Mittwoch, 15. August 2012

Im Weltraum hört dich niemand lachen


Manche Dinge muss man einfach glauben. Warum? Weil sie bei näherer Betrachtung keinen Sinn machen. Das trifft auf die neoliberale Weltanschauung genauso zu wie auf die meisten Geschichten in religiösen Werken. Also wenn Sie noch an die unbefleckte Empfängnis glauben, gebe ich ihnen den guten Rat IMMER einen Vaterschaftstest zu verlangen.
Und da wir gerade bei Narreteien sind: auf so manche Filmhandlung trifft das ebenso zu.

Im Alien-Prequel "Prometheus" (heute mal ohne dämlichen deutschen Untertitel), entdecken Forscher (Noomi Rapace und Logan Marshall-Green) in den verschiedensten Winkeln der Erde Hinweise, die darauf hindeuten, dass unsere Vorfahren von einem bestimmten Sternensystem fasziniert waren. Die gemalten/gekratzen/geformten/geklöppelten Sternhaufen deuteten die Forscher als das Sternensystem Zeta Reticuli, das dann auch sofort mit Unterstützung der Weyland-Yutani-Corporation angesteuert wird. Dort landet man auf dem Mond LV-223 und findet das Grauen.


Eigentlich hatte ich mich richtig drauf gefreut mal wieder einen Science-Fiction-Schocker von Ridley Scott (Alien, Blade Runner) zu sehen. Im Kino stellte sich der Schock dann zwar ein, aber leider von der unangenehmen Sorte. Ich habe noch nie erlebt, dass ein Regisseur mit einem Ruf wie Ridley Scott einen seiner eigenen Klassiker derart mutwillig mit Blödigkeiten demontiert. Mal abgesehen von Edeloptik und Sound passt hier gar nichts zusammen.

Da wäre schon im Auftakt der Handlung die berechtigte Frage nach "Wie kommt ihr auf die Idee, dass auf dem Mond die Erschaffer der Erde sind?", die sinnfrei von der Forscherin Shaw damit beatwortet wird, dass sie dafür keine empirischen Hinweise hat, sondern es einfach mal glaubt. So wie man halt auch glauben kann, dass der Himmel braun-rosa gepunktet ist. Wenn man ein paar Drogen nimmt, stimmt das sogar.
Natürlich sollte man auch Religion in solchen Filmen thematisieren, aber SO plump wie hier geschehen? Abgesehen davon ist es für die Reputation einer Wissenschaftlerin abträglich auf Fakten zu scheißen und sich auf den Glauben zu verlassen.

Während man noch solche Naivität verdaut und hofft, dass es der einzige verbale Ausrutscher bleibt, hätte man besser schnell Bubu  gemacht oder das Kino verlassen. Die gesamte Forschertruppe stellt sich derartig amateurhaft und dumm an, dass die alle hätten in der ersten Filmstunde sterben müssen. Inmitten einer fremdartigen Umwelt den Helm abzunehmen, nur weil die Luft atembar ist, vermittelt mir den Eindruck, dass der Regisseur denkt, der Zuschauer wäre gehirnamputiert.
Allein die Gefahr sich unbekannten Viren oder Bakterien auszusetzen verbietet ein solches Verhalten. Das ist kleines ein mal eins der Raumfahrt, Herr Scott!

Dann darf man sich noch wundern, warum ein so großes Raumschiff, wie die Prometheus, unbewaffnet ist. Nicht ein mal Laser zum Zerstören von Mikroasteroiden an Bord? Aber Flammenwerfer wurden mit eingepackt! Die wussten ja nicht ein mal, ob es auf dem Mond Sauerstoff zur Inbetriebnahme gehen würde... aber OK, vielleicht fürs monatliche Schiffs-BBQ.

Dass sich ausgerechnet der Kartograph im Höhlensystem verirrt haben soll, war auch so verkrampft konstruiert - da ist doch ab der ersten Sekunde klar, dass der sterben wird. Und wer dann noch so unbedarft mit unbekannten Spezies spielt hat es sowieso nicht besser verdient.
Dann merkt einer der Forscher, dass er offensichtlich krank ist und statt sich untersuchen und behandeln zu lassen, geht er mit auf Expedition.

Ohne zu viel der nicht vorhandenen Spannung zu nehmen: im Verlauf der Handlung operiert sich Shaw einen außerirdischen Fötus aus dem Bauch. Interessant, dass die Medi-Kapsel NUR auf Männer eingestellt ist und nicht auf Frauen umzuswitchen ist. War das Software Update zu teuer? Wieder ein Beispiel, wie der Film krampfhaft Hürden für die Figuren aufzubaut, die weder die Handlung, noch die Figurenentwicklung vorantreiben. Dass Shaw aber nach der selbst bei vollem Bewußtsein (!!!) vorgenommenen abdominalen Fremdkörperentfernung noch stundenlang durch die Weltgeschichte flitzt ist eine echte Beleidigung meiner Intelligenz.
Ja, ok, die etwa 20 cm lange Bauchdeckeninzision wurde vom Roboter fein zugetackert, aber danach Sport machen? HALLO!?

Hinzu kommt noch: hab ich erwähnt, dass der Roboter nur Männer im Programm hatte? Somit hätte er die Gebärmutter, die Vagina, die Eileiter und Eierstöcke auch noch als Fremdkörper einstufen müssen. Also RAUS damit! Ekliger wäre die Szene eh nur noch in Nuancen gekommen.

Schade auch, dass so gut wie keine der Fragen geklärt werden. Beispielsweise: was sollte denn der Facehuggerlulatsch am Ende, der mich frappierend an die cathuluartigen Hellboy-Tentakelmonster erinnert hat? Oder auch: warum wollten die "Konstrukteure" die Menschheit wieder auslöschen bzw. wie kommt denn nun die Alien Spezies auf den Planeten LV-426, um von dort aus die Besatzung der Nostromo zu piesacken? Man hat sich am Ende des Films derart viel Mühe gegeben das außerirdische Raumschiff so zu inszenieren, als wäre es das aus "Alien", dass ich erst noch mal recherchieren musste, um sicher zu sein, dass es ein anderes ist. Wozu dieser Krampf?

Gut möglich, dass die beiden vorletzten Fragen in der Fortsetzung geklärt werden, die wohl leider kommen wird. Am Ende machte nur das Raumschiff Prometheus seinem Namen alle Ehre und brachte das Feuer. Der Rest ist langweiliger, spannungsarmer, mit pseudoreligiösen Kitsch versehener Quark, der kaum erinnerungswürdige oder auch nur annähernd nachvollziehbar handelnde Charaktere bietet und besser dem Vergessen anheim fällt.

Drei Tage altes Bullenejakulat hat mehr Handlung zu bieten. - Enttäuschung des Jahres!

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Kleines Update mit weiteren Doofheiten, die mir gerade noch mal in den Sinn kamen: ein Raumschiff in Form eines "C", das aus großer Höhe auf die Seite kracht, müsste auseinander brechen, da dies eine sehr instabile Konstruktion ist. Aber selbst wenn man sagt, "OK, besondere Baumaterialien, das funkioniert hier halt mal.", muss man sich folgende Frage durch den Kopf gehen lassen:
Wenn es auf die Seite kracht und noch wie ein Käserad rollt, dann läuft man WIE weg? Richtig! Zu den Seiten, weil der Weg viel kürzer ist. Hier rennen die Dösbaddel den langen Weg und wundern sich, warum das Schiff sie doch noch kriegt. Epic Fail!


Kommentare:

  1. Es wäre alles halb so tragisch gewesen, wenn der Film nicht auf Realismus pochen und die gesamte Alien Serie schon Trash gewesen wäre. :(

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  2. Eben. Ganz schön gruseliger Griff ins Klo.

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  3. Ok, dann geh ich den wohl doch nicht im Kino schauen!!!!

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  4. Den hätte ich im Kino schon allein wegen 3D nicht gesehen. So aber muss ich zweifeln, ob sich eine Anschaffung auf BD dann nach Release dergleichen lohnt...

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  5. Hab den ja in 2D gesehen. Das Bild war auch der Hammer. War verglichen mit anderen 3D Filmen, die in 2D gezeigt wurden vom Bild her auch richtig gut. Vermute also, dass der auch nicht in 3D gedreht wurde.

    Das ist einer dieser Filme, bei denen ich mich nicht schäme zu sagen: zieht Euch eine Kopie aus dem Netz.
    Je länger man über die Story nachdenkt und versucht sich die Lücken zu erklären, umso mehr und größere Lücken tun sich auf. Es ist wirklich grausam, was Scott aus DEM Stoff gemacht hat.
    Uwe Boll hätte es lediglich um die handwerkliche Komponente verschlimmmern können. Aber dann hätte es wiederum wieder lustig werden können. *sigh*

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  6. Wie sehr ich Euch immer um die Wahl zwischen 2d/3D beneide:-) Aber da der Film offensichtlich Murks ist, kanns mir egal sein, dass er hier nur in 3D läuft.

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