Dienstag, 7. Februar 2012

Hackepeter für den Shogun


Was wiegt höher: die Treue eines Soldaten gegenüber seinem Herrn oder die Pflicht moralisch richtige Entscheidungen zu treffen?

Shinzaemon Shimada (Kôji Yakusho) muss sich dieser schwierigen Wahl stellen. Als Samurai folgt er einem Ehrenkodex, der ihn zur unbedingten Treue auffordert. Auf der anderen Seite ist der Neffe des Shogun, Lord Naritsugu Matsudaira (Gorô Inagaki), ein psychopathischer Irrer. Er tötet und verstümmelt seine Untergebenen aus purer Lust am Leid. Als bekannt wird, dass dieses Monster auch noch in den Rat mit aufgenommen werden soll und von dort aus die Geschicke Japans mitbestimmen wird, ist für Shimada das Maß voll. Er schart einige getreue Mitstreiter um sich – wie viele wohl?- und macht sich mit ihnen auf den Weg. Ihre Mission: Matsudeira auf einer Reise abfangen und einen Kopf kürzer machen.

Doch Matsudeira reist nicht allein. Samurai Hanbei Kitou (Masachika Ichimura) begleitet seinen Herrn mit mehreren hundert Soldaten – wohlahnend, dass sein alter Kamerad etwas plant…


Beim Genuss des Films „13 Assassins“ wird der eine oder andere Zuschauer den Vergleich zu Zack Snyder´s „300“ ziehen. Zwar gibt es einige Parallelen, doch fußen beide Werke auf unterschiedlichen Quellen. Während „300“ sich die Schlacht der Spartaner gegen die anrückenden Armeen des Perserkönigs Xerxes, die bei den Thermopylen aufeinander trafen, zum Thema nahm, kreuzen die Samurai 1844 im japanischen Dschungel die Klingen. Dennoch wollen beide Geschichten auf wahren Ereignissen beruhen. Letztlich lassen sich viele Vermutungen anstellen und nur wenig wirklich beweisen. 

Beide Filme sind allerdings nicht die erste Interpretation des jeweiligen Stoffes. „300“ basiert auf der gleichnamigen Graphic Novel und „13 Assassins“ ist ein Remake des Originals von Eiichi Kudô aus dem Jahr 1963. Gemein ist ihnen das schier ausweglose Schicksal gegen einen übermächtigen Gegner zu Felde zu ziehen, der sie alle zu vernichten droht. In beiden Filmen nutzen die Helden einen Engpass um ihren Feind in eine Falle zu locken. Im Grunde war es das schon an Gemeinsamkeiten. Allein schon der visuelle Stil trennt beide Filme am offensichtlichsten voneinander. Hier wird das realistische dem comichaften Bild vorgezogen.
 
Während die unterschiedlichen Spartaner nicht zu Wort kommen (können), geht man bei „13 Assassins“ deutlich besser auf die Motivationen der einzelnen Figuren ein.
So nimmt sich Regisseur Takashi Miike (Audition, Zatoichi) deutlich mehr Zeit in der ersten Hälfte des Films seine Figuren vorzustellen. 
Insgesamt erinnert "13 Assassins" durchaus an alte Martial Arts Filmklassiker von Akira Kurosawa (Die Sieben Samurai,  Yojimbo, Die verborgene Festung).

Sobald die Schlacht beginnt, droht zwar manches Mal etwas Chaos im Schnitt auszubrechen, insgesamt aber gelingt ihm ein vernünftiger und spannender Ablauf. Da kann sich Peter Jackson noch eine fette Scheibe abschneiden.
Dazu läuft ein treibender, von Cellos dominierter, Soundtrack, den ich wirklich toll finde.

Insgesamt war ich überrascht, wie wenig Brainfuck Miike´s „13 Assassins“ enthält. Normalerweise erwarte ich von dem Japaner cineastischen Amoklauf auf dem Regiestuhl. Von bizarr über ekelhaft bis oberpeinlich bin ich da eine recht breite Palette an Skurrilitäten gewohnt. Bis auf die Irritation über das Wiederauftauchen eines verstorbenen Kämpfers bleibt Miike erstaunlich nüchtern und realistisch.

Apropos realistisch: wer nicht gerne Wunden sieht, sollte von „13 Assassins“ Abstand nehmen. Der FSK 18 Aufkleber hat durchaus seine Berechtigung auf dem Cover zu thronen. Merket Euch an dieser Stelle die konfuzianische Weisheit:
 
Wer kein Blut sehen kann, sollte besser kein Mädchen sein.



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