Donnerstag, 6. April 2017

Once upon a time... the end!


Da war's! Ende Gelände! Finito! Schluss! Aus! Gehen Sie weiter! Es gibt hier nichts mehr zu sehen.

Damit es auch der Letzte kapiert: Spoiler!


Ich muss zugeben, dass ich einen Moment brauchte, um zu realisieren, was sich gerade ereignet hatte. Ein paar Seiten zurück geblättert, nochmal vor, dann das Nachwort von Mike Mignola gelesen und verdutzt aufgeschaut. Tatsächlich: ich hatte gerade das Ende von Hellboy gesehen.

Es ist nun mal so, dass eine Figur wie die des dämonischen Ermittlers des Paranormalen, die man als Leser so viele Jahre begleitet hat, dabei miterlebte, wie sie von einer Misere in die nächste schlitterte, sich aber nie unterkriegen ließ und dem Schicksal stets den Stinkefinger zeigte, eine Figur, die so viele Monster besiegt hat... nun, irgendwann kommt man zu dem Schluss, dass die Figur unsterblich geworden sein muss. 

Das ist selbstverständlich Blödsinn. Schließlich ist Hellboy bereits am Ende des zwölften Bandes gestorben. Nimue hatte dem roten Riesen das Herz herausgeschnitten und ihn zur Hölle fahren lassen. Doch Hellboy wäre nicht Hellboy, wenn er sich von so einer Lappalie unterkriegen lassen würde. Fortan suchte er eben seinen Weg durch die Lande der Hölle. Wehe dem, der ihm dabei in die Quere kommen sollte! Satan hat es jedenfalls bitter bereut.

Aber auch im Jenseits hat er nun das Ende des Weges erreicht.
Dabei hatte ich tief in mir drin ganz fest gehofft, dass HB es wie viele andere Figuren aus den verschiedensten Mythologien schaffen würde, dem Tod zu entkommen. Schließlich haben Benu, Phönix, Mithras, Jesus und die anderen Schergen es vorgemacht. Kann doch nicht so schwer sein! Immerhin greift in der Spin-Off Serie B.U.A.P. gerade die Apokalypse mit aller Gewalt um sich und es hätte so schön gepasst, wenn HB nach all den Jahren mit großem Getöse wieder auftauchen und seinen Freunden den Tag retten würde.

Doch bin ich deswegen über das Ende enttäuscht? Nicht wirklich, denn es passt genau so, wie Mike es geschrieben hat. Hellboy ist wieder dort angekommen, wo seine Reise in den Wirren des Zweiten Weltkriegs ursprünglich mal begann. Er hat die Hölle buchstäblich in Schutt und Asche gelegt. Der Welt droht von diesem Ort keine Gefahr mehr. Was sollte denn jetzt noch kommen?! 

In fünf Geschichten in ebenso vielen Kapiteln beschreibt Mignola die letzten Schritte des Antihelden, der dabei selbstverständlich wieder auf allerlei skurrile Figuren trifft (darunter auch einige alte Bekannte). Die Reihe war im direkten Vergleich zu B.U.A.P. in ihrer Erzählung schon immer deutlich mehr der physischen Welt entrückt. Tief verwurzelt in Legenden, ohne große Worte des Protagonisten, müssen in aller Regel Dritte als Geschichtenerzähler den Stories ein Gerüst verpassen. Oft stehen die Bilder in Mikes reduziertem Zeichenstil auch für sich alleine. Ein Umstand, der sich nach Hellboys Abschied von der Behörde nochmal verstärkte. Die Erzählung aus dem Off wurde als stilgebendes Element also noch wichtiger als sie es ohnehin schon war. 

Man könnte sagen, dass B.U.A.P. die knallharte Actionreihe mit direkten und in aller Regel linear geschriebenen Geschichten im Mignolaverse ist, während Hellboy als Kontrapunkt schon beinahe Comic gewordene Poesie darstellt; Düstere, manchmal gruselige und dann wieder erheiternde Poesie. Wer hat behauptet, dass Poesie immer schwülstig und naiv daher kommen muss?! Hellboy verlangt dem Leser jedenfalls deutlich mehr Aufmerksamkeit ab. 

Mit dem letzten Kapitel übertrifft sich Mignola, denn wir erleben das Ende von Hellboy nicht in einer gloriosen Schlacht oder mit einer heldenhaften Geste der Aufopferung. Das Ende wird nicht einmal aus seiner Sicht geschildert. Er spricht nicht einmal mehr ein einziges Wort. Ein schwer verletzter Dämon erzählt, wie Hellboy die letzten Widersacher um Beelzebub, den letzten aufkeimenden Widerstand der Höllenfürsten, beseitigt und sich dann auf eine finale Wanderung begibt. An Ruinen verlassener Städte vorbei, entlang eines einsamen Strandes, kommt er schließlich zu einem englischen Landhaus. Darinnen findet er einen Raum mit drei leuchtenden, schwebenden geometrischen Formen.

Diese Formen waren nie Teil des Hellboy Mythos und ich musste selber ein wenig suchen. Die Szene bezieht sich auf eine Geschichte namens "Der Magier und die Schlange", die Mike mit seiner sieben Jahre alten Tochter geschrieben hatte. Die Formen tauchen in dem Moment auf, in dem der Magier, in dem Wissen geliebt worden zu sein, endlich sein Ende akzeptieren kann und verstirbt.

Mit dieser Information im Hinterkopf und mit den letzen Worten aus dem Off, die eine Erinnerung an den Anfang von Hellboys Geschichte sind, wird klar, dass Anung un Rama endlich seinen verdienten Frieden gefunden hat. Zeitgleich geben die Formen aus der Vater-Sohn-Koproduktion dem Ende einen sehr familiären Anstrich; quasi eine Art liebevoller Abschiedsgruß.

Werden weiterhin Comics mit Hellboy erscheinen? Natürlich! Doch werden ihre Geschichten vor Band fünfzehn angesiedelt sein, wahrscheinlicher sogar noch vor den Ereignissen von Sieger Wurm, also vor Hellboys abstrakter Wanderschaft. Ob Mike Mignola auf Dauer seiner Schöpfung den Rücken kehren wird, muss sich noch zeigen, aber ich glaube, ihm ist es ernst damit. Er ist vorerst fertig mit Hellboy.

Und ein schöneres, tröstlicheres Ende hätte er ihm nicht schreiben können.


Erschienen im Cross-Cult Verlag




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