Montag, 7. April 2008

Uuuuund Schnitt!

Abgedreht

Mike (Mos Def) und Jerry (Jack Black) habens wirklich schwer.

Jerry arbeitet in einer Werkstatt und ist Mikes bester Freund, der in der Videothek um die Ecke seine Brötchen verdient. Mr. Flechter (Danny Glover) ist der Besitzer des Ladens und im Grunde könnte das Leben schöner nicht sein. Recht unbekümmert fristen sie ihr Leben in der Straße in der der Jazzspieler Fats Waller einst lebte. Ok, die Bude ist ein wenig heruntergekommen und es kommen kaum noch Kunden, weil Mr. Fletcher es versäumt hat von VHS auf DVD umzustellen; doch was solls? Schließlich gehört ihm der Laden und eigentlich ist er doch eh zu alt um noch einmal von vorn zu beginnen. Doch dann taucht die Baubehörde auf, die entweder die schweineteure Renovierung des Ladens fordert oder einen Abriss. Was tun in einer solchen Situation? Mr. Fletcher jedenfalls fährt ersteinmal in Urlaub.

Währenddessen muss Mike den Laden hüten. Doch sein unter Verfolgungswahn leidender Freund Jerry sorgt [spoiler]nach einem kleinen Unfall mit einem Hochspannungshäuschen[/spoiler] dafür, dass die Videokassetten [spoiler]durch seine geradezu magnetische Anwesenheit[/spoiler] gelöscht werden. Statt in Panik zu verfallen, machen sie das Beste aus der Situation und drehen die Filme einfach nach. Mit billigsten Effekten und schlechter Ausrüstung sowie unpassenden Schauspielern werden die Schlüsselszenen von Ghostbusters, Robocop, Men in Black, Rush Hour2 und vielen anderen Filmen inszeniert "geschwedet". Womit die beiden nicht rechnen: das Konzept geht auf. Die Menschen in ihrem Stadtteil sind hin und weg von den vor Kreativität sprühenden, trashigen Meisterwerken. Schließlich muss für die Rettung des Ladens nur noch ein Film gedreht werden: die Biographie von Fats Waller; und alle dürfen mitspielen....

Michel Gondry steckt den Zuschauer mit Mos Def und Jack Black in eine Gummizelle und wirft den Schlüssel weg. Was folgt sind knapp hundert Minuten total abgedrehte Unterhaltung - fast wie schon von Jack Black gewohnt. Auf Mikes und Jerrys Reise durch die fantastischen Welten des Films bleibt kein Auge trocken. Dazu trägt unter anderem ihre naive, leicht debile Art bei, die sie von einer schrägen Situation in die nächste bringt.

Dabei ist "Abgedreht" im Grunde keine Hommage an Hollywoodfilme, obwohl natürlich einige Seitenhiebe auf die Filmindustrie übern Teich enthalten sind, sondern an die Faszination, die sie bei uns auslösen. Und wenn am Ende hundert Menschen in der engen, abgedunkelten Videothek ihren Film sehen, und der Zuschauer die Zuschauer auf der Leinwand betrachten kann, wird klar, dass es genau das ist, warum wir Filme so lieben: sie bringen uns dazu Mitzufiebern, zu Lachen, zu Weinen oder zum Fürchten, aber vor allem lassen sie uns den grauen Alltag vergessen.

Eine wundervolle Liebeserklärung an das Filmemachen, die uns wieder wie Kinder staunen lässt.

9 von 10 Outtakes

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