Freitag, 10. Dezember 2010

Ich liebe es, wenn ein Film funktioniert!


Serienverfilmungen sind in. Und das bereits seit mehreren Jahrzehnten. Egal ob "Adams Family", "Starsky & Hutch", "Drei Engel für Charlie" oder die mittlerweile elf Filmableger der Star Trek Fernsehserie, nahezu jedes Genre wir bedient. 2010 hat es mal wieder eine Action Reihe aus den 80ern getroffen:
DAS A-TEAM!

Nun sei die Qualität der oben genannten Beispiele mal vollkommen Wurst, heute geht es nur und ausschließlich um das "A-TEAM".


Für alle, die diese Perle meiner Jugend (scheisse, ich bin alt geworden!) verpasst haben, ganz kurz worum es überhaupt geht: Das A-Team ist eine Gruppe von vier US-Army Rangern, denen ein Verbrechen zur Last gelegt wird, das sie nicht begangen haben. Sie sind auf der Flucht und übernehmen jeden Gelegenheitsjob, um Geld zu verdienen... zumindest solange jemand zu beschützen ist und eine Menge Zeug zu Bruch gehen darf.
Angeführt werden der Schönling Faceman (Bradley Cooper), Muckibude B.A. (Quinton Rampage) und der geistesgestörte Pilot Murdock (Sharlto Copley) von Hannibal Smith (Liam Neeson).
Hannibal hat den Plan, Faceman ist für die Ablenkung (besonders im Doppel-X-Chromosomenbereich) zuständig, B.A. stellt die Muskeln und Murdock sein Talent am Steuerknüppel eines Flugvehikels.

Der Film zur Serie erzählt nun im Grunde die Geschichte, wie sich die vier Jungs kennen gelernt haben und warum sie denn eigentlich auf der Flucht sind. Viel mehr will ich zur Story garnicht verlieren, da im Grunde auch nicht viel mehr passiert. Das tut dem Spaß aber keinen Abbruch, da der Film innerhalb von knapp zwei Stunden mit sehr viel Liebe zum Detail auf unterhaltsame Weise den dünnen Plot abspult.

Nach der Kinopremiere überstürzten sich die Fanboys aus alten Tagen teilweise mit Schmährufen im Netz. Klar, als ob die Serie eine heilige Kuh wäre oder irgend etwas besseres nur weil sie einige Jahre auf dem Buckel hat. Wer durch die verklärte Nostalgiebrille schaut, übersieht nämlich einige wichtige Dinge: zum einen war die Serie auch für 80er Jahre Verhältnisse Action-Trash mit billigen Effekten und übertriebenen Stunts, die Dialoge waren so weit von Weltliteratur entfernt wie Dirk Bach von einer Muschi und die Geschichten simpler als ein Lichtschalter. Die Serie lebte vom Zusammenspiel ihrer kauzigen Hauptfiguren und ihrem Leben als eine Art moderne Robin Hood.

Und in nahezu allen diesen Disziplinen zieht der Film mindestens mit. Gut, die Effekte sind wirklich solide produziert, wenn auch nicht überragend. Dafür punktet der Film mit seinen symphatischen Hauptdarstellern, den meist sehr witzigen Dialogen und teils sehr skurrilen Szenen. Das Zusammenspiel funktioniert auch hier hervorragend. Die Darsteller sehen ihren Vorbildern ähnlich und wagen keine neue Interpretation der Rollen. Die Action ist total hanebüchen und auf physikalische Korrektheit hat man einen dezenten Haufen gesetzt, aber what shells?!
Das Teil macht einfach Laune. Hauptsächlich aber deswegen, weil der Film nie versucht mehr zu sein als das Vorbild. Die Trash-Herkunft wird nicht geleugnet, sondern zelebriert. Man versucht nicht erst umständlich dämliche Erklärungen zu präsentieren, warum etwas funktioniert, sondern tut es einfach. Frei nach der Scheibenwelt: "Wenn man so tut, als könne man etwas wirklich tun, schaut die Realität vielleicht einfach weg."

Dass für die Macher "Spaß" vor Authentizität geht, merkt man auch an vielen kleinen Gags, die nicht zwingend sofort auffallen, wie der Aufkleber am Heck des Panzers oder der etwa sieben Jahrzehnte alte, abgewrackte Kutter namens "Walküre", der im Hintergrund in einem deutschen Hafen vor Anker liegt. Den Kölner Dom aber kurzerhand nach Frankfurt zu packen, kommt aber auf die Liste mit den "Dingen, die ich zu faul zum recherchieren war". Pfui!

Negativ ist mir auch beim zweiten Anschauen aufgefallen, dass Jessica Biel zwar besser als Megan Fox schauspielert, aber nur um Nuancen, sodass ihre Rolle ziemlich blass bleibt. Die Bösewichter machen dafür umso mehr Spaß, da sie ähnlich überzogen gezeichnet sind, wie Smiths Gegenspieler in "Shoot `em Up".

Löblich bleibt zu erwähnen, dass auf der Bluray nicht nur die Kinofassung, sondern auch der um etwa fünfzehn Minuten längere Directors Cut vorliegt. So kann sich jeder die Version anschaun, die ihm besser behagt. Ich persönlich finde die Langfassung etwas runder, wenngleich auch bei der Synchro gepatzt wurde. Die Szenen wurden nachträglich synchronisiert und scheinbar waren beim Aufnehmen die Einstellungen geringfügig anders, sodass man direkt hört, wenn neue Dialogzeilen dazwischen geschnitten wurden.

Wer endlich mal wieder einen soliden Action-Thriller á la "Lethal Weapon" sehen will, sollte die Finger vom "A-Team" lassen. Wenn ihr aber Lust auf einen Actionkracher hat, der sich selbst nicht ernst nimmt, und einfach nur mit ein paar Freunden und einer Kiste Bier feiern wollt, dann seid ihr hier genau richtig.

Party on!

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