Diverse Gedanken - neudeutsch "Reviews" - zu Filmen, Comics, Büchern, Hörspielen ... was uns gerade so unter die Augen und Ohren kommt.
Samstag, 9. Juli 2011
Slashfest 2000
Was braucht man für einen zünftigen Slasherfilm?
Also, man nehme als Setting irgend etwas düsteres, unheimliches; bspw. einen urbelassenen Wald und eine einsame Blockhütte, die aussieht, als würde seit mindestens tausend Jahren niemand mehr hier wohnen. Als nächstes packt man zwei ungepflegt aussehende Hinterwäldler in die Hütte und stattet sie mit einer Vielzahl an Werkzeugen aus: Sägen, Hämmer, Häcksler und einer Nagelpistole. Dann braucht man noch das zu filetierende Humanmaterial. Studenten geben immer gute Opfer ab. Aber wie soll man die Charaktere gestalten?
Für die menschlichen Serienmörder-Burger nimmt man am besten einige Stereotype:
der Angsthase, der draufgängerischen Anführer, die blonde buntblusige Blödblinse, die Oberschlaue, die Nachdenkliche, der Kiffer und los gehts.
So einfach, so schlecht. Mich locken solche Filme einfach nicht mehr hinter dem Ofen vor. Das Genre ist seit Jahren so festgefahren, dass es keinen Spaß mehr macht diese Streifen zu sehen. Da hilft selbst der vielgelobte Trashfaktor nichts mehr. Oft sind die Figuren unsymphatisch, die Filme inhaltliche Klone und die Schauspieler hätte man besser auch in echt sterben lassen sollen.
"Tucker & Dale vs. Evil" jedoch ist anders.
Zum einen handelt es sich bei diesem Film um keinen Horrorfilm. Zwar kommt auch hier etwas Spannung auf, aber wie es sich für eine Slasherkomödie gehört, steht Situationskomik ganz weit oben auf der Agenda. Und das ist gut so.
In TDvE werden die Rollen der Figuren nämlich ausgetauscht. Die Studenten sterben zwar auch hier en Gros, aber die Hillbillies sind ausnahmsweise mal die Guten.
Tucker (Alan Tudyk; V, Serenity, Firefly) und Dale (Tyler Labine; Reaper) sind gute Freunde, die ein paar Tage in der frisch erworbenen Hütte im Wald verbringen wollen. Angeln, die Bude renovieren, Bier trinken und Entspannen ist angesagt. Beim nächtlichen Angelausflug retten sie einer Studentin das Leben, als sie fast im See ertrunken wäre. Ihre Freunde bekommen es mit der Angst zu tun, als sie Tucker und Dale erblicken, und rennen weg.
Da sie denken, dass die Hinterwäldler ihre Freundin umbringen wollen, macht sich die Gruppe auf, um ihrerseits Jagd auf die Einheimischen zu machen. Dabei stellen sie sich jedoch selten dämlich an.
Es kommt wie es kommen muss. Tucker und Dale denken an nichts Böses und finden sich mir nichts dir nichts inmitten eines Leichenberges wieder und wundern sich, warum die Kids plötzlich Selbstmord begehen. Für die beiden ist sofort klar: sie müssen die grade erst gerettete Allison (Katrina Bowden; 30 Rock) beschützen, bevor die Studenten sie ebenfalls umbringen.
Aber wie soll man das anstellen, wenn man selber die Hosen gestrichen voll hat?
Ich hab schon lange nicht mehr so herzlich 80 Minuten am Stück im Kino gelacht, wie beim Genuß von TDvE. Regisseur Eli Craig liefert mit seinem Kinofilmdebut eine glänzende Parodie auf Slasherfilme ab, die geschickt mit den Genrekonventionen spielt und sie zur passenden Zeit aushebelt.
Der Film lebt hauptsächlich von den beiden Hauptdarstellern. Besonders Alan Tudyks Mienenspiel ist zum schreien komisch.
Wie es sich für eine Horrorkomödie gehört, fließt ordentlich Blut und es geht wenig herzlich zur Sache.
Hämoglobinphobiker lassen also die Finger von TDvE. Davon abgesehen ist der Film auch etwas für Leute, die gerne Komödien sehen, um Horrorfilme aber einen weiten Bogen machen.
Intelligent gemachtes Genrekino at it´s best.



