Samstag, 28. November 2009

Wenn das die Mayas wüssten!

2012

Wenn jemand Scheisse turmhoch stapelt, dann kann er nur eines im Sinn haben:
sie wieder umzuschmeissen!

Dergleichen ist unlängst geschehen im Jüngsten Gericht mit fadem Beigeschmack von Roland - Genozid - Emmerich: zwanzich-zwölf!

Da wir Deutschen ja den im Gencode verankerten Drang haben Filmen einen Untertitel zu geben, verleihe ich diesem Kleinod der hochproduzierten Trash-Movies den wohlverdienten Beinamen:

EPIC FAIL RETURNS

Nachdem ich bereits in den ersten Zeilen derart austeile, muss ich zu Beginn ein bisschen zurückrudern, denn ganz so schlimm wie Emmerichs letzter Film "10.000 BC" ist "2012" nun auch wieder nicht.

Immer noch ganz schlimm, aber von dem Urzeitdebakel doch einige Joints entfernt. Worum gehts eigentlich im neuen Emmerich?

Wer weiss es!?

Richtig! Er lässt mal wieder die Welt untergehen.

Laut dem Maya Kalender endet am 21.12.2012 zur Wintersonnenwende das siebte Zeitalter und ein neues bricht an. Als vor einem dreiviertel Jahr der Trailer im Lichtspielhaus meiner Wahl das erste Mal über die Leinwand flimmerte war ich zunächst verzückt; regte sich schließlich in mir der leise Verdacht, dass endlich ein Engel in Hollywood "Shadowrun" als Blockbuster produziert in die Kinos bringt! Doch zu früh gefreut. Es war kein Engel, nur eine schwäbische Spätzle, und die auch nur aufgewärmt. Aber zurück zur sensationellen Story: Emmerich deutet das Ende des Zeitalters als Weltuntergang und lässt sogleich mit viel KRACHBUMM die Erde in die Binsen gehen.

Das geht Jackson Curtis (John Cusack) mächtig auf die Eier. Der erfolglose Schriftsteller lebt in Scheidung von seiner Frau, vegetiert in seiner muffigen Wohnung, hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und sein ältester Sohn findet ihn zum kotzen. Beim Zelten im Yellowstone Nationalpark begegnet er einem Verschwörungstheoretiker (Woody Harrelson), der mächtig weich in der Birne
daher schwafelt, dass die Welt in wenigen Monaten über die Wupper geht und die Regierung alles vertuscht - man will ja wieder gewählt werden. Muhahah! Es wär kein Emmerich-Film, wenn Woody nicht recht behalten würde. Curtis schnappt sich also seine Familie nebst neuem Stecher seiner Frau und tritt eine ungewisse Reise nach China an, denn da hat eine Allianz von 45 Staaten angeblich Schiffe gebaut, um der Katastrophe zu entkommen. Klar, dass Curtis auch ein Ticket für die Titanic haben will und uns damit 158 Minuten in den Ohren liegen wird.

Ich glaube ich verrate nicht zu viel, dass er da ankommt und alle gerettet werden... naja, FAST alle. Aber mal ehrlich: mehr passiert im ganzen Film nicht.

Charakterentwicklung? Keine Chance! Keiner der Schauspieler hat die Möglichkeit an seiner Figur zu arbeiten oder gar etwas besonderes zu bieten. Cusack wirkt dezent gelangweilt, echte Ausrutscher bei der Besetzung hat man sich aber nicht geleistet. Ein Glück war Dakota Fanning zu alt um die Tochter von Curtis zu mimen. Wer Emmerich Filme kennt (und liebt) erwartet eh nicht mehr als viele Million Tote und eine Effektorgie sondergleichen. Wer so bestellt, darf sich dann aber nicht darüber beschweren, wenn die Kost schwer im Magen liegt. Die Effekte sind wie zu erwarten verdammt gut und auch an der Kamera oder dem Schnitt kann wie immer nicht gemäkelt werden. In ein paar Momenten wirds sogar fast ein bisschen spannend, wenn man mitfiebert welches Hochhaus als nächstes fällt. Ehrlich, ich hab manchmal daneben getippt! Der Zerstörungsorgie wurde ich jedenfalls relativ schnell überdrüssig.

Wer Humor hat und über Filme lachen kann, die sich selbst total ernst nehmen, sollte sich 2012 auf keinen Fall entgehen lassen. Ein Fest für "ungewollte-Gag-Sucher" und bei näherer Betrachtung eignet sich das Teil wunderbar zur Nachsynchronisation. Aber auch die Originaldialoge sind schon dermaßen zwerchfellreizend, dass man sich kaum etwas Neues ausdenken müsste. Zu Beginn des Films wird die ganze Schose von einem indischen Wissenschaftler folgendermaßen erklärt (man denke sich den Akzent hinzu):

"Wir hatten die größte Sonneneruption seit Menschengedenken. Dabei wurden massenhaft Neutrinos ins All geschleudert. Diese wirken jedoch wie eine Mikrowelle und schmelzen unseren Erdkern!"

Um sein Argument zu untermauern hebt der Eierkopf eine Abdeckung hoch und gibt den Blick auf ein mit kochendem Wasser gefülltes Bassain frei. Cool. Kochendes Wasser ohne Dampf... und war der Erdkern nicht schon immer flüssig? Wer jetzt noch überlegt sollte sich mal einen Vulkanausbruch vorstellen und dann raten welcher Aggregatzustand auf die Lava zutrifft: fest, flüssig oder fluffig?

Ein zweites und letztes Beispiel kann ich mir nicht verkneifen. Im Laufe des Films wird eine Tupolew von den Dumpfnasen gekapert. Damit entkommt man gerade so einer pyroklastischen Wolke und nimmt Kurs auf die rettenden Schiffe in China. Mittendrin fällt den Dumpfnasen ein, dass man ja noch tanken müsste. "Lasst uns doch nach Hawaii fliegen"!  Äh, Leute.... Hawaii ist eine Vulkaninselgruppe
und.... schon kommt der Beweis: Hawaii ist nur noch ein Schlackehaufen. Super. Wer so doof ist muss eigentlich einen grausamen Leinwandtod sterben. Argh! Durch das ganze Neutrinochingeling wurde die Erdkruste allerdings ruckartig (!) um 2.000 km nach Osten verschoben, sodass der Sprit auf einmal doch noch langt und man in China ankommt.

Da könnte ich jetzt stundenlang weiter machen. Aber ich sagte ja bereits EPIC FAIL RETURNS! Wenn solche Filme wenigstens kurzweilig sind, dann kann ich über so manche Dummheit gut hinweg sehen, aber spätestens ab der Tupolew-Kaperung zieht sich zwanzig-zwölf wie sau. Jede noch so unwichtige Nebenfigur bekommt ihren großen Heldentodmoment und die Minuten fliegen nur so dahin. Die Zerstörungsszenen wurden dermaßen gestreckt, dass offenkundig wird, dass Emmerich hiermit die mangelnde Storytiefe zu kaschieren versuchte. Doch mal ehrlich gesagt: pures Effektkino ist schon seit den 90ern out. Selbst Materialschlachten wie "Transdoofers" versuchten wenigstens Humor ins Spiel zu bringen. Hier wird man noch ständig mit religösen Anspielungen genervt. Die komplette Erde wird überschwemmt, von vielen Tierarten wurden je zwei Exemplare eingepackt und dann heißen die Schiffe auch noch Archen... ich bekotz mir gleich meinen frischen Anzug. Daß die Schiffe dann auch nur Schiffe im urtümlichsten Sinne und keine für den Weltraum waren, kam da regelrecht innovativ daher. Weitaus interessanter für den Plot und die Figuren wäre jedenfalls gewesen zu sehen wie sich die Gesellschaft NACH der Katastrophe entwickelt.

Freunde von Eye-Candy und peinlichen, ultramies recherchierten Blockbusterschinken dürfen ins Kino. Alle anderen klemmen sich lieber den Schniepel im Reissverschluss und haben dabei mehr Spaß.

3 von 10 AGA-GU-GU´s

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