Dienstag, 15. April 2008

Meine vital benachteiligten Nachbarn

Fido

"Amerika ist durch den Fleiß des Arbeiters groß geworden. Alle großen Amerikaner wurden von den Arbeitern erst zu dem gemacht, was sie sind. Arbeit, das Kapital der Unterschicht, dem Kaffeesatz der Gesellschaft. Durch die Arbeit definieren wir alle unseren Wert in dieser Demokratie. Doch graue Wolken dräuen am Horizont und künden von großem Unheil. Die Arbeit wird knapp für uns Amerikaner. Jawohl! Und wisst ihr auch warum? Weil wir dank der Politik dieser rückgratlosen Lackaffen in Washington nicht nur durch Weiber und Ausländer, die in Scharen in unser schönes Land kommen, um freie Stellen betrogen werden, NEIN, neuerdings auch durch ganze Horden von Zombies! Untote machen uns die Arbeit streitig! Die, die in den Gräbern faulen sollten, sind mit der Sucht nach Menschenfleisch wiederauferstanden! Wir hätten sie alle verdammt nochmal umbringen sollen. Nur das Gehirn, mehr muss man nicht zerstören um dieses Ungeziefer unschädlich zu machen. Aber NEIN! Wir haben sie nicht ausgerottet.

Weil Dr. Geiger eine Apparatur erfand, mit der die Untoten gezämt und abgerichtet werden können, müssen wir loyalen Arbeiter Amerikas um unsere Existenz bangen. Doch unsere Regierung schaufelt sich bei dem Geschäft mit untoten Sklaven nur die Taschen voll und ignoriert unsere Nöte. Zomcom, Geigers Firma, verdient mit unserem Leid Milliarden! Dieses Geld gehört dem arbeitenden amerikanischen Volk! Washington schaut weg, aber wir nicht! Wir nehmen uns nun das was rechtmäßig uns gehört. Lasst uns zur örtlichen Zomcom-Niederlassung gehen und die Gebäude schleifen. Lasst uns eine Revolution entfesseln und unsere Arbeit und unsere Würde wiedererlangen! NIEDER MIT DEN ZOMBIES! NIEDER MIT ZOMCOM!"

Ja, der Arbeitsmarkt wird hin und wieder durch ungewöhnliche Krisen gebeutelt. Doch bleibt ausgerechnet dieser Aspekt in dem Zombie-Spaß "Fido" gänzlich unerwähnt.

Wir befinden uns in den fiktiven 50er Jahren irgendwo in Amerika. Nachdem eine verseuchte Wolke - oder verseuchende Wolke, wie auch immer - aus dem Weltall die Erde einhüllte, bekamen die Toten plötzlich Hummeln im Hintern und konnten sich kaum noch in den Gräbern halten. Zomcom behob das Fresshobby der vital Benachteiligten mit einem Halsband und eine neue Gattung Haustiere/Sklaven hielt in den amerikanischen Haushalten Einzug. Doch wehe, wenn das Halsband inaktiv wird, dann kehrt auch der Hunger zurück. Dann muss man Zomcom rufen, die sich dann um dieses lästige Problem kümmern.

Timmy lebt mit seinen Eltern Helen (Carrie-Ann Moss) und Bill in einem lauschigen kleinen Ort, der ziemlich verschlafen ist und schon optisch dermassen nach Klischee schreit, dass der geneigte Splatterfan freudig die Hände reibt. Zu recht wie sich herausstellen wird. Einen Zombie zu haben gilt als Statussymbol und Helen ist die Meinung der Gemeinde sehr wichtig. Daher muss ein Zombie(Billy Conolly) her, auch wenn Bill so garnicht mit dem laufenden Gammelfleisch umgehen kann. Timmy freundet sich mit dem neuen Familienmitglied schnell an und verpasst ihm den Namen Fido (ja, wer hätte das gedacht). Und so streift er mit ihm durch die Gemeinde bis ein dummes, kleines Missgeschick passiert.... nun ja ruck zuck stapeln sich die Leichen und das verschlafene Nest wird so richtig wachgerüttelt... und Fido pfeift sich unschuldig eins...

Yet another masterpiece of Verhackstückelung! "Fido" bietet so ziemlich alles was sich der geneigte Splatterfan von einer augenzwinkernden Hommage an das Zombiegenre erwartet: lustige Sprüche, übertriebene Metzelszenen, verschrobene Charaktere (u.a. Tim Blake Nelson als Nekrophiler) und natürlich dass sich der Mensch als das eigentliche dumme Rindvieh im Film erweist.Tolle Effekte und das unverbrauchte Setting der 50er tragen mit dazu bei Kurzweil aufkommen zu lassen.

Wer nun meint, dass doch auch eine Message vorhanden sein muss, der darf sich gern einbilden, dass die Macher uns sagen wollten: wer Sklaven hält, bekommt böse auf die Fingerchen geklopft!

Vom Setting her erinnert "Fido" frappierend an das schwarzhumorige PC Spiel "Stubbs, the Zombie - Rebel without pulse", in dem man einen Zombie spielen durfte und ebenfalls in dieser Zeit angesiedelt ist und mit einer sehr ähnlichen Bonbonoptik glänzt.

Wer "Shaun of the Dead" mochte wird auch "Fido" lieben, versprochen!

8 von 10 Hausangestellten

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