Donnerstag, 26. Januar 2017

Warrior

Als MMA und Filmfan ist es manchmal schwer zu ertragen, dass es so wenig gute Überlappungen zwischen den beiden Welten gibt. Für jeden gelungenen Gastauftritt wie George St. Pierre in Captain America 2 gibt es dutzende furchtbare Gastrollen und Direct-to-Video-Filme die man sich nicht angucken will.

Marvels erster Breakdance-Film

An dieser Stelle will ich deshalb den bislang besten MMA-Film vorstellen, den schlicht "Warrior" betitelten Film von Gavin O'Connor. Der Film erzählt die Geschichte zweier Brüder, die aus sehr unterschiedlichen Gründen am gleichen MMA-Turnier teilnehmen um das Preisgeld zu gewinnen.
Tom Hardy spielt den frisch aus dem Krieg zurück gekehrten Tommy, der teils ziellos, teils frustriert und wütend mit MMA anfängt und sich von seinem entfremdeten Alkoholikervater trainieren lässt. 

Travis Bickle 2.0
Der obere Satz macht bereits klar, warum der Film eher in einer Reihe mit Rocky steht als mit Bloodsport. Die Charaktere sind vielschichtig und die Schauspieler haben tatsächlich einiges zu tun, vor allem Nick Nolte als schuldgeplagter Vater hätte durchaus einen Oskar für die beste Nebenrolle verdient. Der zweite Hauptcharakter ist der andere Bruder Brendan, der als ehemaliger MMA-Kämpfer durch die Finanzkrise in Geldnot gerät und versucht durch ein Comeback seine Familie zu ernähren. Joel Edgerton spielt den Familienvater als Kämpfer mit Herz und Verstand, was einen schönen Kontrast zu Tom Hardys intensiver Machodarstellung ergibt.

Ein sehr entspannter Zeitgenosse
Neben den guten und vor allem glaubwürdigen Figuren sind es auch die Details, die zeigen, dass der Film MMA nicht nur als Backdrop für eine eh schon existierende Handlung verwendet. So haben die beiden Brüder bereits als in der Schule eine athletische Karriere als Ringer gehabt, ein durchaus typischer und realistischer Hintergrund vieler amerikanischer MMA-Kämpfer. Hier wird kein untrainierter Niemand in 6 Monaten zur unschlagbaren Kampfmaschine und gewinnt am Ende das große Turnier wie in Karate Kid, vielmehr ist ein beständiges Training über Jahre die Grundvoraussetzung um überhaupt eine realistische Chance zu haben. Die Arbeiterstadt Pittsburg samt seiner kaputten Infrastruktur trägt ebenfalls einiges dazu bei, dem Film einen authentischen Charme zu geben.

Ein Charakterdrama

Trotz Realismus und guter Charaktere kommt auch die Action nicht zu kurz. Die Szenen innerhalb des Rings sind spektakulär choreographiert und gut gefilmt, abgesehen von einigen etwas hektischen Schnitten kann man eigentlich nichts kritisieren. Insbesondere die Kämpfe des Veterans Brendan sind interessant, deuten sie doch zumindest ein bisschen die taktische Tiefe des MMA an. Während Tommy in klassischer Bulldozermanier seine Gegner mit purer Athletik und Aggression überwältigt muss der ältere Bruder sich immer wieder taktisch anpassen und seine Erfahrung nutzen, um gegen körperlich stärkere Gegner zu bestehen. Hier kann man schön beobachten, wie viel besser Kampfszenen werden, wenn innerhalb des Kampfes ebenfalls eine kleine Geschichte erzählt wird.

Für Fans guter Sport- und Martial Arts-Filme ist dieser Film absolut empfehlenswert und einer der wenigen Lichtblicke im dunklen Tal der MMA-inspirierten Filme der letzten Jahre.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen