Dienstag, 1. November 2011

Unheimliche Begegnung der x-ten Art - oder so ähnlich


Es gibt ein Genre, das mit Beginn der 90er Jahre scheinbar ausgestorben zu sein schien: Abenteuerfilme. Ab und an kriecht noch ein fossiles Überbleibsel über die Leinwand (z.B. Die Vermächtnis Filme, Sahara, Tomb Raider), aber meist ist das Ergebnis wenig befriedigend. Die Indiana Jones Filme, The Goonies, Explorers, die Feuerwalze, die Quatermain Filme usw; in den 80ern blühte das Genre richtiggehend auf. Mit die Besten kamen von Steven Spielberg. Da scheint es nur richtig, dass er J.J. Abrams (Fringe, Lost, Star Trek, Cloverfield) aktuellen Streifen "Super 8" produziert hat.

"Super 8" spielt nämlich zum einen 1979 und ist weitgehend ein Abenteuerfilm der alten Schule. Zum anderen achtete Abrams darauf, dass Farben, Körnigkeit des Films und die Kameraführung im Stil der Filme dieser Zeit gehalten wurden. Wären da nicht einige sehr bombastische Spezialeffekte, man könnte sogar in Versuchung geraten dem Streifen ein entsprechendes Alter zuzugestehen.

Inhaltlich könnte man "Super 8" als eine Mischung aus "Goonies" und "E.T." bezeichnen. Allerdings ein E.T. der extremst angepissten Sorte.

Als Joe Lamb (Joel Courtney) und seine Freunde im letzten Sommer der 70er einen Zombiefilm am drehen sind, werden sie Zeuge eines Zugunglücks. Kurz darauf taucht das Militär auf und stellt alles auf den Kopf. Die Freunde fliehen vom Tatort. In den folgenden Tagen geschehen seltsame Diebstähle. Hunde verschwinden und plötzlich gehen die Soldaten auch in der Stadt auf Suche nach etwas, das scheinbar aus einem der Waggons entkommen sein muss...

Zwar erzählt Abrams keine besonders neuartige und überaschende Geschichte, in sich ist sie jedoch sehr gut erzählt. Durch das gelungene Artdesign wurde das Flair, das ich an solchen Filmen liebe, sehr gut eingefangen.
Auch wenn der Trailer etwas anderes suggeriert, so handelt es sich bei "Super 8" nicht um einen tumben Action-Reißer. Man nimmt sich viel Zeit die Figuren vorzustellen und ihnen entsprechend Raum zur Entfaltung zu geben. Die Gruppe Jugendlicher wächst einem im Laufe der Zeit sogar richtig ans Herz.

Dass das sogar bei mir gelungen ist, mag an meinem Faible für das Genre liegen oder schlicht daran, dass die Kids sehr gut gecastet wurden. Alle überzeugen in ihren Rollen ohne over the top zu spielen. Man nimmt ihnen das Gezeigte ab. Von Joel Courtney und Elle Fanning werden wir in Zukunft bestimmt noch mehr zu hören und sehen bekommen - und das sage ich, obwohl ich von schauspielernden Kindern idR Panzgrimassen bekomme. 

Wenn ich an dieser Stelle den direkten Vergleich zum neuen "Tom Sawyer" aus deutschen Landen ziehe, dessen Trailer ich neulich im Kino sehen musste, fällt mal wieder das fehlende Talent unserer eigenen Schauspieler auf.
Die Synchronarbeit an "Super 8" hingegen ist wunderbar gelungen - so weit reichen unsere Fähigkeiten im Filmbereich dann zum Glück doch noch.

Zwar kann der Film die eine oder andere Länge nicht leugnen, insgesamt fallen diese jedoch nicht ins Gewicht, da der Rest einfach stimmt. Die gezeigte Action wurde gut in Szene gesetzt, der Plot wird nicht überstrapaziert, Kitsch wird vermieden, man hat es mit symphatischen Figuren zu tun und auch wenn man die Geschichte aus Kinderaugen erzählt bekommt, handelt es sich bei "Super 8" definitiv nicht um einen Kinderfilm. Dafür sorgen teilweise die Schockeffekte und das hin und wieder großzügig verspritzte Blut.

Wer mal wieder mit nostalgischen Gefühlen einen Abenteuerfilm der (fast) alten Schule sehen will, sollte einen Blick riskieren. Wer einen Horrorfilm oder einen Actionreißer mit Außerirdische-überfallen-die-Erde Plot sehen will, sollte die Finger von "Super 8" lassen.

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