Donnerstag, 22. Dezember 2011

Er ist tot, Holmes!


Jeder Held, der etwas auf sich hält, hat eine Nemesis, einen Erzfeind, den optimalen Gegenspieler, an dem er seine Fähigkeiten wirklich messen kann.
Batman und Joker, Superman und Lex Luthor, Robin Hood und der Sheriff von Nottingham, Indiana Jones und die Nazis, Thor und Loki, Luke und Darth Vader, Anakin Skywalker und Intelligenz, PacMan und die Geister, Uwe Boll und brilliante Filmkunst, Orlando Bloom und Schauspielerei.... ach ihr wisst worauf ich hinaus will. Wer noch seine zwei Hirnzellen zusammen hat, kann sich bei der Überschrift denken, dass ich nun auf eines der berühmtesten Konterparts der Literatur und auch Filmgeschichte hinaus will:
Sherlock Holmes und Professor James Moriarty!


In Guy Ritchie´s (Bube, Dame, König, Gras; Snatch; Rock´N Rolla) zweiter Adaption von Sir Arthur Conan Doyle´s Meisterdeketiv lässt er endlich beide Hunde aufeinander los. Dass dies so sein würde, wurde ja bereits am Ende des ersten Films angedeutet.
Dabei erfüllt " A Game of Shadows", wie der englische Untertitel lautet (der deutsche "Spiel im Schatten" klingt mir zu bemüht und unpassend), nahezu alle Erwartungen an eine Fortsetzung: größer, teurer, imposanter,wenig Neues und schlechter als der Erstling.

Obwohl das Artdesign des ersten Teils erste Sahne war, sieht man dem zweiten an, dass mehr Budget zur Verfügung stand. So fährt man im bekannten Design größere und mehr Sets auf. Zudem wurde auch der Actionanteil etwas hoch geschraubt.
Die Geschichte ist epischer angelegt worden. Während Holmes (Robert Downey jr.; IronMan, Kiss Kiss Bang Bang) im Vorgänger einer Mordserie in London nach ging, kommt er nun einer politischen Verschwörung auf die Spur, die ihn in fremde Lande führt und ihn vor seine größte Herausforderung stellt - sowohl psychisch als auch physisch wird er an seine Grenzen gebracht werden.

Mehr will ich zur Story an der Stelle nicht verraten. Im Grunde sollte der Hinweis auf Moriarty (Jared Harris; Fringe, Benjamin Button) ausreichend sein, um zu erraten, dass es nicht einfach nur um simple Rachemorde gehen wird. Der gute Professor sitzt nämlich wie zu erwarten wie eine Spinne in ihrem Netz und zieht an den Fäden, um die Welt nach seinem Dünken zu manipulieren; stets in der Hoffnung, dass sich Sherlock hoffnungslos darin verfangen wird.

Vom Cast des ersten Films sind alle wieder mit an Bord soweit ihre Figuren auftauchen. Das bedeutet natürlich auch, dass Jude Law (Gattaca, Aviator) wieder Dr. Watson mimt. Das Zusammenspiel macht weiterhin einen Großteil der Freude am Film aus.
Aber man nimmt Sherlock und seinem Gegner ebenso die Lust am Spiel, am Wettbewerb, miteinander ab. Hiermit steht und fällt ein Film, der den Focus auf solche Konfrontationen legt. Denn ansonsten kann man sich nämlich fragen: "Warum knallt er den Typ nicht einfach ab und macht weiter?".

Nun wäre da die Frage nach dem: ist "A Game of Shadows" denn nun so gut wie der Erste, schlechter oder am Ende gar besser? Naja, er ist sehr anders. Die Verlagerung des Spielfelds auf die Außenpolitik und dass von Beginn an kein Geheimnis um die Person des Gegenspielers gemacht wird, verändert viel an der Grundstimmung.

Moriarty und Holmes begegnen sich bereits am Anfang des Films persönlich; und die beiden wissen sofort, dass der jeweils andere über ihn bescheid weiss. Der Fehdehandschuh wird ohne zu zögern dem anderen ins Gesicht geschlagen und der Kampf eröffnet - allerdings vornehmlich ein Kampf der Geister und nicht der Fäuste.

Mir persönlich hat die Forsetzung sehr gut gefallen. Die Kämpfe sind etwas zahlreicher, die Choreografie ist wieder gelungen, die Bilder sind toll eingefangen worden, die Schauspieler passen super in ihre Rollen - hier läuft es beim Part von Watson und Holmes sogar eine Ecke runder als vorher - Moriarty ist ein deutlich gefährlicherer Gegner als Blackwood und wirkt zu keiner Zeit überzogen. Die Story hat zwar einen roten Faden, entwickelt sich aber nicht zu offensichtlich weiter. Einzig die Masse an Slow-Motion-Szenen mag dem ein oder anderen Zuschauer zu viel des Guten sein.

Wer den ersten Film mochte, kommt um den zweiten natürlich nicht drum herum. Alle anderen können sich aber auch trauen einen Blick zu riskieren, denn ein Genuß des Vorgängers ist zum Verständnis nicht zwingend notwendig.

Ob besser oder schlechter, darauf mag ich mich jetzt noch nicht festlegen. Ein zweiter Durchgang wird dafür vonnöten sein. "A Game of Shadows" ist aber auf jeden Fall ein gelunger Abschluss des Kinojahres 2011 geworden.

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