Samstag, 20. Februar 2010

Ghostwriter

Stellenanzeige:

Britischer Ex-Premierminister sucht kompetenten Ghostwriter zur Niederschrift seiner
Memoiren. Der bisherige Ghost beging traurigerweise Selbstmord und hinterlässt ein unfertiges Skript. Da die Deadline zur Abgabe bereits in einem Monat abläuft, biete ich 250 tausend Dollar zur Beendigung des Jobs.

Ewan McGregor schlüpft in die Rolle des unglücklichen Ghostwriters, der sich der Aufgabe annimmt. Allerdings muss der Brite dazu nach Neuengland reisen, wo sich der Ex-Premier Adam Lang (Pierce Brosnan) derzeit aufhält. Das bereits verfasste Skript darf er jedoch nur in der Residenz am Meer einsehen.

Warum, erkennt der Ghostwriter schon kurz nach seiner Ankunft. Ehemalige Parteifreunde belasten Lang mit dem Vorwurf er habe Kriegsverbrechen begangen und den Amerikanern Zugriff auf mutmaßliche Al Quaida Terroristen gewährt, damit diese gefoltert werden können. Der charismatische Lang soll die Menschenrechte mit Füßen getreten haben? Zunächst glaubt der Ghost nicht daran, doch dann stößt er bei seinen Nachforschungen auf immer mehr widersprüchliche Informationen und setzt todbringende Ereignisse in Gang.

Roman Polanski sei dank, schafft es Robert Harris´ 2007er Bestseller "Ghostwriter" nun auf die große Leinwand. Relativ nah an der Vorlage orientert, tischt er dem Zuschauer einen Politthriller der alten Schule auf, der den Vergleich mit "Die drei Tage des Condor" oder "Michael Clayton" nicht zu scheuen braucht. In durchweg düsteren, ausgebleichten Farben, im steten grau in grau des Himmels über Neuengland nähert sich Polanski dem verschlungenen Geflecht der Zentren der Macht bis sich der
Ghostwriter scheinbar hoffnungslos darin zu verlieren scheint. Dabei wird an der Figur des Adam Lang auf den ersten Blick klar, dass Harris hier seine ganz persönliche Abrechnung mit der Blair-Administration abliefert (von 1997 bis 2007 verstrickte sich Blair u.a. in mehrere Kriege unter der Regie der USA).

In ruhigen Bildern erzählt, schafft es Polanski jedoch bis zum auflösenden Finale immer mehr Spannung aufzubauen ohne effekthaschende Action zum Einsatz zu bringen. Verstärkt werden die Bilder des deprimierenden neuenglandschen Regenpanoramas durch
den Score, der leicht leiernd mit gebrochenen, holperndem Verlauf klingt wie von einem 70 Jahre Film, dessen Videoband schon viel zu oft abgespielt wurde.

Schauspielerisch wird bis in die kleinsten Nebenrollen erstklassiges Gebote. Neben McGregor und Brosnan, dem etwas mehr Screentime zur Entfaltung seiner Figur gut getan hätte, machen Olivia Williams als dessen Ehefrau Ruth oder Tom Wilkinson (Rock´n Rolla, Michael Clayton) eine sehr gute Figur. James Belushi hat einen kurzen Auftritt und sogar der großartige Eli Wallach (Zwei glorreiche Halunken, Glauben ist
alles) hat seit langer Zeit endlich wieder einen Auftritt auf der Leinwand.

Bis auf einige kleinere Änderungen, die durchweg der Dramatik und dem Erzählfluss dienen, nimmt sich Polanski keine allzu großen Freiheiten von der Buchvorlage heraus. Dies ist sicherlich auch der Tatsache zuzuschreiben, dass Robert Harris am Drehbuch beteiligt war.

Wer das Buch mochte oder generell spannende Filme mag, die den Zuschauer nicht von einer Actionszene zur nächsten hetzen, ist bei "Ghostwriter" genau richtig. Mitdenken ist hier ausdrücklich erlaubt.

8 von 10 Fährunglücken

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