Donnerstag, 26. Juli 2012

Im Mittelmaß verschollen


Das BluRay Cover ist so hässlich, dass ich mich nicht traue es hier abzubilden. Ieeeehhhhhh! ^^

Labskaus ist ein Fischgericht.
Der Koch kennt den Inhalt -Der Verbraucher nicht. 
Wahre Schönheit kommt von Innen –
Kann man jederzeit mit beginnen.

Irgendwie musste ich ab der zweiten Hälfte beim Genuss des Disney Actioners „John Carter“ immer wieder an diese Zeilen aus Rainald Grebe´s Song „Dörte“ denken. Denn die aktuelle Verfilmung des Romanzyklus von Edgar Rice Burroughs ist weder Fisch noch Fleisch geworden.

John Carter (Taylor Kitsch; Battleshit, X-Men Origins: Wolverine) ist ein amerikanischer Bürgerkriegsveteran, der 1868 in einer Höhle in Arizona ein Gerät entdeckt, das ihn in ein Koma versetzt und eine exakte Kopie seiner Selbst auf den Mars teleportiert. Dort angekommen, findet Carter eine erdenähnliche Welt vor, die durch Jahrhunderte lange Kriege in eine gigantische Wüste verwandelt wurde. Die verschieden farbigen Völker des Mars - oder Barsoom, wie sie den Planeten nennen – sind mittlerweile kaum mehr als verrohte Barbaren, die sich gegenseitig abschlachten wollen.

Carter, der auf dem Mars – angeblich aufgrund seiner geringeren Knochendichte (!) – hunderte Meter weit springen kann, wird von den grünen Tharks als Hoffnung für ihr Volk willkommen geheißen. Um es kurz zu machen: man zeigt in eine Richtung und erwartet, dass Carter Hälse schneiden geht. Natürlich möchte der Held das so einfach nicht haben und sammelt abwechselnd in unterschiedlichen Packungsgrößen die Schädel der roten Zodanga, der weißen Therns und der grünen Tharks ein, trifft auf eine fahnenflüchtige Prinzessin und das Schicksal des Zuschauers nimmt ab hier seinen Lauf.

Wer sich jetzt an Science-Fiction der ganz alten Schule erinnert fühlt, hat nicht unrecht, denn die Geschichten aus der Feder des Tarzan Schöpfers erschienen ab 1912. Das an sich ist kein wirklicher Punkt zur Kritik, schließlich bietet das Szenario eine Menge Spielraum für kurzweilige Unterhaltung.

Sie kam im Schneidersitz zur Welt –
Ohne Ausdauer und Schnellkraft.
Ich glaub da sitzt sie immer noch –
Im Blinddarm der Gesellschaft.

Nun müssen aber Regisseur Andrew Stanton (Findet Nemo, WALL E), die Coautoren Mark Andrews und Michael Chabon zusammen mit den Verantwortlichen bei Disney alle beim Kekswichsen im gleichen Moment richtig gezielt haben, sodass sich keiner bei der generellen Richtung der Geschichte durchsetzen konnte. Hier und da flackert mal etwas Humor auf oder es wird gewollt albern, dann sind ganze Passagen bierernst, obwohl das Szenario kurz zuvor eher an Comics erinnert hat. Dann wiederum wird Geschlachtet was das Zeug hält, und zwischendurch wird es sogar schnulzig.

Seufz.… Leute! Nur weil man verschiedene Zutaten in einen Topf wirft, kann man nicht erwarten, dass das Ganze automatisch zu einem funktionierenden Genremix emulgiert. Ganz besonders dann, wenn man auf einen Stoff zurück greift, der aus heutiger Sicht unglaublich archaisch, antiquiert und naiv konstruiert wirkt.

Dörte hat jetzt zugegeben –
Sie onaniert auf Andreas Baader.
Das ist der Rubbelmann –
Fürs Mittelmaßgeschwader.

Zu aller erst sollte man sich um eine passende Besetzung kümmern. Sympathische Darsteller wirken da schon ein mal Wunder. Taylor Kitsch und Lynn Collins (Number 23, True Blood) versprühen allerdings weniger Charme als eine Guido Knopp Dokumentation – und der gibt sich ja immer ganz viel Mühe. Dann sollte man die Figuren in eine Konstellation bringen, dass eine gewisse Gruppendynamik entsteht aus der man Handlung und auch Figurenentwicklung zumindest auf einem emotionalen Niveau voran bringt.

Dummerweise scheitern die beiden Hauptfiguren an dem selben Problem wie „Cowboys und Aliens“: es gibt einfach keine Entwicklung und die Darsteller schaffen es nicht die Gefühle der Figuren glaubhaft rüber zu bringen. Das sind keine Schauspieler, sondern Platzhalter, die man besser mit CGI Figuren ersetzt hätte.

Es hätte auch geholfen dem Protagonisten coole Sidekicks zur Seite zu stellen, die vom holprigen Schauspiel abgelenkt hätten. Mit einer guten Portion Buddy Charme hätte ich über so manch andere Schwäche durchaus hinwegsehen können, denn wenn der Spaß stimmt, hat man mich schon fast auf seiner Seite. Außerdem stören dann die Plotholes nicht ganz so arg.
 
Um mal ein Beispiel zu nennen: Wenn Carter nämlich angeblich aufgrund seiner geringen Knochendichte so weit springen kann - geschenkt. Warum aber kann er das dann auch mit der Einheimischen im Arm? Und warum kann er auf einmal Felsen schleudern als wäre er Kevin Sorbo?
 
Liebst du mich?
Das war die Frage, die sie fragte –
Und ich sagte:
Dörte, du bist der Ausweg aus der Spaßgesellschaft!

Oh, und wenn man schon diesen alten Stoff nutzt, dann sollte man ihn entweder soweit adaptieren, dass er in die heutige Zeit passt oder so überzogen darstellen, dass man das Endprodukt als gut produzierten Trash oder Sci-Fi-Fantasy akzeptieren kann. Hat doch bei Flash Gordon und Star Wars auch geklappt.

Aber konsequente Durchführung ist in Filmen mit Taylor Kitsch scheinbar immer so ein Problem. Wurde ja bereits mit Battleshit eindrucksvoll bewiesen. Allerdings fährt „John Carter” diesem Machwerk immer noch locker davon. Denn die Anlagen für einen schneidigen Abenteuerfilm sind ja da.

Ach, wenn wenigstens die Effekte noch das Ruder rumgerissen hätten. Im Grunde sehen die nämlich sehr schick aus. Doch sobald es in hektische Actionsequenzen geht, sieht man fast immer wie die menschlichen Darsteller ins Bild eingefügt wurden. Sorry, aber das geht heutzutage gar nicht mehr – ganz besonders, wenn man seinen Film selber zu ernst nimmt.

Nun, WEM kann ich denn „John Carter“ empfehlen? Freunden gehobener Trash Unterhaltung wird er zu lahm sein. Actionfans bekommen an jeder Ecke aufregenderes geboten. Wer auf Abenteuerfilme steht wird hiernach wehmütig zu seiner Indiana Jones DVD-Box schielen. Wer gehobene Unterhaltung erwartet wird sich spätestens beim Abspann freihändig baumelnd einen Meter über dem Fernsehsessel wieder finden. 

Mit einer – NEIN! – zwei Kisten Bier und ein paar lästerwilligen Freunden lässt sich allerdings darüber reden, ob man doch noch eine zweite Runde mit „John Carter“ wagt. Aber nicht bevor die erste Kiste leer ist!

Schalla-lalla-lalla--banga –
Meine Cesna steht im Hangar.
Ich wünsch mir Ziele und Gestörte –
Ohne…

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