Sonntag, 29. Januar 2012

Manchmal kommen sie wieder...



"Hört, hört, verehrte Hyborianer!
Ich berichte Euch nun von der Wiederkehr eines unserer größten Helden: Conan, der Cimmerier.
Geboren im Blute seiner Mutter inmitten einer tobenden Schlacht, wurde er als Krieger aufgezogen, bis eines Tages der Feldherr Kalahr Zym in seinem Heimatdorf erschien.
Kalahr trachtete nach der Wiederauferstehung seiner gemordeten Frau. Nur ein Artefakt, das in mehrere Teile gebrochen und in den verschiedensten Länder Hyborias versteckt worden war, und das Blut einer Frau, die reinen Blutes war, konnte ihm dies ermöglichen.
Mordend und brandschatzend zog er durch die Lande, um schließlich das letzte Stück des Artefakts im Dorfe unseres Helden aufzuspüren.

Conan war noch ein Junge, als er mitansehen musste, wie seine Heimat und jeder, den er kannte ausgelöscht wurden. Seitdem bereist er Hyboria, um Rache an Kalahr Zym zu nehmen..."


Mit Remakes ist das so eine Sache. Meist reichen sie nicht an das Original heran oder wirken wie ein billiger Abklatsch. Manchmal sind sie auch besser.
Wenn es speziell um Buchverfilmungen geht wird man indes immer jemanden finden, der behaupten wird, dass man das noch besser machen kann. An Robert E. Howards "Conan" Stoff hat man sich schon des öfteren versucht. Alleine zwei Filme mit Arnold Schwarzenegger entstanden in den 80ern und dann war da u.a. noch die unselige Serie mit Ralf Möller. Allzu hohe Erwartungen stellte ich also nicht an den neuen Film von Markus Nispel (Freitag, der 13., Texas Chainsaw Massacre).

Im Endeffekt bin ich nun angenehm angetan vom Ergebnis. Das ist zwar nicht besonders gut, aber unterhaltsam und ziemlich kurzweilig geraten. Auf der Haben Seite verbucht der Film mit seinem Hauptdarsteller Jason Momoa (Game of Thrones) einen Mann, der auch die Physis mitbringt, um Conan glaubhaft darstellen zu können.
Dankenswerterweise hat man entgegen der mittlerweile üblichen Praxis ausnahmsweise mal davon abgesehen, toughe Männer mit zarten Stimmchen zu synchronisieren. Conan klingt wie ein ganzer Kerl und haut auch so drauf.

Was Gore, Splatter und Möpse angeht, spart Mr. Nispel ebenfalls nicht. Sehr gut. So kenne und mag ich den alten Barbaren. Ebenfalls überzeugen können die Sets.
Hyboria wurde glaubhaft in Szene gesetzt. Hier wurden auch die meisten Special Effects zum Einsatz gebracht. Das bedeutet für den Rest des Films, dass man mehr Wert auf Handarbeit legte. Die Kämpfe wurden nicht krampfhaft auf hip und up to date getrimmt und sind durchaus auch in der Tradition der alten Filme gehalten. Shaky Cam und Videoclip Schnitte mussten weitestgehend draußen bleiben.

Die Story geht soweit in Ordnung, schließlich erwarte ich vom alten Barbaren kein "Gottes Werk und Teufels Beitrag" mit Shakespeare Dialogen. Im Gegensatz zu "Conan der Barbar", den ich immer schon als zu lang und in weiten Teilen langatmig empfunden habe, bemüht sich Regisseur Nispel um Kurzweil. Allerdings auf Kosten des Storytellings.
Während "Conan der Barbar" knapp 20 Minuten zu lang war, hätten diese "Conan" deutlich besser zu Gesicht gestanden. Der Zuschauer wird von einer Actionsequenz zur nächsten durchgereicht, ohne, dass man sich ernsthaft näher mit den Nebenfiguren beschäftigen würde. Das ist umso mehr schade, da durchaus die Anlagen zu einem Film mit unterhaltsamen Sidekicks vorhanden sind.
Auch hätten einige Dialogsequenzen mehr der Erklärung gut getan. Warum zum Beispiel schleppen die Kerle auf den Rücken von Elefanten ein Schiff durch die Wüste?! Das mag für die Story nicht wichtig sein, aber kann man über solch ungewöhnlichen Umstände nicht mal ein paar Worte verlieren? Mann mann mann...

Die Dialoge sind der nächste Punkt: ich weiß wieder, warum Arnie so wenig als Conan gesprochen hat. Gut, auch wegen seinem damals beschissenen Englisch, aber hauptsächlich, weil Conan nun ein mal keine besonders beredte Person ist. In "Conan" beweisen der Barbar und seine Kumpels des öfteren, dass man lieber schweigen und dumm aussehen sollte, statt den Mund aufzumachen und den Beweis dafür zu liefern. Die meiste Zeit läuft das dann so ab: schlacht, hack, metzel, blut - Platitüde, Schnarch, Laber, Sülz -  wegreit, Kopf abschlag, schlitz, metzel - Brabbeldieblumenkohl, Quark, Pfrrrrrrz - überfallen werd, schlacht usw... ich hoffe ihr erkennt da ein Muster.

"Conan" ist keinesfalls der Reinfall geworden, den ich zunächst befürchtet hatte. Als stupider Actionfilm mit Trashattitüde macht er mit Kumpels sogar ohne Bier Laune. Als Fantasyfilm, der länger im Gedächtnis bleiben will, versagt er allerdings. Die Anlagen für einen solchen Film, sind jedoch da. Auch Jason Mamoa finde ich eine gute Wahl für diese Rolle. Vielleicht traut man sich ja einen zweiten Film zu drehen, mit mehr Wert auf Charakterentwicklung und Zusammenspiel der Figuren.

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