Mittwoch, 23. März 2011

Schuhuuuuuu


Erwachsen werden ist nicht leicht. Kaum hat man ein zweistelliges Alter erreicht, schießt man in die Höhe, die Stimme klingt zeitweise wie ein rostiger Wasserhahn auf LSD, der in der Wüste Gobi versucht einen Wassertropfen durch den Hals zu quetschen, die Haare wachsen an Stellen, an denen man vorher keine Stellen hatte und diese ganze Hormonkacke nervt sowieso. 
Warum soll es da Eulen besser gehen?! Gut, die haben keinen Stimmbruch und wenn ihnen Haare wachsen würden, könnte man das als der Evolution neuster Geniestreich aus dem Buch der 1000 bösen Witze ansehen, aber wenigstens müssen sie eines lernen, um erwachsen zu werden: fliegen.



Soren und sein Bruder Kludd sind in diesem Alter und wohnen bei den Eltern in der heimischen Höhle inmitten eines Baumstammes. Als Nanny fungiert eine Schlange namens Mrs P, die zudem noch die kleine Schwester hütet. Sie lernen gerade das kontrollierte Fallen (Fliegen sieht anders aus), als sie von unbekannten Eulen entführt werden. Zusammen mit vielen anderen landen sie in einem Gefangenenlager und werden dort in zukünftige Soldaten und Arbeiter aufgeteilt. Die Arbeiter formt man zu willenlosen Sklaven, während die Soldaten auf blinden Gehorsam gedrillt werden. Soren hat darauf jedenfalls keinen Bock und beschließt Leine zu ziehen...

Seit "Toy Story" sind 3D Animationsfilme auf Erfolgskurs. Seien es dessen Nachfolger, die "Shrek"-Reihe, "Ice Age", "Ab durch die Hecke", "Findet Nemo" oder "Wall-E" und die vielen anderen, sie alle haben fast ausnahmslos an der Kinokasse abgeräumt.
Dabei haben sie den klassischen Zeichentrickfilm nahezu verdrängt und sind dermaßen gnadenlos auf Putzigkeit getrimmt, dass mir regelmäßig schlecht wird. Vor zwei Jahren konnte ich dann einfach keine animierten Comictiere mehr sehen ohne einen Kasten Bier saufen zu wollen. Dieser fröhliche Konsensmist machte mich allein beim Gedanken daran fast depressiv. OK, ich liebe nunmal die klassische Zeichentrickkunst.

Bislang gab es eher selten Animationsfilme, die inhaltlich andere Schwerpunkte setzten oder andere Töne anschlugen. "Die Unglaublichen" zähle ich dazu oder den grandiosen "#9", der in seinem dystopischen Artwork geradezu (Terry) gilliamsche Züge aufwies. "TMNT" konnte inhaltlich nicht überzeugen, ragte aber aufgrund des Settings aus dem Einheitsbrei heraus.
"Die Legende der Wächter" zähle ich ebenfalls zu den etwas anderen Vertretern des Genres. Für sein Genre ungewöhnlich ist allein schon der düstere Grundton der Geschichte. Zudem wirken die Figuren zwar immer noch wie Comicadaptionen echter Tiere, doch sehen sie insgesamt sehr realistisch aus - wenn man von der Gesichtsanimation mal absieht. Man sieht dem Film die Liebe zum Detail an, wenn die Federn sich beim Flügelschlag bewegen, gespreizt werden, sich im Wind und durch das Gewicht des Tieres biegen, beugen und winden.

Auch die Kulissen wurden detaillverliebt gestaltet. Überall war man auf einen realistischen Look bedacht. Allerdings drängt sich einem mehr als einmal der Vergleich mit der "Herr der Ringe" Verfilmung auf. Rüstungsteile etc könnten geradezu aus dem Lothlorien Wald oder vom Amboß eines Zwergenschmieds stammen. Hier wäre etwas mehr Eigenständigkeit schön gewesen. Und das sage ich nicht nur, weil ich die Peter Jackson Version als rezeptpflichtiges Brechmittel einstufe.

Die Story indes ist wie so oft im Genre ein zweischneidiges Schwert. Durchaus spannend aufgezogen, sind die für einen Kinderfilm relativ erwachsenen Motive ganz gut umgesetzt. Bruderzwist, erwachsen werden, Verantwortung übernehmen, das Scheitern von Helden und das demaskieren liebgewonnener Legenden, bleiben jedoch oft in schablonenhaftem schwarzweiss. Selten verweilen die Figuren in einer Grauzone. Das macht die Geschichte natürlich über weite Strecken sehr vorhersehbar. Wie so oft bleibt der Held ziemlich blass. Ihm fehlen schlicht die Ecken und Kanten, um ihn interessant werden zu lassen. Ehrlich: wer wollte damals Luke Skywalker sein, als er zum ersten mal "Star Wars" sah? Han Solo übte einen größeren Reiz aus.

Doch was soll ich sagen? Ich hatte dennoch meinen Spaß mit "Die Legende der Wächter". Das superklare HD Bild macht ordentlich was her, die Action passt, der gelegentlich aufkeimende Humor und die -sorry für das fade Wortspiel- teils kauzigen Figuren lassen sogar die Qualitäten eines Disney-Klassikers durchblitzen. Der Score weiß ebenfalls zu überzeugen - bis auf den deplazierten Popsong zur Mitte des Films. Diesen musikalischen Fremdkörper hätte man sich verkneifen können.

Zack Snyder liefert nach "Dawn of the Dead", "300" und "Watchmen" einen für ihn ungewöhnlich famlientauglichen Film ab, der vielleicht nicht zu begeistern, aber zu gefallen weiß. Auch Animationsfilmabstinenzler sollten hier mal einen Blick riskieren.

Kommentare:

  1. Han Solo? Ich wollte immer Darth *Keuchhusten* Vader sein :)

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  2. OK. Es Imperium is eh cooler. Die haben schickere Uniformen und Kekse. ^^

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