Dienstag, 6. Dezember 2011

Big Trouble in Litte China


Was macht ein Verbrecherboss, wenn er ganz oben in der Nahrungskette angekommen ist? Sich auf der faulen Haut ausruhen und die Früchte seiner Arbeit genießen?  Wer das tut, ist schnell wieder weg vom Fenster, denn im Teich wachsen raschneue große Fische heran, wenn man nicht aufpasst. Der Goon weiß das nur zu gut, doch als er in trübsinniger Stimmung, melancholischen Gedanken an die Vergangenheit nachhängt, lässt er seine Deckung fallen.

Ein neuer, unbekannter Gegenspieler macht sich die Gelegenheit zunutze und beginnt das Imperium des Goon Stück für Stück zu demontieren. Doch so sehr er sich bemüht sich um die aktuellen Probleme zu kümmern, kehren seine Gedanken immer wieder zurück nach Chinatown und zu seiner ersten Liebe...
Wenn ein so herrlich beknackter Comic wie "The Goon" schon mit den Worten "Das ist nicht lustig!" beginnt, dann ist das eine Ansage, die man besser ernst nehmen sollte. Und Eric Powell ist es damit verdammt ernst! Nicht ein einziger wirklicher Gag taucht im siebten Band "Chinatown" auf. Klar, es gibt schräge Gestalten, allerdings müssen die krudesten unter ihnen wie beispielsweise Professor Aloy, die spanisch sprechende Echse, der Zombie Priester oder Saufkumpan Spider dieses Mal draußen bleiben.

Doch das tut dem Lesespaß keinen Abbruch. Im Grunde tauchen nicht einmal allzu neue Elemente im aktuellen Band auf. Schon in früheren Geschichten gab es anrührende, melodramatische Momente. Powell wirft nun lediglich die Comedy Anteile über Bord und konzentriert sich auf das Drama. Auch wenn ich mich wieder über allerlei Geschmackloses über "Dinge in Körperöffnungen stopfen", "Anale Sakramente" oder den "alltäglichen Wahnsinn in einer von Zombies verseuchten Wohngegend" gefreut hatte, so bin ich froh, dass Powell sich so entschieden hat. Das macht die Lektion, dass Liebe keine Freundschaft ist, glaubwürdiger.

Zeichnerisch wurden die Wechsel zwischen dem Jetzt und der Vergangenheit des Goon clever gelöst. Sobald wir in den Erinnerungen des Helden wühlen, weicht die Farbpalette Sepiatönen alter Schwarzweiß Fotografien.

"Chinatown" gibt dem Goon und dessen Freundschaft zu Franky eine Tiefe, die sich in Geschichten anderer Coleur so nicht hätten erschließen lassen. Toller siebter Band in einer hervorragenden Reihe.

Und jetzt bitte wieder ein paar Witze aus der Analen Phase, ja!?


Und hier gehts zur Leseprobe.

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