die Action ist in der Regel kurz, aber deftig. Ein bisschen mehr hätte es vielleicht sein können, aber gerade durch den spartanischen Einsatz von Effekten, Zeitlupe usw. wirkt die Story glaubwürdig. Ein bisschen Geduld und Aufmerksamkeit sollte der Zuschauer also mitbringen, um sich von dieser Horrorvision fesseln zu lassen. Wohlige Schreckensschauer sind garantiert angesichts der damatischen Veränderungen in einigen Demokratien in der Welt (z.B. das Post-09/11-Amerika). Viele Aussagen des Films nur Fiktion oder eine Prophezeihung?

Die beste Inszenierung wäre natürlich für die Katz, wenn die Schauspieler nicht zu gebrauchen sind. In diesem Fall Glück gehabt. Mit Natalie Portman als Evey, Hugo Weaving als V und John Hurt als Diktator hat sich McTeigue hochkarätige Schauspieler ins Boot holen können. Und auch alle Nebenrollen sind glaubhaft besetzt.

Endlich mal wieder ein Film, der es schafft ohne großes BUMMBUMM, TAMTAM und Effektgeheische den Zuschauer mit einer Geschichte zu faszinieren.

Viel Spaß damit!

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