Dienstag, 6. März 2012

Hick Hack, Rübe ab!


Sicherheit ist ein hohes Gut. Das wussten sogar schon die antiken Römer. Zum einen markierte man Sklaven nicht an ihrer Kleidung, aus Angst sie würden dann erkennen, dass sie in der Überzahl sind. Zum anderen assimilierte man eroberte Gebiete, romanisierte sie und machte die besiegten Völker zu vollwertigen Teilen des Reiches. Nun gut, das funktionierte nicht immer. 

Die dickschädeligen, bockigen Germanen bspw. widersetzten sich in der Mehrheit den Römern und konnten ihnen u.a. in der Varus-Schlacht empfindliche Niederlagen beibringen.
Bei den Barbaren war einfach kein Stich zu landen, musste Rom bald erkennen und so begann man im ersten Jahrhundert n. Chr. mit dem Bau des Limes Grenzwalls.
Die keltische Kultur, die man auf dem Festland zum großen Teil bereits unterdrücken und auslöschen konnte, existierte nur noch im Norden Britanniens. Von dort aus trat man den nachrückenden Römern ebenfalls recht erfolgreich in den Arsch. 

Eroberungslust hin oder her, Kaiser Hadrian musste sich nach einer Rundreise im Grenzgebiet eingestehen, dass es keinen Sinn macht den Norden Britanniens zu erobern. Sollten die Barbaren doch ihr karges Land behalten.
Und so befahl er zu Beginn des zweiten Jahrhunderts n. Chr. den Bau eines zweiten Grenzwalls. Alles plausible Gründe, in Wahrheit aber hatten die Römer vor den Barbaren schlicht  die Hosen gestrichen voll. 

Mitten in dieses Szenario wird der Zuschauer bei der Geschichte um den „Adler der 9. Legion“ geworfen. Marcus Flavius Aquilas (Channing Tatum; GI Joe) Vater diente einst in Britannien als Kommandeur der 9. Legion. Die Kelten besiegten ihn in einer Schlacht im Wald und nahmen die Standarte der Legion, ein Adler, als Trophäe mit, die seitdem verschollen ist.

Etwa zwanzig Jahre später übernimmt Marcus als Centurio das Kommando über einen Grenzposten des Hadrianswalls, als auch schon die Kacke mächtig zu Dampfen beginnt. Die Kelten fordern ihn in einer Schlacht heraus und als Marcus siegreich hervor geht, beschließt er die Familienehre wieder herzustellen, indem er den Adler zurück klaut.

Da eine Armee für diese Aufgabe zu auffällig wäre, begibt er sich auf eine Undercover Mission mit seinem Sklaven Esca (Jamie Bell; Billy Elliot, Tim und Struppi), der als Britannier die Sprache der Kelten versteht. Doch kann Marcus einem Einheimischen, der die Römer hasst, wirklich trauen?

Während das historische Szenario in Kevin McDonalds (State of Play, Der letzte König von Schottland) Sandalenfilm korrekt wieder gegeben wird, ist die Geschichte in dem Szenario fiktiv. Sie basiert auf Rosemary Sutcliffs gleichnamigen Roman von 1954. Damals gingen Historiker tatsächlich noch davon aus, dass die 9. Legion im Norden Britanniens aufgerieben worden wäre. Zwischenzeitlich ist die Forschung deutlich weiter gekommen und man ist eines besseren belehrt worden. Zum Seehund Clan, der ab der zweiten Hälfte des Films eine wichtige Rolle spielt, konnte ich keine gesicherten Informationen finden; möglich, dass es sich um Skoten handelt. Die dargestellte Kleidung, Riten, Haartracht und Siedlungsweise kann man daher unter dem Aspekt der künstlerischen Freiheit betrachten. 

So sollte man „Der Adler der 9. Legion“ als fitkive „what-if” Story auffassen. Was am Ende zählt ist daher nicht die historische Korrektheit, sondern die transportierte Authentizität. Hier punktet McDonald in allen Bereichen. Ohne pompöse Effekthascherei setzt er das Leben im Römischen Imperium glaubhaft in Szene; und das bei gerade mal 25 Mio. US-Dollar Budget! In diesem Stil hätte ich gerne mehr Geschichten aus der Antike.

Einzig die Chemie zwischen dem Gespann Tatum-Bell will nicht so richtig stimmen. Zwar war ich überrascht, dass man Tatums Leistung unter einem fähigen Regisseur tatsächlich als „Schauspielern“ bezeichnen kann, aber die Wandlung, die im Laufe des Films zwischen Aquila und Esca vollzogen wird, nehme ich ihm nicht ganz ab. 

Ich bin immer skeptisch, wenn auf der Hülle vergleichende Werbung zu anderen Filmen gemacht wird („So superdupertoll wie Quentin Tarantinos Gummibärchenbande!“). Den Vergleich zu Gladiator finde ich zum einen unpassend und mit Gewalt an den Haaren aus der Höhle gezerrt. Das ändert zum Glück nichts an der Tatsache, dass  „Der Adler der 9. Legion“ ein guter Film geworden ist.

Auch von der FSK12 Freigabe sollte man sich nicht abschrecken lassen, denn mit Blut wird nicht gegeizt. Wer vergibt eigentlich die Plaketten? Schimpanse Ronny? 


Wer abseits der großen politischen Ränkespiele im Senat mal einen anderen Blick auf  das Leben im Römischen Reich werfen möchte, wird in McDonalds Film eine Geschichte erleben, in der zwei Welten aufeinander prallen, die gegensätzlicher nicht sein können, und in der im Konflikt auch die Hoffnung auf Versöhnung und Friede liegen.

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