Donnerstag, 20. August 2009

Sonnenfinsternis

Sommer. Ferienzeit. Irgendwo im Süden Frankreichs.

Fünf langjährige Freunde in den Dreissigern treffen sich auf ein paar entspannte Tage, um gemeinsam eine totale Sonnenfinsternis zu erleben. Im Ferienhaus prallen die unterschiedlichen Charaktere aufeinander. Der schwule Hubert ist ewiger Single und Spaßvogel der Gruppe; Dominique ein unbeherrschter, grüblerischerKünstler; Jean-Pierre befindet sich in den Fängen einer ausgewachsenen Midlife-Crisis und Isabella ist Mutter zweier Töchter, die von ihrem Mann Dominique betrogen wird. Dass Dominique ihre Konkurrentin Helena eingeladen hat und Jean-Pierre seine gerade mal neunzehnjährige Internetbekanntschaft Jan mitbringt, lässt die Hoffnung auf Entspannung im Urlaub vollends verpuffen.


Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, Liebe, Freundschaft, Sex... im Laufe der Tage ziehen die Freunde Bilanz und konfrontieren sich gegenseitig mit ihren Schwächen und Fehlern. Alle Sechs hängen in der Hitze des Sommers den eigenen Wünschen, Träumen und Ängsten nach, nichtsahnend, dass diese vier Tage für einige von ihnen den Wendepunkt und für andere gar das Ende ihres bisherigen Lebens markieren werden.

Fane und Jim liefern mit "Sonnenfinsternis" ein durchaus gewagtes Comic ab. Die meisten passsionierten Comicleser interessieren sich für Superhelden, Mystery,
Horror, SF, historische Themen, Thriller, Comedy oder schlichte Action.Zugegeben, auch mich spechen solche Themen an, aber hin und wieder darfs dann doch auch mal was anderes sein. Zudem kommt die vorliegende Graphic-Novel in s/w daher, was die nächsten potentiellen Leser wiederum abschrecken dürfte. Dabei ist der Zeichenstil sehr schön und die Graustufen-Schattierungen sind sehr stimmungsvoll geraten. Die über 280 Seiten lesen sich flott und unterhaltsam. Die Charaktere sind aus dem Leben gegriffen und jeder wird sich mit mindestens eine der Figuren sehr schnell identifizieren können. Die glaubhaft ausgelebten Konflikte und der Humor in den Dialogen lässt den geneigten Leser erst mit der letzten Seite das Buch aus der Hand legen.

Inhaltlich bietet "Sonnenfinsternis" also nicht die gewohnte Comickost und wird es daher schwer haben sein Publikum zu finden. Gerade die, die bislang wenig mit Comics anfangen konnten, würden sich wohl am ehesten durch die Geschichte angesprochen fühlen, aber die werden leider nur mit äußerstem Zufall über dieses Comic stolpern.

Qualitativ sehr gut ist auch die Verarbeitung des Bandes. Stabiles Hardcover, auf festem Papier gedruckt, DinA5 Übergröße, sauber gelettert und übersetzt und sogar mit einem Schutzumschlag versehen.

Wer nach all den Meisterwerken der letzten Jahrzehnte immer noch einen Beweis braucht, dass Comics erwachsen geworden und nicht nur Kinderkram aus Entenhausen sind, sollten spätestens jetzt ihren runzligen Hintern hochkriegen und bei "Sonnenfinsternis" zuschlagen.

Man sieht sich bei Sylvaine-Alain.

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