Mittwoch, 24. November 2010

Das Wort zum Sonntag

Heute muss ich einige Gedanken zu einem Thema los werden, das uns alle angeht:

Nutten!

„Hä? Wat is los?“ – Gute Frage und exzellent formuliert von dem Knilch aus der hinteren Reihe! Mir geht es diesmal nicht um die Damen aus den Drive-Ins unserer Städte, sondern um deren Kolleginnen mit "festem Arbeitsplatz".

Vor einigen Wochen vernahm ich auf einer höchst amüsanten WG-Party folgenden Dialog zwischen der Gastgeberin und einer der weiblichen Gäste.
„Bla bla bla … hab ich dann im Internet eine Preisliste gesehen.“
“Du meinst, wenn man sich eine nach hause holt?“
“Das auch. Du, die lassen sich ja jeden Handgriff extra bezahlen.“
>>Was reden die denn da für Blech?... ach uninteressant. <<
„Missionarsstellung ist inklusive, aber jeder weitere Schnickschnack kostet extra: Küssen, Griechisch, Japanisch usw…“
>> Bitte? Vögeln? Wo? <<
„Ihh, stell dir mal vor, so ein ranziger Typ mit total modrigen Zähnen will dich küssen… BÄH!“
„JA LÄSST DU DIR ETWA LIEBER INS GESICHT WICHSEN?!“
>> OK, Mädels, ihr habt soeben meine volle Aufmerksamkeit erlangt. Was ist hier los? <<



Das Gespräch ging dann noch eine Weile so hin und her, verlief sich dann aber in den Weiten der Belanglosigkeit während meine Gedanken weiter schweiften. Also halten wir mal fest:
es gibt einen Preiskatalog für jeden einzelnen Service, der angeboten wird. Das führt uns zu zwei Erkenntnissen. Zum einen scheint Sex in den letzten 30 Jahren deutlich komplizierter geworden zu sein. Gab es einst nicht nur einen Preis für „einmal drüber“? Zum anderen erinnert das System frappierend an Pflegedienste. Bei denen blecht man auch für jede einzelne Tätigkeit extra und deren Preise sind ebenfalls in einem Preiskatalog festgehalten.

Üben Postituierte dann so gesehen eine pflegerische Tätigkeit aus? Wenn ja: zahlt dann die Pflegekasse deren Leistungen und ab welcher Pflegestufe kann man sich von seinem Hausarzt einen homöopatischen Fick verschreiben lassen? Oder brauchts´ gar kein Rezept und man geht nur mit dem Kassenkärtchen in den Puff und die rechnen über die Kassenärztliche Vereinigung ab? Ist hier die Zuzahlung ebenfalls maximal 10 Euro? Läufts gar unter der Rubrik Praxisgebühr? Muss man dann auch nur einmal im Quartal löhnen und kann sich so oft den Kasper schnäuzen lassen wie man möchte? Sind die Eigenanteile von der Steuer absetzbar?

Oder können die Horizontalistinnen dementsprechend Werbungskosten absetzen? Man stelle sich vor wie die Finanzbeamten drein schaun wenn auf einer Steuererklärung Kondome, Gleitgel, Negligés, High Heels und ungewollte Schwangerschaften nebst Abbrüchen in Abzug gebracht werden und so das steuerpflichtige Einkommen drücken. Stellen Kinder für Call-Girls nicht eine besondere Mehrbelastung dar und müssten auf der Lohnsteuerkarte besonders berücksichtigt werden? Sind die Professionellen überhaupt über eine Berufsgenossenschaft abgesichert? Beim bumsen kann immerhin einiges an Unfällen passieren. Und falls es so was gibt, ist es eine eigene „BG: Rein-Raus“ oder erledigt das die „BG Hoch-Tiefbau“ nebenher mit?

Vor allem: geht die Bordsteinschwalbe als Facharbeiterin durch? Eine abgeschlossene Berufsausbildung muss ja scheinbar nicht durchlaufen werden, wenn man mal von der Mittelstufe unserer Gesamtschulen absieht… räusper!

Inwiefern gilt die Arbeit der Huren im Tertiären Sektor als Produktionsleistung und geht diese dann in der Ermittlung unseres Bruttoinlandsproduktes mit ein? Sind Orgasmen überhaupt der Wertschöpfung eines Landes zuzuordnen und wenn ja: muss man dann die gezahlten Einzelpreise oder den qualitativen Benefit des Kunden ansetzen? Sollte der Staat zur Erhöhung der Lebensqualität im Land und der optischen Verbesserung des Humankapitals von Bordellen Gelder zur Förderung und Subventionierung bewilligen dürfen?

Wie schaut´s eigentlich mit der Konkurrenz vom selben Ufer aus? Sollten Stricher sich unter dem selben Dachverband organisieren? Sollte es so kommen (haha), muss bedacht werden, dass auch Gleichstellungsbeaufragte (was ein Wortwitz –HA!) gewählt werden müssen. Auch Personalräte und Gewerkschaften wären nötig. Gottogott, Dirnen haben ein kompliziertes Leben. Was man da alles beachten muss. Jesses…

An der Stelle fiel mir auf, dass mein Bier über diesem Gedankenspiel zur Neige gegangen war und ich bereits seit einer Viertelstunde auf dem Trockenen saß. Schnell das nächste Bier organisiert bevor mir dieses unsinnige Thema noch den kompletten Abend verbaut.

In diesem Sinne…
Frohes (an)Schaffen!

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