Freitag, 20. April 2012

the United States of Nonsense


Was macht man, wenn Michael Bay grad keinen Film raus bringt, weil seine paarhufigen Explosionen ausgebüxt sind und er die Herde wieder eintreibt? Dann muss halt Peter Berg (Hancock) aushelfen und einen sinnfreien Actionfilm auf den Markt werfen.
Im Grunde mag ich ja sinnlose Filme, aber "Battleship" ist dabei derart gurkig geraten, dass schlecht nicht wieder gut wird, sondern schlicht schlecht bleibt.

Dabei verspricht die Story schon jede Menge mental versackter Einfälle aus der Gerümpelkiste der Storyklischees: Alex Hopper (Taylor Kitsch; John Carter, X-Men Origins: Wolverine) ist eigentlich ein ganz Guter, der aber eine Menge Unfug im Kopf und sein Temperament nicht im Griff hat. Nach einem unglücklichen Zusammenstoß mit der Polizei verfrachtet ihn sein Bruder zu sich in die Marine, wo er Disziplin lernen soll. Ich sag an der Stelle nur: MAHONEY!
Szenen wie diese gehören zu den Stärken des Films. Es kommt dabei kurzweil und gute Laune auf.

Auf einer Flottenübung einige Zeit später tauchen dann Außerirdische auf, die eine Invasion auf der Erde starten. Mit fünf Schiffen soll unser Planet erobert werden. Fünf. - FÜNF!
Und die fahren (!) natürlich auf dem Wasser rum und liefern sich der Vorlage (Flottemanöver) gemäß mit den Menschenschiffen eine Hatz.
Passenderweise ist die Jagd aufeinander meist sehr lahm inszeniert worden. Und damit sind wir auch schon beim Knackpunkt des Ganzen. Anstatt sich auf eine spannende Schiffejagd zu konzentrieren, um die es im Gesellschaftsspiel schließlich auch geht, reiht Regisseur Berg eine Blödigkeit nach der nächsten aneinander. Wer eine Art "Jagd auf Roter Oktober" erhofft, wird maximal mit einem Quietscheentchen in der Badewanne entlohnt. Langweiliger geht es kaum; und blöder auch nicht.


Einige Ungereimtheiten, die mir im Kino so auffielen:

Warum ballern die Außerirdischen nicht einfach die drei Schiffe der Menschen ins Nirvana und warten immer auf einen Zug des Gegners. Gehört das zu den Spielregeln? Generell warten die dämlichen Mistviecher geradezu darauf umgebracht zu werden. Scheint ja nicht besonders weit entwickelt zu sein, das Volk. Man nimmt auch gerne den beschwerlicheren Weg durchs Wasser statt durch die Luft. Warum?

Wieso sieht das Signal, das die Menschen zu Beginn ins All schicken so aus, als habe man einen Laser abgefeuert? Haben wir versehentlich einem Alien das Auge blind geschossen oder warum greifen die überhaupt an? Aber mal abgesehen davon ist ein Laser am Ende auch nur Licht und daher auch nicht schneller als selbiges. Bis das dämliche Signal von der Erde auf deren Heimatplaneten ankommt, dauert das auch zig Jahre. Physik 6, setzen!

Den Aliens fällt zwischendurch ein, dass fünf Schiffe vielleicht doch zu wenig sein könnten. Da haben die fortschrittlichste Technik, aber können nicht mit ihrer Heimat kommunizieren. Etwas, das WIR scheinbar besser drauf haben. Davon mal abgesehen: haben die nicht den Satelliten, den sie zur Kontaktaufnahme nutzen wollen, beim Anflug auf die Erde zerschrottet? Na, ok, sah vielleicht zufällig genau so aus. Allerdings ging es uns allen im Kino so: "Warum ist der Satellit wieder da?"

Wieso erkennen die Aliens Tiere aller Art, sind aber blind, wenn sie einen Menschen im Dunklen sehen? Genauso rätselhaft, wie die handvoll Matrosen ein altes Schlachtschiff, wieder kampfbereit machen will. Viel zu wenig Personal für das Vorhaben. Machen in der Marine die anderen tausend Matrosen Kaffeekränzchen, während zwanzig Leute malochen müssen? Ganz schön unfair!
Super finde ich, dass man genug Munition an Bord des zum Museum umfunktionierten Schiffes gelassen hat. Da hat endlich mal einer mitgedacht.
Zum Ankerwurf-Wendemanöver des alten Schlachtpotts sag ich an dieser Stelle mal nicht mehr...

Das sind nur ein paar der Dinge, die einen beim Anschauen stutzen lassen. Das Ganze wär auch halb so schlimm, wenn "Battleship" sich nicht in weiten Teilen so schrecklich ernst nehmen würde. Hätte man hier konsequent auf eine eher albern überzogen gehaltene Konfrontation Wert gelegt, könnte man richtig Spaß haben. Aber nein! Regisseur Berg glaubt er könnte Triple-A Unterhaltung abliefern. Fail!

Was bleibt ist ein Hauptdarsteller, der zwar seine Rolle beherrscht, alleine aber nicht den Film stemmen kann. Die Effekte sind meist gut, das Artdesign allerdings ist sehr uninspiriert. Irgendwo zwischen Transformers, Halo und Dead Space versucht sich "Battleship" zu positionieren und sieht in allen Belangen schlechter als die Originale aus. Der Soundtrack gehört dank der vielen Rocksongs zum Besten, was der Film zu bieten hat.

Wer knapp zwei Stunden zu viel Leben übrig hat, kann sich "Battleship" antun. Alle anderen machen was sinnvolleres; z.B. eine Rauhfasertapete anstarren oder einen Blogeintrag über schlechte Filme schreiben.

Kommentare:

  1. o, im großen und ganzen d'accord. War nicht sooo enttäuscht da ich nicht mit hohen Erwartungen da reingegangen bin. Die special effects hätten zeitweise bisschen mehr Feinschliff vertragen, und wenn die Darsteller ewig lang in der Gegen rumgestiert haben anstatt zu handeln hätt ich mir am liebsten die Hoden einzeln gepflückt. Das fängt schon beim ersten Kampf an. Nach dem die Aliens dem ersten Schiff nen Treffer verpassen was machen die Amis? ... Nix. Kein genereller Feuerbefehl, kein "volle Kraft zurück", keine Kontaktaufnahme mit Pearl Harbor/der Navy/dem Weihnachtsmann... nix. Für nen Film der sich selbst zu ernst nimmt - auch als simple Invasionsstory - zu viele Plotlöcher.

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  2. Ich warte ja noch auf die Verfilmung des Spiels "4 gewinnt!" ... *sigh*

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