Donnerstag, 21. August 2008

Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?!

The Dark Knight

Heath Ledgers Tod löste Anfang des Jahres einen regelrechten Hype um den neuen Batman Streifen aus. Was wurde da nicht alles spekuliert. Von Depressionen aufgrund seiner Rolle als Joker war da die Sprache oder dass ihn der Film gar umgebracht habe. Legendenbildung VOR dem Erscheinen eines Filmes? Das gab es zuletzt bei „The Crow“ und Jason Lees Tod. Dank der umfangreichen Berichterstattung stürmen derzeit die Besucher rund um den Globus die Kinosääle, „The Dark Knight“ bricht alle Zuschauerrekorde und überholt auf dem Treppchen der erfolgreichsten Filme einen Streifen nach dem anderen und arbeitet sich mit großen Schritten auf den Thron zu um die Titanic ein zweites mal zu versenken. Viel Glück dabei. :-)

Viele gehen ins Kino um Ledger ein Letztes mal zu sehen oder weil man wissen will: ist der Film denn wirklich so gut wie alle Kritiker behaupten? Um eines vorwegzunehmen und somit der Spannung auf fünf Zentimeter Entfernung kaltherzig mit einer doppelläufigen Schrotflinte die Rübe runterzublasen: JA, „The Dark Knight“ ist so gut. Selten sitzt man im Kino und kann schon nach einer Stunde sagen, dass man ein neues Meisterwerk bewundert. Und ja: Ledger setzt sich selbst ein Denkmal mit seiner perfiden Interpretation des Jokers.

Etwa ein Jahr ist seit den Ereignissen aus „Batman Begins“ vergangen. Bruce Wayne gibt nach wie vor offen den versnobten Schnösel während er nachts Gotham Citys Unterwelt die Hammelbeine lang zieht. Seine alte Liebe Rachel Dawes hat sich in den neuen Bezirksstaatsanwalt Harvey Dent verguckt, der sich mit seinen gewagten Schachzügen schon bald zu Gothams strahlenden Helden aufschwingt. Bruce ist das mehr als recht, denn er sieht den Moment gekommen, dass Gotham nicht mehr auf Batmans Hilfe angewiesen ist und er endlich mit Rachel zusammen sein kann.

Just in diesem Augenblick taucht der Joker auf und kehrt Gothams Innerstes nach außen. Nach und nach erobert er den Thron der Unterwelt und macht Jagd auf jeden der ihm im Weg steht. Und Batman
mit seinen Verbündeten steht ganz weit oben auf seiner Liste…

Am Batman Nachfolger stimmt so ziemlich alles: die Schauspieler sind bis in die Nebenrollen erstklassig besetzt – aus den Vorgänger wieder mit dabei sind Christian Bale, Michael Caine, Gary Oldman, Morgan Freeman und Cilian Murphy und werden nun tatkräftig durch Heath Ledger, Maggie
Gyllenhaal und Eric Roberts unterstützt. Wer nun Katie Holmes in der Aufzählung vermisst: keine Sorge, ihre Rolle wurde mit Maggie neu besetzt, was sich als Glücksgriff für den Film entwickelte, da sich Holmes schauspielerisches Talent irgendwo zwischen auf der Straße plattgefahrenem Iltis und müffelnder Mülltonne befindet. Dennoch ist erst einmal eine Umgewöhnung notwendig, dass Rachel ein neues Gesicht hat.

Die Action ist superb umgesetzt, das meiste wurde real gedreht und kommt nicht aus der Retorte. Dabei ist der Anteil der Action im Vergleich zu „Batman Begins“ in etwa gleich geblieben, was im Endeffekt bedeutet, dass man mit knapp 20 Minuten mehr Dialogszenen rechnen muss und die Ausrichtung des Films weiter in Richtung Drama schiebt. Nur als Vorwarnung an alle Actionfetischisten. ;)

Nachdem der Film optisch und akustisch eine gute Figur macht bleibt nur noch nachzuschauen was „The Dark Knight“ unter der Oberfläche so alles zu bieten hat. In regelmäßigen Abständen wird der Zuschauer mit Bildern konfrontiert die immer wieder die 9/11 Atmosphäre einzufangen wissen wie bspw. Feuerwehrmänner in Ruinen, die verzweifelt die Brände zu löschen versuchen. Alles wonach dem Joker der Sinn steht ist Chaos, Anarchie, Angst und Verzweiflung zu verbreiten. Dabei greift er mit simpelsten Mitteln an und wählt sich seine Ziele scheinbar wahllos, wodurch er für die Gothamer Bürger unberechenbar wird. Jeder kann der nächste sein. Dementsprechend baut sich im Laufe des Films eine beklemmende Endzeitatmosphäre auf, die auch in etwa der in den USofA vorherrschenden
Stimmung nach den Angriffen auf das WTC gleichkommen muss.

„Entweder stirbt man als Held oder man muss mitansehen wie man selbst zum Bösen wird.“

Doch geht „The Dark Knight“ noch weiter indem er die Folgen aufzeigt, wenn sich unbescholtene
Bürger von der Paranoia und der Wut anstecken lassen. Harvey Dents Verwandlung in Two-Face ist für die Comic-Kenner keine Überraschung. Dass Sie aber hier derart eindrucksvoll vollzogen wird, damit hat wohl niemand gerechnet. Als Two-Face zieht er im letzten Drittel des Films durch die Stadt um sich an denen zu rächen, die er für sein persönliches Leid verantwortlich macht. Dazu überlässt er die Wahl über Leben oder Tod seiner Münze, die er fortan wirft um selbst keine Entscheidungen treffen zu müssen und sich somit zum Handlanger des Zufalls und des Chaos macht.

Batman hingegen hat in den Forschungslaboren von Wayne Industries einen Apparat mit dem jedes Handy in der Stadt überwacht werden kann. Hiermit spielt Nolan gezielt auf Post-9/11 Gesetze wie den
Patriot Act und die Welle der Überwachung und ungerechtfertigter Festnahmen die damals folgten an (Film Tip: Fahrenheit 9/11). Bruce muss sich seinen eigenen Dämonen stellen um nicht selbst zu werden wie der Joker, der nicht aufhört zu betonen wie ähnlich sie sich seien. Dass ihm dabei seine Prinzipien dermassen im Weg stehen würden hätte er wohl selbst nicht erwartet.

Bis dato beste Umsetzung des Batman-Stoffes und wahrscheinlich beste Comicverfilmung für längere Zeit. Ein gerechtfertigter Hype – wer hätte das gedacht? :)

Die Spekulationen über Teil drei können beginnen.

10 von 10 Schminkköfferchen

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