Dienstag, 4. August 2009

Sterben für Anfänger - Death at a funeral

Pietät, Würde, Besinnlichkeit, Vergebung... es gibt eine Menge Dinge, die man sich für eine gelungene Beerdigung wünschen kann, um respektvoll von einem geliebten Menschen Abschied nehmen zu können. Daniel (Matthew Macfayden; Death Proof) wird keines dieser Dinge gegönnt. Sein Vater ist verstorben. Und mit einem bösen Omen beginnt dieser hundsmieserable Tag schon in aller Herrgottsfrühe. Die unglaublich dämliche Bestattungsfirma liefert den Sarg... mit dem falschen Toten darin. Also Kommando zurück und den richtigen Leichnam besorgt. Und als ob seine Nerven nicht schon blank genug liegen würden, quält ihn seine Frau mit dem Kauf eines Hauses, der unbedingt noch am selben Tag in die Wege geleitet werden muss. Doch damit hat es sich für Daniel nicht erledigt. Auch die Verwandtschaft wird in voller Versammlung dem Toten seine Aufwartung machen.


Und so hält das Chaos seinen Einzug. Sein blasierter Bruder Robert, ein erfolgreicher Schriftsteller aus News York (Rupert Graves; V wie Vendetta) stiehlt ihm wie immer die Show, sein im Rollstuhl sitzender Onkel Alfie terrorisiert seine Umwelt, Mutter Sandra bricht bei jeder sich bietenden Gelegenheit in Tränen aus um sich in den Mittelpunkt zu stellen, Hypochonder Howard geht jedem wegen einem Ausschlag auf die Nerven, Cousine Martha schleppt ihren nervösen neuen Freund Simon an (Alan Tudyk; Firefly, Serenity, Voll auf die Nüsse), dem sie eine Valium ihres Bruders verpasst hat. Dummerweise handelte es sich dabei um LSD und Meskalin in einer Pille und Simon könnte schwören, dass sich der Sarg gerade bewegt hat, am besten jemandem davon erzählen; oder lieber doch nicht?! Justin (Ewan Bremner; Trainspotting, Snatch) hingegen ist nur auf der Beerdigung um Martha noch einmal abzuschleppen und so ein kleinwüchsiger Kerl (Peter Dinklage; Nip/Tuk), den kein Schwein zuvor gesehen hat, beobachtet Daniel ständig, was diesen tierisch nervös macht.

Kurzum: der Priester macht Überstunden, weil die verdammte Beerdigung einfach nicht zu Ende gebracht werden kann. Der nächste, der stört, stirbt!

Nach "In&Out", "Der Indianer im Küchenschrank" und "Bowfingers große Nummer", war es um Frank Oz recht ruhig geworden. Nun meldet er sich mit dieser rabenschwarzen englischen Komödie zurück und hat nichts von seinem Humor verloren. Zwar ist "Sterben für Anfänger" ein sehr ruhig inszenierter Film, der aufgrund seines Settings auch durchaus als Theaterstück vorstellbar ist, aber bei diesem gesellschaftlichen Portait sind es gerade die leisen Zwischentöne, die den meisten Spaß machen. Schließlich wollen alle so sehr um jeden Preis verhindern bei der Beerdigung unangenehm aufzufallen oder das Gesicht zu verlieren, dass es einen geradezu in den Wahnsinn treiben kann. Nur allzu verständlich, dass den Figuren das Schicksal genau dann einen Strich durch die Rechnung machen muss.

Von den Schauspielern, die alle super ihre Rollen spielen, muss besonders Alan Tudyk
hervorgehoben werden, der den von Minute zu Minute breiteren Simon so genial gibt, dass es eine wahre Pracht ist seinem immer mehr entgleisenden Verhalten zuzuschauen.

Wer einen Schenkelklopfer á la American Pie oder Roadtrip sucht, sollte von "Sterben für Anfänger" die Finger lassen. Alle anderen dürfen sich diebisch darauf freuen, wie dieser Trauergesellschaft das Leben schwer gemacht wird. ... und hoffen nie selbst so etwas zu erleben.

8 von 10 Pathologen

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