Harmony Bay ist ein kleines, verschlafenes Städtchen in Oregon. Doch als Thomas Cody mit seiner Familie aus Florida dorthin zieht, um seinen neuen Job als Sheriff anzutreten, beginnt eine mysteriöse Mordserie, die die Ermittler vor allerlei Rätsel stellt.
Es gibt Geschichten, die bieten genug Inhalt und Tiefgang für eine oder zwei Staffeln, aber gemäß dem Gesetz der Trilogie sind Macher immer wieder versucht auf Teufel komm raus eine Trilogie abzuliefern. Das geht dann leider oft auch mal in die Hose. Monster 1983, eine Audible Hörspielreihe von Ivar Leon Menger, ist da leider keine löbliche Ausnahme.
Die Grundidee für die Handlung ist sehr interessant und zunächst auch gut umgesetzt. Im Grunde ist mit Staffel zwei jedoch alles gesagt und beide Arten von Monstern – die menschliche und die übermenschliche Sorte – wurden umfassend abgehandelt. Ob vom wilden Watz geritten, einfach gierig oder vielleicht auch nur durch den Vertrag bedingt dazu gezwungen, wurde eine dritte Staffel produziert, um die Geschichte abzuschließen. Zwar werden einige Erzählfäden in den Staffeln eins und zwei hierfür vorbereitet, allerdings bietet sie viel zu wenig Substanz, um den Hörer über die Lauflänge von elf Stunden bei Laune zu halten. Zudem macht sich Ideenlosigkeit breit und die Schwächen der ersten beiden Staffeln werden konsequent ausgebaut. Diese hatten bereits mit Inkonsistenzen in den Charakteren und kitschüberladenen Dialogen zu kämpfen. In Staffel drei kommt noch hinzu, dass die Figuren sich extra dumm anstellen müssen, damit sich der Plot unnötig in die Länge ziehen kann.
Was die Figuren des Hörspiels angeht., wird dem Leser von Stephen King Romanen schnell klar, woher er sie bereits kennt. Im Grunde kopiert Menger das wiederkehrende Kingsche Szenario der Neu-England Kleinstadt, in der viele Menschen dunkle Geheimnisse pflegen. Der Horror vor dem zwischenmenschlichen Zusammenleben halt. Das ist nichts Neues, jedoch eine gute Ausgangsbasis für eine schön schaurig erzählte Geschichte. Leider werden die Figuren nahezu ausschließlich schwarz-weiß gezeichnet und bieten selten unerwartete Facetten. Es ist meist nach zwei Sätzen klar, wer gut und wer böse ist. Die Qualität der Dialoge schwankt stark. Besonders die Kinder klingen mehr danach wie jemand sich vorstellt, dass Kinder reden würden. Die Serie Stranger Things bekommt das viel besser hin.
Es ist schade, dass sich die Reihe mit der dritten Staffel, die zeitweise fast auf Die letzten Jedi Niveau herunter dummt, im Grunde selbst zerlegt. Wäre diese Staffel nie produziert worden, hätte ich die ersten Beiden trotz offenem Ende in guter Erinnerung behalten. Denn das Hörspiel an sich ist ein akustischer Genuss. Die Sprecher liefern beinahe zu Gänze tolle Arbeit ab. Man hat namhafte Stimmen gecastet und auch die Soundkulisse ist erstklassig. Lediglich die Musik ist ab und an etwas unpassend, besonders in Szenen, in denen man auf die Tränendrüse drücken will.
Bevor es zu Spoilern kommt: wem kann ich Monster 1983 denn nun empfehlen? Grundsätzlich allen Fans von Hörspielen, die ein Faible für Fantasy/Horror/Mystery Geschichten haben. Jedoch tut euch selbst einen Gefallen und beendet das Erlebnis nach Staffel zwei.
Es gibt einiges, was mich an der Reihe gestört hat. Der Plot ist bei weitem nicht so clever, wie die Schreiber der Drehbücher glauben. Vieles ist sehr vorhersehbar. Anstatt ein erzwungenes apokalyptisch wirkendes Szenario für Teil drei zu entwerfen, hätten die Macher gut daran getan, den Plot um den Amy-Nachtmahr in Teil eins zu Ende zu bringen, um sich dann in Teil zwei nur mit den menschlichen Monstern zu beschäftigen. Stattdessen wird es bemüht episch. Man springt zwölf Jahre in die Zukunft und Harmony-Bay ist eine Geisterstadt. Grundsätzlich eine nette Idee, jedoch ist die Auflösung, wie es dazu kam, absolut bescheuert. Warum hätte man das Kaff komplett entvölkern sollen? Nach der Säuberung vom Nachtmahr und seinen Drohnen wäre es sinnvoller gewesen, für einige Zeit die Militärpräsenz aufrecht zu halten – nur um sicherzugehen.
Wir haben es hier schließlich nicht mit einer kontaminierten Zone zu tun, in der sich 20th Century Foxs Alien breit gemacht hat und kontinuierlich Nachkommen spammt. Außerdem ist die Regierung ja scharf auf lebende Exemplare.
An der Stelle fällt mir eine andere blödsinnige Nummer ein. Während man an einem Erkennungstest für vom Nachmahr oder seinen Drohnen befallene arbeitet, beschließt man alle, die Husten, sofort umzubringen statt in Sicherheitsverwahrung zu stecken. Da Staffel drei im November spielt und eine Grippewelle umgeht, ist es schwierig Kranke von Befallenen zu unterscheiden. Wenn ich jedoch an der Entwicklung einer Waffe arbeite, nehm doch lieber funktionierende Exemplare anstatt sie kaputt zu machen. Im Grunde war das Ganze nur dazu da das Bedrohungslevel künstlich anzuheben. Von zwei Leuten abgesehen, kriegt man jedoch nicht mit, dass auch nur irgendjemand anderes vom Militär hingerichtet worden würde. Dabei soll die halbe Stadt krank gewesen sein.
Wer kam auf die Idee, dass jemand Jahrzehnte zuvor unter der Stadt Tunnel gegraben und mit Förderbändern ausgestattet hat? Welcher Nutzen sollte das haben? Und warum hat davon keine Sau in der Stadt was mitbekommen?
Wichtige Handlungsmomente werden selten erarbeitet, sondern plotconvenient ausgelöst. Lediglich der Figur des Deputy Landers wird ein wenig glaubhafte Charakterentwicklung zugestanden, während fast alle anderen auf der Stelle stehen bleiben. Was mit Thomas Cody in Staffel drei angestellt wird, ist unwürdigstes Writing. Die Geschehnisse spielen sich innerhalb einer Woche ab, in der er zum Alkoholiker und dann wieder trocken wird. Wer sich den Mist ausgedacht hat, hat keine Ahnung von Suchterkrankungen. Dieser Handlungsstrang ist komplett mit der Brechstange geschrieben worden und entbehrt jeder Logik.
Leider konnten sich die Macher auch nicht für klare Regeln bezüglich des Nachtmahrs entscheiden. Da wird lang und breit erklärt, dass die Eier, die er legt, lediglich Drohnen sind, die von ihm selbst ablenken sollen. Schlauer Taktikfuchs! Doch dann entwickelt sich eins in Agent Hunter zu einem richtigen Nachtmahr, was ihn auf seiner Reise zwölf Jahre später nach Harmony Bay zurückbringt. Dann würde mich noch interessieren, wieso ein Wesen, das ursprünglich vor knapp tausend Jahren aus dem tiefsten Asien nach Europa gekommen soll, ausgerechnet durch ein Kruzifix verletzbar sein soll?! So rein aus mythologischer Sicht, macht diese plotconvenient in Staffel drei auftauchende Waffe, keinen Sinn. Da muss man doch schon beim Entwicklungsprozess des Plotlayouts merken, dass das holpert und stolpert.
Neben all den Dingen, die mir gegen Ende mächtig auf die Nüsse gingen, nur noch zwei zum Abschluss, die gut illustrieren wie dämlich die Schreibe teilweise ist: im Sheriffbüro erfährt man von der Erschießung des hustenden Neffen von Rose. Zu dem Zeitpunkt wissen die Figuren bereits, dass Husten ein Symptom der Befallenen ist, sind aber scheinbar zu blöd eins und eins zusammenzuzählen und nehmen den erkälteten Deputy Mike ständig mit raus, wo man Patrouillen begegnen kann. Als Hörer wartet man quasi nur darauf, dass er sich endlich eine Kugel fängt.
Die zweite Geschichte ist die des dummen Deputy Taylors. Neben der Tatsache, dass sie mit ihren Zu- bzw Abneigungen ständig von einem Extrem ins andere springt, hat sie eine besorgniserregende Begegnung mit ihrer Mutter, die befallen ist. Dass sie sich zunächst nichts dabei denkt, ist aufgrund der Fahne, die sie hat, nicht verwunderlich. Aber spätestens als sie zusammen mit den anderen herausfindet, wie der Modus Operandi der Drohnen aussieht, hätte sie sich zusammenreimen müssen, dass ihre Mutter zumindest verdächtig ist.
Doch das hätte, wie so vieles andere, massig an Laufzeit eingespart, und man wollte Staffel drei ja unbedingt auf volle elf Stunden aufblasen. Im Grunde hätte es mehr Sinn gemacht, Staffel 2 um 3 Stunden zu verlängern, und den Plot dort dann in einem echten, kurzen und knackigen Finale zu Ende zu erzählen.
So bleibt abschließend wie so oft folgende Erkenntnis: verschenktes Potential in einer Profiproduktion, die aufzeigt wie hoch die Qualität von Amateurprojekten schon seit Jahren ist.
Es gibt Geschichten, die bieten genug Inhalt und Tiefgang für eine oder zwei Staffeln, aber gemäß dem Gesetz der Trilogie sind Macher immer wieder versucht auf Teufel komm raus eine Trilogie abzuliefern. Das geht dann leider oft auch mal in die Hose. Monster 1983, eine Audible Hörspielreihe von Ivar Leon Menger, ist da leider keine löbliche Ausnahme.
Die Grundidee für die Handlung ist sehr interessant und zunächst auch gut umgesetzt. Im Grunde ist mit Staffel zwei jedoch alles gesagt und beide Arten von Monstern – die menschliche und die übermenschliche Sorte – wurden umfassend abgehandelt. Ob vom wilden Watz geritten, einfach gierig oder vielleicht auch nur durch den Vertrag bedingt dazu gezwungen, wurde eine dritte Staffel produziert, um die Geschichte abzuschließen. Zwar werden einige Erzählfäden in den Staffeln eins und zwei hierfür vorbereitet, allerdings bietet sie viel zu wenig Substanz, um den Hörer über die Lauflänge von elf Stunden bei Laune zu halten. Zudem macht sich Ideenlosigkeit breit und die Schwächen der ersten beiden Staffeln werden konsequent ausgebaut. Diese hatten bereits mit Inkonsistenzen in den Charakteren und kitschüberladenen Dialogen zu kämpfen. In Staffel drei kommt noch hinzu, dass die Figuren sich extra dumm anstellen müssen, damit sich der Plot unnötig in die Länge ziehen kann.
Was die Figuren des Hörspiels angeht., wird dem Leser von Stephen King Romanen schnell klar, woher er sie bereits kennt. Im Grunde kopiert Menger das wiederkehrende Kingsche Szenario der Neu-England Kleinstadt, in der viele Menschen dunkle Geheimnisse pflegen. Der Horror vor dem zwischenmenschlichen Zusammenleben halt. Das ist nichts Neues, jedoch eine gute Ausgangsbasis für eine schön schaurig erzählte Geschichte. Leider werden die Figuren nahezu ausschließlich schwarz-weiß gezeichnet und bieten selten unerwartete Facetten. Es ist meist nach zwei Sätzen klar, wer gut und wer böse ist. Die Qualität der Dialoge schwankt stark. Besonders die Kinder klingen mehr danach wie jemand sich vorstellt, dass Kinder reden würden. Die Serie Stranger Things bekommt das viel besser hin.
Es ist schade, dass sich die Reihe mit der dritten Staffel, die zeitweise fast auf Die letzten Jedi Niveau herunter dummt, im Grunde selbst zerlegt. Wäre diese Staffel nie produziert worden, hätte ich die ersten Beiden trotz offenem Ende in guter Erinnerung behalten. Denn das Hörspiel an sich ist ein akustischer Genuss. Die Sprecher liefern beinahe zu Gänze tolle Arbeit ab. Man hat namhafte Stimmen gecastet und auch die Soundkulisse ist erstklassig. Lediglich die Musik ist ab und an etwas unpassend, besonders in Szenen, in denen man auf die Tränendrüse drücken will.
Bevor es zu Spoilern kommt: wem kann ich Monster 1983 denn nun empfehlen? Grundsätzlich allen Fans von Hörspielen, die ein Faible für Fantasy/Horror/Mystery Geschichten haben. Jedoch tut euch selbst einen Gefallen und beendet das Erlebnis nach Staffel zwei.
Es gibt einiges, was mich an der Reihe gestört hat. Der Plot ist bei weitem nicht so clever, wie die Schreiber der Drehbücher glauben. Vieles ist sehr vorhersehbar. Anstatt ein erzwungenes apokalyptisch wirkendes Szenario für Teil drei zu entwerfen, hätten die Macher gut daran getan, den Plot um den Amy-Nachtmahr in Teil eins zu Ende zu bringen, um sich dann in Teil zwei nur mit den menschlichen Monstern zu beschäftigen. Stattdessen wird es bemüht episch. Man springt zwölf Jahre in die Zukunft und Harmony-Bay ist eine Geisterstadt. Grundsätzlich eine nette Idee, jedoch ist die Auflösung, wie es dazu kam, absolut bescheuert. Warum hätte man das Kaff komplett entvölkern sollen? Nach der Säuberung vom Nachtmahr und seinen Drohnen wäre es sinnvoller gewesen, für einige Zeit die Militärpräsenz aufrecht zu halten – nur um sicherzugehen.
Wir haben es hier schließlich nicht mit einer kontaminierten Zone zu tun, in der sich 20th Century Foxs Alien breit gemacht hat und kontinuierlich Nachkommen spammt. Außerdem ist die Regierung ja scharf auf lebende Exemplare.
An der Stelle fällt mir eine andere blödsinnige Nummer ein. Während man an einem Erkennungstest für vom Nachmahr oder seinen Drohnen befallene arbeitet, beschließt man alle, die Husten, sofort umzubringen statt in Sicherheitsverwahrung zu stecken. Da Staffel drei im November spielt und eine Grippewelle umgeht, ist es schwierig Kranke von Befallenen zu unterscheiden. Wenn ich jedoch an der Entwicklung einer Waffe arbeite, nehm doch lieber funktionierende Exemplare anstatt sie kaputt zu machen. Im Grunde war das Ganze nur dazu da das Bedrohungslevel künstlich anzuheben. Von zwei Leuten abgesehen, kriegt man jedoch nicht mit, dass auch nur irgendjemand anderes vom Militär hingerichtet worden würde. Dabei soll die halbe Stadt krank gewesen sein.
Wer kam auf die Idee, dass jemand Jahrzehnte zuvor unter der Stadt Tunnel gegraben und mit Förderbändern ausgestattet hat? Welcher Nutzen sollte das haben? Und warum hat davon keine Sau in der Stadt was mitbekommen?
Wichtige Handlungsmomente werden selten erarbeitet, sondern plotconvenient ausgelöst. Lediglich der Figur des Deputy Landers wird ein wenig glaubhafte Charakterentwicklung zugestanden, während fast alle anderen auf der Stelle stehen bleiben. Was mit Thomas Cody in Staffel drei angestellt wird, ist unwürdigstes Writing. Die Geschehnisse spielen sich innerhalb einer Woche ab, in der er zum Alkoholiker und dann wieder trocken wird. Wer sich den Mist ausgedacht hat, hat keine Ahnung von Suchterkrankungen. Dieser Handlungsstrang ist komplett mit der Brechstange geschrieben worden und entbehrt jeder Logik.
Leider konnten sich die Macher auch nicht für klare Regeln bezüglich des Nachtmahrs entscheiden. Da wird lang und breit erklärt, dass die Eier, die er legt, lediglich Drohnen sind, die von ihm selbst ablenken sollen. Schlauer Taktikfuchs! Doch dann entwickelt sich eins in Agent Hunter zu einem richtigen Nachtmahr, was ihn auf seiner Reise zwölf Jahre später nach Harmony Bay zurückbringt. Dann würde mich noch interessieren, wieso ein Wesen, das ursprünglich vor knapp tausend Jahren aus dem tiefsten Asien nach Europa gekommen soll, ausgerechnet durch ein Kruzifix verletzbar sein soll?! So rein aus mythologischer Sicht, macht diese plotconvenient in Staffel drei auftauchende Waffe, keinen Sinn. Da muss man doch schon beim Entwicklungsprozess des Plotlayouts merken, dass das holpert und stolpert.
Neben all den Dingen, die mir gegen Ende mächtig auf die Nüsse gingen, nur noch zwei zum Abschluss, die gut illustrieren wie dämlich die Schreibe teilweise ist: im Sheriffbüro erfährt man von der Erschießung des hustenden Neffen von Rose. Zu dem Zeitpunkt wissen die Figuren bereits, dass Husten ein Symptom der Befallenen ist, sind aber scheinbar zu blöd eins und eins zusammenzuzählen und nehmen den erkälteten Deputy Mike ständig mit raus, wo man Patrouillen begegnen kann. Als Hörer wartet man quasi nur darauf, dass er sich endlich eine Kugel fängt.
Die zweite Geschichte ist die des dummen Deputy Taylors. Neben der Tatsache, dass sie mit ihren Zu- bzw Abneigungen ständig von einem Extrem ins andere springt, hat sie eine besorgniserregende Begegnung mit ihrer Mutter, die befallen ist. Dass sie sich zunächst nichts dabei denkt, ist aufgrund der Fahne, die sie hat, nicht verwunderlich. Aber spätestens als sie zusammen mit den anderen herausfindet, wie der Modus Operandi der Drohnen aussieht, hätte sie sich zusammenreimen müssen, dass ihre Mutter zumindest verdächtig ist.
Doch das hätte, wie so vieles andere, massig an Laufzeit eingespart, und man wollte Staffel drei ja unbedingt auf volle elf Stunden aufblasen. Im Grunde hätte es mehr Sinn gemacht, Staffel 2 um 3 Stunden zu verlängern, und den Plot dort dann in einem echten, kurzen und knackigen Finale zu Ende zu erzählen.
So bleibt abschließend wie so oft folgende Erkenntnis: verschenktes Potential in einer Profiproduktion, die aufzeigt wie hoch die Qualität von Amateurprojekten schon seit Jahren ist.
