Freitag, 4. Juli 2008

Supermans Erben

Hancock

"Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Nein, es ist ein besoffenes Arschloch, das in der Gosse haust!"

Ungefähr dergestalt ist der Einstieg in Will Smiths neusten Streifen Hancock in dem er selben mimt. Hancock hat Superkräfte und greift hin und wieder ungefragt der Polizei unter die Arme. Was dabei seine Motivation ist bleibt im Großen und Ganzen im Dunkel, denn beliebt macht er sich hierdurch nicht.

Jedesmal, wenn John Hancock auf Verbrecherjagd geht legt er halb L.A. in Schutt und Asche, weswegen die Stadtherren schon die Portokasse anrühren müssen um die Reparaturen zu bezahlen. Als Hancock dem erfolglosen PR-Berater Ray (Jason Bateman) das Leben rettet bietet dieser ihm an sein Image aufzupolieren, damit die Menschen ihn endlich lieb haben. Der Plan: Hancock geht in den Knast. Wenn ein paar Wochen vergangen sind und die Verbrechensrate steigt, wird er schon vermisst werden...


"Hancock" krankt an einigen Stellen ganz gewaltig. Zum einen ist Will Smith im Kopf des Zuschauers dermassen auf die "lieben Rollen" gepolt, dass man ihm das Rauhbein nie wirklich abnimmt. Das ist so als wolle Ed O Neil statt Al Bundy Hamlet darstellen.

Selbst wenn er noch so gut ist, im Kopf des Zuschauers funktioniert es dann oft nicht. Da sich die Figur im Laufe des Films dem guten Image immer mehr annähert gibt sich dieses Manko allerdings mit der Zeit wieder. Dazu kommt, dass die Effekte stellenweise so schlecht aussehen, dass der fliegende Superman aus der ersten Verfilmung mit Christopher Reeve eine ganz passable Figur macht.

Auch wenn man nun mäkeln kann, dass der arme Schwarze Alkoholiker von einem weissen Spießer aus der Gosse geholt wird, doch schon sehr die gängigen klischeebehafteten Rollen bemüht, so stört eigentlich nur Jason Bateman als Schauspieler. Durch das ziemlich uninspirierte Spiel bleibt Ray bis zum Ende relativ blass. Auch Charlize Theron reisst sich nicht gerade ein Bein aus. Da es durchweg witzige Oneliner und spassige Situationen gibt, sieht man aber auch darüber hinweg. Mehr als dreiviertel des Films wird man mit einer Superheldenkomödie konfrontiert, die trotz der Mängel gute Laune aufkommen lässt. Im letzten Viertel jedoch schwenkt die locker-flockige Komödie um auf düsteres Drama mit soviel aufgesetzter Ernsthaftigkeit, dass man meinen könnte der Regisseur und der Drehbuchautor wären mal kurz ausgewechselt worden um noch schnell etwas Tiefgang für die Figuren einzubauen.

Leider geht "Hancock" dadurch vollends baden. Man sollte sich halt schon im Vorfeld klar darüber sein, was für eine Art Film man drehen will.

Ganz nett, aber nett ist nichts fürs Bett.

4 von 10 Schadensersatzklagen

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