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Dienstag, 12. Juli 2011

Berlin sehen und NICHT sterben


Misstrauisch beäugte der Kfz-Mechaniker die Schäden an meinem Rover 2068. Ich hatte ihn erst kurz vor den tragischen Ereignissen erworben, die mich meinen Job beim privaten Nachrichtendienst ARGUS kosteten. Er war also noch relativ neu und ich hing an dem Schmuckstück. Den Geländewagen nun so ramponiert zu sehen schmerzte - und meinem Credstick besonders.

Henry - zumindest behauptete das das Namensschild an der Brusttasche des Mechanikeroveralls - drehte sich Kaugummi kauend zu uns um und lenkte unsere Blicke mit seinem rechten Daumen auf das Einschussloch in der Heckscheibe hinter ihm.
"Se fangen gern Fliegen im Rückwärtsgang, wa?"
Mehr als nur dezent klang sein Berliner Dialekt durch.
"Yeah, elende Metallmücken. Fliegen verdammt schnell hier im Osten der ADL."
Einen Moment lang fuhr er wortlos fort, seinen Kaugummi zu bearbeiten.
"Dreihunnertfuffzich Nuyen un ick interessier mich nich für ihr Mückenproblem."
"Sagen wir vierhundert - für den schnellen Service."
Die Miene des Mechanikers hellte sich auf, als er einschlug.
"Se gefallen mir. So Kundschaft könnt ick öfters brauchen."
Er griff nach einem kleinen Kasten an seiner Hüfte, seinem Kommlink. Sofort wurden Lagerlisten auf die Innenseite seiner Brille projeziert.
"Se haben Glück. Ick hab ne passende Scheibe auf Lager. Wenn se en Stündchen Zeit haben, könnt ick es gleich machen."
"Ich hab eh nichts besseres vor. - Äh sagen sie, ist es okay, wenn ich mir an ihrem Automaten einen Kaffee ziehe?"
"Sofern se die Schlacke, die da raus kommt so nennen wollen... Bedienen se sich ruhig."
"Wollen sie auch einen?"
"Nee danke, ick hab noch etwas Öl im Lappen."
Lachend ging Henry nach hinten ins Lager.

Sonntag, 3. Juli 2011

Familienangelegenheiten


Die verfluchte Stadt hat mich wieder. 
Dresden - oder besser gesagt, das was davon übrig geblieben ist. Seit den Europakriegen von 2031/32 ist hier nichts mehr wie früher - nicht dass ich das je persönlich gekannt hätte. Ich war noch Quark im Schaufenster, als die Russen damals hier einfielen, um Sachsen zu annektieren. Sie konnten zurückgeschlagen werden, aber eine Junta aus Bundeswehr Genrälen errichtete auf den Ruinen des ehemaligen Freistaats das Herzogtum Sachsen. Dresden wandelte sich in den Leipzig-Halle-Megaplex, einem Stadt gewordenen Tumor aus Industrie, Slums,  Schickimicki-Wohnbezirken und Mülldeponien. Letztenendes war es ein Polizeistaat. Nur dass die Armee hier die Gewalt hatte.
Ich konnte diese Stadt noch nie leiden. Drecksarmee... arrogantes Pack!

Und jetzt saß ich hier fest. So lange, bis ich Kontakt herstellen konnte.

Samstag, 25. Juni 2011

Schattengeburt


Eigentlich wollte ich nach einem beschissenen Tag auf Jobsuche nur mein Bier in einer der zahllosen abgeranzten Kneipen in der Herbertstraße genießen, aber es hat wohl nicht sollen sein. Schon als ich herein kam, bemerkte ich, dass ein Jugendlicher sich für irgend etwas Dummes Mut antrank. Er kochte vor Wut und sah ständig zu den Spitfires Gangmitgliedern rüber, die sich am Billardtisch betranken.. Noch bevor ich meine Bestellung aufgeben konnte, nahm er einen Schlagring aus der Hosentasche und stand auf. Ohne zu zögern schnappte ich ihn mir. Trotz meinem starken Griff, zappelte er ganz schön. 

"HEY HEY! Nun kühl mal dein Mütchen ab, Kleiner! Bist wohl neu hier, was?! Mit Straßengangs legt man sich nicht an! Ganz besonders nicht, wenn man sich in einer solch üblen Spelunke herum treibt, in der jeder bewaffnet ist!
Sei froh, dass ich dich zurück gehalten habe. Die hätten dich ausgeweidet und dir in deine aufgeschlitzte Kehle gepisst - und so willst du doch nicht enden, oder?
Was? Der Typ hat dir die Freundin ausgespannt? Ach Junge, vergiss die Braut! Wenn sie sich mit so einem Spitfire-Down-Lump aus den Gassen eingelassen hat, hat sie sich selbst deklassiert. Außer Drogen, SimSinn-Schrott und Randale haben die nichts im Schädel. Vergiss sie! Sie ist es nicht wert. Keine Frau ist es wert, dass du dafür dein Leben wegwirfst.
Du glaubst, du wärst betrogen worden?
- Ach komm, wir setzen uns an die Theke. Dann erzähl ich dir mal bei einem Bierchen, wie sehr man mich gefickt hat. Dagegen ist dein gebrochenes Herz leicht zu kitten. Oh, meine Name ist übrigens Hendrik Summerset."