Freitag, 1. Juni 2007

Prestige

"Ein Zaubertrick besteht aus drei Akten oder Phasen. In der ersten Phase, der Vorstellung, zeigt der Magier dem Publikum ein gewöhnliches Objekt; etwa ein Kartenspiel, ein Tier oder eine Person. Manchmal wird er das Publikum dazu auffordern das Objekt zu inspizieren, damit sie sich von der Echtheit überzeugen können, obwohl es wahrscheinlich anders ist.

In der zweiten Phase geschieht der Effekt. Der Magier nimmt das gewöhnliche Objekt und lässt etwas Aussergewöhnliches damit geschehen. Nun suchen sie nach dem Geheimnis, aber sie werden es nicht finden, denn natürlich ist es so, dass sie nicht wirklich hinsehen. Sie wollen es eigentlich garnicht wissen. Sie wollen sich täuschen lassen.


Doch noch applaudieren sie nicht, denn etwas verschwinden zu lassen ist nicht genug. Man muss es auch zuückbringen. Aus diesem Grund hat jeder Zaubertrick einen dritten Akt, den schwierigsten Teil: das Finale. Man nennt ihn Prestigio."


Mit diesen Worten beginnt eines der besten Dramen der letzten Jahre. Christopher Nolan (Batman Begins; Insomia, Memento) kann somit seine Reihe von Top-Filmen mal wieder erweitern.


In Prestige geht es um zwei Berufsmagier aus dem England des 19. Jahrhunderts. Rupert Angier und Alfred Borden arbeiten als Assistenten in einer Magiershow. Angiers Lebensgefährtin arbeitet ebenfalls auf der Bühne als Assistentin. Durch einen Unfall für den Angier Borden verantwortlich macht, kommt sie bei einem Trick ums Leben. Fortan herrscht Zwist zwischen den beiden und mit der Zeit werden sie zu erbitterten Feinden. Spionage, Überfälle, Sabotage und Diskreditierung sind die Mittel dem jeweiligen Konkurrenten das Leben schwer zu machen.

Hervorragend dargestellt werden die Rollen durch Hugh Jackman (Helsing, X-Men), Christian Bale (Batman Begins, American Psycho, The Machinist), Michael Caine (Batman Begins, Children of Men), Scarlett Johannson (Die Insel, Lost in Translation) und David Bowie. Allen voran hat Michael Caine mal wieder eine überwältigende Leinwandpräsenz.

Dominierend ist wie (fast) immer bei eine relativ gemächliche Kameraführung, mit verspielten Blickwinkeln. Auffällig ist, wie oft die Kamera deutlich tiefer oder höher angesetzt ist, als allgemein gewohnt, was den Emotionen der Hauptfiguren, die in ständiger Konkurrenz zueinander stehen, mehr Ausdruck verleiht.

Der Film wird in verschiedenen Zeitebenen gleichzeitig erzählt. Die Gegenwart, ein bisschen in der Vergangenheit zurück und dann noch weiteres Stück zurück. Dennoch kann man der Handlung jederzeit gut folgen. Allzuviel Action sollte man hier wie bei Insomnia oder Memento nicht erwarten.

So wie jeder Zaubertrick aus drei Phasen besteht, baut sich auch ein gutes Drama bzw. eine Tragödie in drei Akten auf. Für die Griechen, die als die Erfinder der Tragödie gelten, war der dritte und Finale Akt der wichtigste. Denn durch das Sehen eines solchen Schauspiels sollte der Zuschauer "gereinigt" aus dem Theater entlassen werden. Erst durch den Schluss des Stückes, in dem die Folgen der Handlungen der Personen ihre volle Tragkraft entfalten, kann diese Katharsis erreicht werden. Und das bedeutete, dass mindestens eine der Protagonisten durch ihre Fehler sehr tief fällt. Thematisch passt dies auch gut zu Prestige, denn Obsession und Hybris sind hier die handlungsbestimmenden Elemente.

Zum Abschluss kann ich hier nur zwei Zitate anbringen: "Nichts ist, wie es scheint!" und "Halte dich von Zauberern fern, denn sie sind leicht erzürnt und sehr tückisch!"

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