Dienstag, 16. November 2010

Going Postal



Terry Pratchett is back! Zumindest auf Bluray und DVD. Dieser Tage erschien die dritte Realverfilmung seines Romanzyklus´ "Scheibenwelt" bzw "Discworld". Nach "Hogfather", der zwar sehr gut verfilmt, aber etwas steif daher kam und "Color of Magic", der sehr unterhaltsam war, aber leider einige wichtige bzw saukomische Szenen des Romans aus ließ, kommt mit "Going Postal" der Dritte im Bunde.

Und weil aller guten Dinge "drei" ist, liefert Regisseur Jon Jones den bislang besten Discworld-Film ab. "Going Postal" basiert auf dem gleichnamigen Roman (deutsch: Ab die Post) und spielt wie schon angedeutet auf der Scheibenwelt. Für die paar armen Seelen, die nun >lost in translation< sind und bei Vokabeln wie Rincewind, Feldwebel Angua, Hauptmann Mumm, Erzkanzler Ridcully, Binky, Oktarin, Apokralypse, randwärts, klatschianischer Kaffee oder Krokodilgott Offler nur Bahnhof verstehen, eine ganz kurze Einführung ins Thema:



Die Scheibenwelt ist eine flache Welt in Form einer Scheibe (klingt logisch, oder?), die auf den Rücken von vier Elefanten thront, die wiederum auf dem Panzer einer gigantischen Schildkröte stehen. Die Schildkröte reist durch das Weltall zu einem unbekannten Ziel. Die Forscher der Scheibenwelt vermuten, dass es am Ziel zum Big Bang kommen wird und versuchen daher schon seit vielen Jahren das Geschlecht der Schildkröte herauszufinden... man will schließlich wissen ob man beim Big Bang oben oder unten sein wird.

Wie ihr seht, geht es auf der Scheibenwelt recht skurril zu. Da so eine Schildkröte mit vier Elefanten doch sehr unwahrscheinlich ist, krümmt ihre bloße Anwesenheit das Realitätsgefüge, weshalb auf der Scheibenwelt theoretisch alles existieren kann, sofern jemand auf die entsprechende Idee dazu kommt und genug Leute (so blöd sind) daran glauben. Daher existiert dort Magie genauso wie echte Götter, Zwerge, Trolle, Feen und und und. So absurd das alles nun klingt, so verkommt das Discworld-Universum nicht zu einer Klamaukparade.

Terry Pratchett nimmt in seinen Romanen regelmäßig gesellschaftliche Probleme aufs Korn und lässt aktuelle Bezüge aus Gesellschaft, Wissenschaft und Politik in die Romane einfließen. Nicht umsonst wird er immer wieder als der Charles Dickens unserer Zeit genannt.

In "Going Postal" geht es um Banken, Kommunikationsgesellschaften, aber in erster Linie um das Postamt in Ankh-Morpork, das seit vielen Jahren inaktiv vor sich hin modert. Feucht von Lipwig (gewöhnt euch an die Namen, das wird noch absurder!), der ungefragte Held des Films, wird von Lord Vetinari, dem Patrizier der Stadt dazu genötigt das Postamt wieder auf Vordermann zu bringen. Da Lipwig (im Original Moist from Lipwig) als gefasster Betrüger und Kleinkrimineller als Alternative nur den Strang hat, nimmt er mit flauem Gefühl im Magen an.

Im Postamt wird er mit dem ganzen Ausmaß des Chaos konfrontiert. Milliarden nicht zugestellte Briefe und zwei Angestellte, die nicht wirklich arbeiten, erwarten ihn im halb vergammelten Amt. Doch an Flucht ist nicht zu denken. Ein Golem namens Pumpe ist sein Bewährungshelfer und weiss dank eines magischen Tricks jederzeit, wo sich Lipwig auf hält. Also bleibt ihm nichts anderes übrig als sich ans Werk zu machen und einen guten Plan zu schmieden wie er die Situation gewinnbringend für sich nutzen kann.

Doch dann begegnet er Adora Belle Liebherz (orig. Adora Belle Dearheart), die nach einem Familiendrama verhärmt, düster und abweisend einen Golem-Leihservice leitet, und er verliebt sich in sie. Mist! So viel zu den schurkischen Plänen! Denn es stellt sich heraus, dass Lipwig und Adora mehr gemeinsam haben, als sie zunächst dachten. Lipwig bleibt nichts anderes übrig als seiner Angebeteten unter die Arme zu greifen und zu hoffen, dass sie ihn nicht bei nächster Gelegenheit mit der Armbrust ins Jenseits befördert. Und als wenn das alles nicht schon Stress genug wäre, trachtet ihm auch noch sein Konkurrent vom Klacker-Strang (eine Art optischer Telegraph) nach dem Leben...

Jon Jones lässt in der britischen TV-Produktion, die deutsche Kinofilme locker in die Tasche steckt, nichts anbrennen. In 180 Minuten wird die Scheibenwelt glaubhaft umgesetzt. Effekte, Settings, Masken und Kostüme sind für eine TV-Produktion überdurchschnittlich gut. Die Musik überzeugt nicht immer, passt aber weitestgehend. Leider sorgt das strikte Einhalten der Zweiteiler Strategie (2 mal 90 min.) für einige unnötige Längen.

Bei den Schauspielern gab es hingegen keine Kompromisse. Richard Coyle (Coupling, Alien3, Last Action Hero, Prince of Persia), Andrew Sachs (Fawlty Towers), Charles Dance (007-In tödlicher Mission, Alien3) und David Suchet (Bigfoot und die Hendersons, Bank Job) brennen ein Feuerwerk des schwarzen Humors ab. Auch die Nebenrollen wurden überzeugend besetzt.

Allerdings sollte man sich "Going Postal" im Originalton anschaun. Die Synchronisation geht zwar in Ordnung, doch leider wurden viele Wortspiele nicht oder schlecht übersetzt. Zu viel des Wortwitzes geht in der deutschen Version verloren. Leider, aber nach den letzten beiden Filmen bereits absehbar.

Wer sich nur ansatzweise für Fantasy interessiert und über britischen Humor lachen kann, sollte sich "Going Postal" nicht entgehen lassen.

Kommentare:

  1. Und ich h offe imme rnoch darauf, dass Mort auch noch verfilmt wird :-)

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  2. Von mir aus können ruhig alle verfilmt werden :) Fast alle Bücher sind herrlich durchgeknallt :D

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  3. Jepp, wobei ich persönlich mehr Spaß mit den Wachen Romanen und weiteren Rincewind Geschichten hätte. Aber "Small Gods" wäre für mich als Atheisten auch ne feine Sache ^^

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