Samstag, 10. Juni 2017

Git Gudder of the Future


Zur Souls-Reihe pflege ich ein zwiespältiges Verhältnis. Auf der einen Seite finde ich das ArtDesign ansprechend, auf der anderen Seite jedoch sind diese Spiele für mich der pure Stress. Darum konnte ich mich am Ende weder für Dark Souls 1, 3 oder Bloodborne begeistern. Dabei kann ich den Appeal der Spiele durchaus nachvollziehen. Es ist schon ein erhebendes Gefühl, wenn man aus einem Kampf gegen einen knackigen Boss als Sieger hervor geht. Die Spiele sprachen mich einfach nicht ausreichend an, um mich bei der Stange zu halten.

Da ist die Frage natürlich gerechtfertigt, warum das bei The Surge von Entwickler Deck13 anders ist. Das hat mehrere Gründe: der Einstieg ist etwas sanfter als bei From Softwares Werken, es wird eine Story erzählt, der man auch folgen kann, ohne sich in Wikis einlesen zu müssen, und das Science Fiction Setting liegt mir einfach mehr. Der Rest orientiert sich stark an der Soulsformel:


Der Spieler kloppt sich mit allerhand Gegnern, muss dabei auf seine Ausdauerleiste achten, sammelt Ressourcen und levelt beständig seine Spielfigur auf, während man tausend Tode stirbt. Immer dann, wenn man mal wieder das Zeitliche gesegnet hat, verliert der Spieler alles angehäufte Altmetall, was man den Gegnern abgenommen hat. Nun heißt es binnen 2,5 Minuten zum Ort des letzten Ablebens zurückkehren und den Kram wieder aufraffen. Blöderweise sind nach dem Wiederbeleben in der MediBay alle Gegner wieder putzmunter und warten darauf euch ein weiteres Mal um die Ecke zu bringen. Stirbt man bevor man die verlorenen Ressourcen aufgesammelt hat, sind sie unwiederbringlich verloren. Das führt dazu, dass man sich immer wieder fragt: wage ich mich noch in diesen dunklen Gang und finde eventuell eine günstige Abkürzung zur MediBay und sterbe beim Versuch dort anzukommen oder kehre ich lieber um und verstaue das Altmetall vorsichtshalber im Lager?

Apropos Abkürzung: das Leveldesign ist wirklich gelungen. Die Architektur wirkt meist glaubhaft und ist derart verschachtelt, dass es sich stets lohnt in Nischen zu schauen, Kisten zu zerstören und neue Gänge freizulegen. Schließlich führen alle Wege zur MediBay, die Dreh und Angelpunkt unserer Reise ist. Nur hier wird gespeichert. Nur hier wird die Figur aufgelevelt. Nur hier kann man neue Rüstungsteile bauen und nur hier kann man seinen Vorrat an Verbrauchsgegenständen wie z.B. MedPacks auffrischen und bestimmte Implantate einsetzen.

Der Spieler muss sich zu Beginn des Spiels für eins von zwei verschiedenen Exo-Skeletten entscheiden, welche stark an den Verladeroboter aus dem Film Aliens erinnern. Es gibt eine agile und eine besser gepanzerte Variante. Die diversen Körperteile können ausgetauscht werden und bieten dem Spieler unterschiedlichste Boni. Es existiert eine Vielzahl an Rüstungen und Waffen, sodass für jeden Spielstil etwas dabei ist. Immer wieder findet man Implantate, welche im Exoskelett angebracht, verschiedene Vorteile bieten. Auffrischung von Lebensenergie, schnellerer Aufbau von Adrenalin oder ein Boost auf die Waffenkenntnis sind nur einige davon. 

Die MediBay
Die Anzahl der benutzbaren Implantate ist unterschiedlich. Zum einen stellt die Qualität das Exoskeletts den wichtigsten limitierenden Faktor dar. Man muss erst fortgeschrittenere Skelette finden, um mehr Steckplätze zur Verfügung zu haben. Dann wäre da noch der Flaschenhals in Form des Spielerlevels und somit auch die davon abhängig zur Verfügung stehende Kernenergie. Jedes Implantat braucht Energie. Die stärkeren brauchen entsprechend mehr als weniger hilfreiche Geräte. Wer vier Slots belegen kann, aber bereits mit drei Implantaten die aktuelle Kernenergie überschreitet, muss den vierten Slot leer lassen. 

Um an neue Baupläne und Ressourcen für Rüstungsteile zu kommen, muss man den Gegnern gezielt Körperteile abnehmen. Dazu visiert man einen Feind an und kann dann bequem mit Maus oder Analogstick auswählen, ob man primär Rumpf, Kopf oder eine der Gliedmaßen angreifen will. Gelingen genügend Treffer, kann man in einem Finishing Move das Körperteil abtrennen, was optisch und akustisch ansprechend in Szene gesetzt wird. 


Insgesamt finde ich die Animationen gelungen. Die Movesets der Feinde sind sehr unterschiedlich und greifen flüssig ineinander über. Das ist in einem Soulslike Spiel auch zwingend notwendig, damit der Kampf funktioniert. Es kommt nämlich stets darauf an, anhand der Bewegungen vorauszuahnen, wann man Blocken und Kontern kann oder wann man besser zur Seite springt. Dabei verbrauchen alle Aktionen Adrenalin, bzw Ausdauer. Wer im Dauerblockmodus vor seinem Gegner steht, wird sehr schnell alt aussehen, weil man plötzlich keine Puste mehr hat, um auszuweichen. 

Alles in allem gibt es einige Minibosse und fünf Bosskämpfe. Das könnte Dark Souls Enthusiasten zu wenig sein. Für mich stellt dies kein Negativpunkt dar, da ich mich bis zum Finale nach fast 54 Spielstunden durchgehend gefordert und unterhalten gefühlt habe.


Auch wenn ihr mit Soulslike Spielen bislang nicht warm geworden seid: gebt The Surge eine Chance, wenn euch das Setting gefällt.

Gespielt mit PS4 Controller auf PC. The Surge ist auch für XBOX ONE und PS4 erhältlich.

Zerlegt wirkt der erste Boss deutlich kleiner...

Immer wieder trifft man auf Bildschirme mit selbst ablaufenden Videobotschaften

Der Firebug heizt gut ein.


Im Rahmen einer Nebenquest kann man u.a. diese Rüstung finden.

IronMaus is in da house!

Man verzichtet trotz SF konsequent auf Schusswaffen.


The Surge geizt nicht mit Blut.

.... sag ich doch!


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen