Montag, 18. Dezember 2017

Star Wars - The Last Yawns


Als 2015 “Das Erwachen der Macht“ in die Kinos kam, war ich angenehm überrascht. Die neuen Charaktere Finn, Rey und Poe Dameron waren mir direkt sympatisch und passten super in das weltraummärchenhafte Filmuniversum. Das Erzähltempo war angenehm hoch, deren Schauwerte wurde nicht zu knapp gezeigt und auch mit Kylo Ren hatte ich deutlich weniger Probleme, als so manch anderer. Ren sollte keine übermächtige Bedrohung darstellen. Er war durchaus fähig, aber man hatte es mit einem Charakter zu tun, der innerlich nicht gefestigt und durch Selbstzweifel geplagt war. Also eiferte er seinem Vorbild Darth Vader nach und scheiterte an den hohen Erwartungshaltungen. Wenn man der Figur vorwarf, dass er nur ein Wannabe-Vader sei und ein unsicherer Bubi, dann stimmte das ja auch. Das war Absicht. Der Film hatte andere Probleme, wie beispielsweise die vollkommen unnötige Starkiller Basis und dieses große Handlungsloch zwischen der Ära des Imperiums und der aktuellen Zeitrechnung. Doch da die positiven Aspekte überwogen, war ich voller Hoffnung auf „Die letzten Jedi“. Hier sollte man endlich mehr erfahren.


Als dann die Pressestimmen zum engelsgleichen Lobgesang anstimmten und einen Film priesen, welcher besser als Empire sei…. ehrlich gesagt, war ich skeptisch. Zu oft war es mir 2017 passiert, dass das Ergebnis im Kino dann ungefähr so aussah wie der Big Mac auf dem Tablett im Vergleich zum Bild auf der Werbetafel. Es war da, sättigte bis zu einem gewissen Grad, aber irgendwie war es ernüchternd. Wonder Woman und Blade Runner 2049 sind solche Beispiele. Auf der anderen Seite war mancher verteufelte Film deutlich besser als sein Ruf. Valerian war keineswegs ein Matrix 3, Jupiter Ascending oder Star Trek Discovery. Kein Meisterwerk, das ist richtig. Doch wenn man ständig nur neue Meisterwerke sucht, wird man nicht mehr froh im Leben werden.

Trotzdem saß ich in freudiger Erwartung im Kino. "Schlimm wird es schon nicht werden und kurzweilig wird es trotz der Lauflänge bestimmt sein. Es is fucking Krieg der Sterne, Mann!"

Ich sollte eines Besseren belehrt werden.

Um Rücksicht auf all die zu nehmen, die ein kurzes, spoilerfreies Fazit wünschen, werde ich das vorn anstellen und erst danach in der Jammerecke die einzelnen Punkte bekritteln.

Fazit

Wir werden mit drei Handlungssträngen konfrontiert, von denen einer sehr gut gelungen ist, einer eine vollkommene Katastrophe darstellt und der dritte so nutzlos wie ein Kropf ist. Der Film ist zu lang, stolpert hin und wieder über dumme Dialoge, macht aber in Bezug auf die Macht und den spirituellen Unterbau einiges vom MidiClorianer verseuchten Boden wett. Der Humor greift häufiger ins Leere als Fips Asmussens Zoten. Immer wieder werden dramatische Momente durch dumme Gags aufgelockert, die die Stimmung versauen. Die Effekte sind meist sehr gut gelungen, jedoch leistet man sich auch hier einige Schnitzer. Der Schnitt läuft gelegentlich konträr zum Geschehen und entschleunigt dieses, wodurch Spannung flöten geht. Zudem stellen sich die Bösen derart inkompetent an, dass sie nur durch die Inkompetenz der Rebellenanführer überhaupt eine Chance auf den Sieg bekommen. Auf der Haben Seite kann man Oscar Isaac (Poe Dameron) verbuchen, der seine Figur sehr sympatisch gestaltet. Selbiges gilt für Daisy Ridley (Rey). Adam Driver (Kylo Ren) liefert neben Mark Hamill (Luke Skywalker) die beste schauspielerische Leistung ab. Schändlicherweise vergisst man Figurenpotential abzurufen. Captain Phasma, Snoke, Admiral Ackbar und Chewie kommen kaum zum Zug. Scheinbar wussten die Drehbuchautoren nicht so recht, was sie mit Finn anstellen sollen. Wenn man ihn komplett aus dem Film streicht, ändert sich nichts an der Handlung. Wer darauf hofft mehr über die Erste Ordnung zu erfahren, wird enttäuscht werden. Die Plotholes stapeln sich im groben Dutzend, während der unspannende Plot einfach nicht aus dem Quark kommen will. Fazit: spart euch das Geld!

Als ich das Kino verließ, war ich lediglich nicht zufrieden mit dem Film, doch je länger ich über die Einzelaspekte nachdenke, umso ärgerlicher bin ich.

Aller Anfang ist doof

In der Eingangssequenz werden die Rebellen von ihrem Stützpunkt vertrieben. Eine Flotte der Ersten Ordnung hat sich im Orbit positioniert, um den Abschaum von der Planetenoberfläche zu fegen. Gerade noch rechtzeitig endet die Evakuierung, bevor alles in die Binsen geht. Doch warum ballert man mit den fetten Kanonen auf den Stützpunkt statt auf die Flotte, die sich aus dem Staub machen will? Hatte General Hux Angst die Immobilie könnte Laufen lernen? Überhaupt hatte es keinen Sinn gemacht eine separate Sternenzerstörerartige Waffenplattform nur für das Bombardement anzuschleppen, wenn die Sternenzerstörer diese Aufgabe genauso gut erledigen können. Nun gut, warum die fliegende Zementkelle mit musste, wird klar, als Dameron Poe mit Affenzahn über die Platte schliddert und alle Lasertürme schreddert. Damit ist die Bahn frei für die Rebellenbomber, die nicht nur versehentlich an B52 Bomber erinnern, inklusive Bombenschächten wohlgemerkt. Dass man es mit Physik in Star Wars noch nie allzu ernst genommen hat, in allen Ehren, aber das ist wirklich dämlich. Torpedos sind viel nützlicher im All. Obendrein sind diese lahmen Krücken nur für Zielübungen gut.

Zum Glück fällt den Jungs auf der Brücke das auch mal ein und schicken endlich die TIE Jäger raus. Oder wie es einer im Film anmerkte: „Das hätten sie schon vor 5 Minuten tun könnnen!“ Schlauer Mann! Gesicht bitte für eine Beförderung vormerken! Es kommt wie es kommen muss: alle Bomber werden geschrottet. Nur ein einziger kann durchbrechen und… an der Stelle entschließt sich Rian Johnson auf die Bremse zu treten. Die Bomben im Schacht klemmen. Also muss eine Kameradin runter klettern und alles gangbar machen. Als sie schon den Knopf auf der Fernbedienung drücken will, stürzt sie nach einem Treffer aufs untere Stockwerk und ist von der Fernbedienung getrennt. Diese liegt noch oben, aber gerade so, dass sie noch herunterfallen könnte. Also tritt sie gegen die Leiter. Nichts passiert. Draußen wird geballert. Sie nimmt allen Mut zusammen und tritt. Nichts passiert. Draußen geht alles den Bach runter. Sie tritt wieder. Nichts passiert. Draußen usw. Sie tritt, nichts passiert….. das zieht sich eine Zeitlang hin bis sich der Regisseur endlich erbarmt und das Ding runterplumpsen lässt. Natürlich fällt es erst an ihr vorbei und sie muss es gerade so auffangen, bevor sie die Bomben abwerfen kann. So viel Zeit, wie sie verschwendet hat, hätte sie locker hochklettern können. Mal abgesehen davon, dass der Bomber schon längst über den Kreuzer hinweg gewesen sein müsste. Kleine Frage am Rande: warum gibt es keine mechanische Vorrichtung am unteren Ende, mit der man das genauso gut erledigen könnte? Warum zum Geier eine Fernbedienung?! Welcher Ingenieur würde so einen Fehler in Produktion geben?

Jedenfalls geht der Kreuzer in die Luft und die Rebellen entkommen. Juhuuu! Allerdings währt die Freude nur kurz. Kaum dass man wieder im Normalraum angekommen ist, taucht die Erste Ordnung wieder auf. Und diesmal ist Anführer Snokes Flaggschiff mit dabei. Die unglaublich überraschende Erkenntnis: „Schreck lass nach! Die können uns im Hyperraum orten! Dann ist es zum Glück egal, dass wir vergessen haben zu tanken.“ Also bitte was?! Richtig gelesen! Man hat noch Energie für einen Sprung, aber solange man verfolgt werden kann, nutzt das nichts. Also fliegt man gemütlich vor dem Gegner weg. Da man minimal schneller ist, gewinnt man Zeit. Was auf einem Ozean mit sich ändern Witterungsbedingungen und großen Weltkriegs-Schlachtkreuzern eine wirklich spannende Situation geworden wäre, ist in diesem Film stinklangweilig. Hier ist nichts. Gar nichts. Nur Leere. Eine lahme Schildkröte, die einer weniger lahmen Schildkröte hinterher schleicht. 

Obendrein ballert der Gegner nur aus weiter Entfernung  mit ballistisch (!) fliegenden Laserschüssen gelangweilt auf die Rebellenschiffe ohne Schaden anrichten zu können. Warum springt nicht ein Sternenzerstörer aus dem Verbund voraus und nimmt die Bande in die Zange? Warum ruft man keine Verstärkung? Warum schickt man nicht die tausenden TIE Jäger raus, um dem Häuflein Rebellen den Garaus zu machen? Hat die Gewerkschaft der Piloten zum Streik ausgerufen? Oder waren es diesmal die Fluglotsen?

Beim letzten Angriff der Ersten Ordnung wird die Brücke getroffen und alle sterben, inklusive Admiral Ackbar und Leia. Oder auch nicht. Einige Minuten später wacht Leia im All auf, verwandelt sich in Supergirl und fliegt zurück ins Schiff und klopft von Innen an die Tür. Da befindet sich nicht mal eine Luftschleuse, aber man kann gefahrlos aufmachen. Warum? Was sollte diese Szene? Man wusste doch, dass Carrie Fisher gestorben war und für weitere Filme nicht mehr zur Verfügung stehen würde. Hätte man sie nicht einfach an dieser Stelle ruhen lassen können? In der Zwischenzeit, bis sich Leia erholt hat, ist Vizeadmiral Holdo (Laura Dern) die Taktgeberin der kleiner werdenden Flotte. Nach und nach laufen die Treibstoffreserven der Schiffe leer und bleiben zurück. Ich erinnere nur mal daran, dass man im All nur einmal Schub geben muss und nicht abbremst, wenn der Sprit alle ist. Andererseits auch nur ein Beispiel zum Thema: Physik und Star Wars. Seufz!

Holdo stellt sich sogleich ziemlich dämlich an. Anstatt den letzten 400 Rebellen reinen Wein einzuschenken und den Plan zu offenbaren, eine alte, verlassene Rebellebasis anzusteuern und sich klammheimlich, mit kleinen Frachtern aus dem Staub zu machen, signalisiert man, dass das Geradeausfliegen alternativlos ist. Das Merkelmantra wiederum regt Dameron Poe zu Recht auf, der zusammen mit anderen Mitstreitern eine Meuterei anzettelt, die zwei Minuten später wieder beendet wird. Verschwendete Screentime.

Finn(stere) Storyabwege

War Finn nicht auch an Bord? Ja, war er. Zusammen mit Poe und Rose, einer Mechnikerin, die von der talentbefreiten Kelly Marie Tran dargestellt wird, hecken sie den Plan aus, das Hyperraumortungsgerät auf Snokes Schiff auszuschalten. Doch um an Bord zu kommen, benötigen sie Codes. Für die Codes benötigen sie einen Hacker und der Hacker ist auf einem anderen Planeten, dessen Name ich wieder vergessen habe. Nennen wir ihn passenderweise: Casino Royal. Rose fliegt mit Finn dort hin. Nicht nur, dass sie es nicht schaffen auch nur ein Wort mit dem Hacker zu wechseln, werden sie wegen Falschparkens eingebuchtet. Doch Glück im Unglück! Benicio del Toro, alias DJ, haust ebenfalls in der Zelle und kann weiterhelfen. Sie brechen aus und befreien zwischendurch noch Pferde, die für den Rennsport gequält werden. Ich verleihe dieser Szene die Prinzessin PETA Mononoke Trophäe für sinnfreie Ökobotschaften. Als hätte man nichts Besseres zu tun, treibt man die Herde einmal quer durch die Stadt, macht die Behörden auf den Ausbruch aufmerksam und reitet in einer semikitschigen Szene durch die Pampa. Man entkommt jedoch bevor ein Quantum Trost gewährt werden kann. Man gelangt tatsächlich auf Snokes Schiff und wird dort von DJ verraten. Obendrein verklickert er der Ersten Ordnung noch, dass die Rebellen in getarnten kleinen Transportern entkommen wollen. Anstelle der Ersten Ordnung hätte ich ohnehin vorsichtshalber wegen solchen Dingen gescannt. Andererseits hab ich ja schon festgestellt, dass die nichts drauf haben. DJ muss auch über dieses geheime Wissen verfügen.

Also nicht nur, dass Finn und Rose nicht nur nichts erreichen, ihr Backup Plan ist auch noch hinüber.  Diese halbe Stunde Zeitverschwendung hätte man für viel wichtigere Dinge nutzen können. Man kann den kompletten Plot rausstreichen ohne die anderen Handlungsstränge nennenswert zu tangieren. Das schlimmste dabei ist aber auch, dass es schlecht geschrieben wurde und inhaltlich wie optisch 1A Prequel Material darstellt. Und ja: das war beleidigend gemeint.

Die Erste Ordnung eröffnet das Feuer auf die fliehenden Transporter und holt einen nach dem anderen vom Himmel. Glücklicherweise vermehren sich diese rasch per Zellteilung, sodass die Ziele nie ausgehen. In den Hangar des Trägerschiffs passen ja mehr Frachter rein als Shuttles in das Föderationsschiff am Anfang von J.J. Abrams Star Trek Film! 

Vizeadmiral Holdo entschied auf dem Mon Calamari Kreuzer zu bleiben und tut ausnahmsweise mal was Vernünftiges: sie dreht das Schiff und macht einen Hyperraumsprung durch Snokes Schiff. Optisch sehr ansprechend in Szene gesetzt und zudem äußerst effektiv. Unerwartet rettet diese Aktion Finns und Roses Hälse. Gerade als sie mit Laseräxtem geköpft werden sollen, geht alles drunter und drüber. Finn kämpft eine mäßig spannende Runde mit Phasma und dann ist sie auch schon wieder fort. Gwendoline Christie ist eine sehr gute Schauspielerin. Sie die ganze Zeit hinter dieser Maske zu verstecken ist echte Verschwendung. Und ja, ich weiß, dass man die Leiche nicht gesehen hat, aber Phasma ist zunächst mal als tot einzustufen. Da sie nur zwei, drei Zeilen Text hatte, gewinnt ihr Charakter kein bisschen mehr an Tiefe und man darf sich fragen, ob man Christie das noch ein drittes Mal antun muss.

Not so epic final battle

Auf einem Planeten angekommen, dessen rote Erde mit weißen Salzkristallen bedeckt ist, können die verbliebenen Rebellen kaum noch den Strom in der eingemotteten Basis anknipsen, als auch schon das Imperium, öhm... die Allerletzte Ordnung eintrifft. Mit der Treffsicherheit von Stevie Wonder beim Tontaubenschießen landen die Truppen JWD - janz weit draußen. Warum muss mir erst mal einer erklären. Sie haben die überlegene Kampfstärke und es existiert keine Luftabwehr. Da hätte man sich quasi vorm Garagentor positionieren können. Der geneigte Zuschauer mag nun vermuten: aha, der Regisseur signalisiert mir, dass die Rebellen um Hilfe rufen und dann noch in letzter Sekunde gerettet werden. Zeit Schinden per Plot Convenience. Billig, aber effektiv und leicht zu verzeihen. Doch schon einige wenige Kameraeinstellungen später kommt die Rückmeldung: "An vier Standorten wurde der Hilferuf empfangen, aber keiner antwortet. Sie werden nicht kommen." 
Immerhin haben Poe und die anderen in der Zwischenzeit einige alte Speeder gefunden und gangbar gemacht. Mit ihnen will man den Mikrotodessternlaser ausschalten, damit die Panzertür so lange hält, bis Hilfe kommt. Also fährt die Gruppe darauf zu und als ihnen Blasterfeuer entgegen fliegt, dreht man bei, bevor alle bei der Aktion drauf gehen. Hallo? Ihr habt doch selber festgestellt, dass euch der Laser verpenisieren wird. Das macht jetzt gar keinen Sinn. Finn hat endlich seinen Moment im Film und hält als einziger weiter auf den Laser zu. Schade um die Figur, aber ein würdiges Opfer. Ein echter Heldenmoment. Herz lass nach! 

Doch gerade als er Sonnenschutzfaktor 2000 aufzutragen gedenkt, macht Rose eine Kehre und rammt ihn aus der Feuerlinie. Wohlgemerkt hat dabei keiner der Gegner auf Rose geschossen. Wahrscheinlich konnte keiner auf der anderen Seite glauben, was er da gerade mitansehen musste. Beide schrotten ihre Speeder.  Finn fragt Rose zurecht, was sie sich bei der Nummer gedacht hat und sie hat lediglich eine Liebeserklärung parat. Ich frage wieder: wie dumm ist das denn? Einen retten, um alle zu opfern? Dass keine Hilfe von Außen kommen würde, konnte Rose ja nicht wissen. Dann hatte ich eine Sekunde lang Hoffnung, dass Rose bei dem Unfall gestorben war. Aber auch diese Erwartung wurde zerschlagen. Habe ich schon erwähnt wie ätzend ich diese nullkommerachtdimensionale Figur finde? Palmin hat mehr Charakter! Die ganze Episode um diese beiden Charaktere fühlt sich wie schmierigste Fanfiction an. 

Wenn ich mir die letzten Minuten des Films nochmal in Erinnerung rufe, tippe ich darauf, dass wir uns in "Episode 9 - Biss zur zweiten Starkiller Basis" auf ein Liebesdreieck mit Rose, Finn und Rey freuen müssen. Falls ja: Fickt euch!

Der Mikrotodessternlaser hat dann doch noch gefeuert. Hat die Erste Ordnung wirklich nicht warten können, bis die Rebellen nicht noch einen Plan Z ausklamüstern konnten? Anstatt den Berg zu zerfetzen und den Abspann auf die Leinwand zu zerren, schmolz der Laser jedoch nur ein handliches Loch ins Tor. Öhm... ok, das war jetzt wirklich ... WIRKLICH bedrohlich, meine Herrschaften.

Ein wenig Licht neben viel Schatten

Vielleicht fiel dem einen oder anderen auf, dass ich zu Reys Story noch gar nichts gesagt habe. Das kommt daher, dass ich ausnahmsweise nicht im Meckermodus aufhören will. Zwar gibt es hier auch ein paar Ungereimtheiten, wie dass sie im Grunde keine einzige Minute auf der Insel trainiert hat, aber es hielt sich im Rahmen. Sie ist halt Autodidakt. Punkt und aus. Damit kann ich leben. Und der eigentlich wichtige, spirituelle Teil ihrer Reise ist sehr schön erzählt. Auch dass sich herausstellt, wie viel Scheiße Luke mit Ben Solo gebaut hat, finde ich gut. Obwohl es sich in den kurzen Rückblenden anbietet, erzählt Rian Johnson nichts über die Erste Ordnung und wie Snoke es geschafft hat Ben umzudrehen. Das hätte ich viel interessanter gefunden als den Ausflug nach Casino Royal. Plausibel ist auch, dass sich aufgrund der Gedankenverbindung im letzten Film ein Band zwischen Kylo Ren und Rey entwickelt hat, das sie über weite Entferungen miteinander kommunizieren lässt. Snokes Einwurf er hätte das eingefädelt halte ich hingegen für Aufschneiderei. Der Kampf gegen die Elitewachen war schön inszeniert und dessen Ästhetik erinnerte mich sehr an Kill Bill vol 1. Auch Snokes Tod fand ich clever. Den Zeitpunkt jedoch nicht. Bedeutet das, dass wir am Ende nur durch Romane und Comics erfahren werden, wie der ganze Mist einmal angefangen hat? Wehe! 

Nach dem Kampf im Thronsaal sah es eine Sekunde lang so aus, dass Kylo Ren, wennschon er nicht die Seiten wechselt, sich dennoch von der Ersten Ordnung abwendet um eventuell sein eigenes Ding zu machen. Sowohl er als auch Rey haben einen Punkt in ihrem Leben erreicht, der sich geradezu anbietet statt Jedi oder Sith graue Jedi aus ihnen zu machen. So wie die Anhänger Revans - und damit befinden wir uns ganz tief im Nerdterritorium und tauchen nicht tiefer ein, bevor das hier noch ausartet. Indes wäre es interessant gewesen diese Option mal in einem Film umgesetzt zu sehen. Stattdessen schaltet Kylo Ren in den Full-Magneto-Modus und will die Galaxis beherrschen Blablabla. 

Lukes Abgang war schön gefilmt. Sein letzter Blick auf zwei Sonnen wie einst in "Eine neue Hoffnung" auf Tattooine setzte für die Figur eine passende Klammer.  Fein war auch der Einsatz der alten Yoda Puppe. 

Alternativen gefällig?

Neben all dem Meckern hier ein Vorschlag, wie man es meiner Meinung nach besser hätte gestalten können. Zunächst einmal wird die komplette Storyline um Finn, Rose und Casino Royal gestrichen. Die Idee, dass die Rebellen irgendwie geortet werden können und an Ressourcenverknappung leiden, finde ich dem Grunde nach nicht schlecht. So wie es umgesetzt wurde ist es aber unspannend, langwierig und unglaubwürdig. 

Stattdessen springt die Flotte immer wieder in den Hyperraum, in der Hoffnung die Erste Ordnung abschütteln zu können. Dabei hätte man verschiedenes Terrain nutzen können, um Fallen zu stellen oder Hürden aufzubauen. Bspw Asteroidenfelder, Gravitationssenken wie Schwarze Löcher, Nebel und dergleichen. Ein Katz und Maus Spiel, bei dem die Figuren clever agieren müssen. Finn, Poe und von mir aus auch Rose hätten hier genauso gut punkten können. Warum nicht eine Kapsel nach dem Sprung zurück lassen, die sich an einen Sternenzerstörer heftet? Dann hätte dort eine Infiltrationsmission durchgeführt werden können. Vielleicht mit dem Ziel Vizeadmiral Holdos Manöver einfach aus der Mitte des Flottenverbands zu starten. Die Schlacht auf dem Planeten hätte es nicht mal gebraucht. Die Truppen der Rebellen hätten auch anderweitig dezimiert werden können. Das hätte viel Screentime für Kylo Rens Hintergundgeschichte freigeschaufelt. Als Finale hätte ich die Konfrontation mit Snoke bevorzugt. Und dann hätte das beschriebene Hyperraumsprungmanöver die Story beendet. Und natürlich die Sache mit den Grauen Jedi. Die hätte ich in jedem Fall bevorzugt.

Rian Johnson muss noch eine Menge lernen, was Timing angeht. Auch das Drehbuchschreiben ist nicht seins. Lediglich eine von drei Geschichten des Films hat funktioniert. Ich bin so unglaublich froh, dass Jar Jar Abrams im nächsten Film wieder das Szepter in die Hand nimmt. 

Denn merke: Lieber Lens flare statt Plot doof!

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