Montag, 7. November 2011

Einmal Gehirnfick á la Chef, bitte!

Es gibt viele Filmemacher, mit denen verbinde ich bestimmte Erwartungen. Michael Bay beispielsweise. Wenn von dem mal kein Platitüden verseuchtes Bang-Bang-Bumm-Pfrrrzt-Krach Filmchen mit unterdurchschnittlichen Schauspielern und fetten Effekten käme, wär ich echt überrascht. Oder Ridley Scott. Da erwarte ich stets handwerklich hochwertige Filmkost, die allerdings auf Storyebene nicht immer überzeugen muss. Technisch jedoch wurde ich von ihm noch nie enttäuscht.
Oder Edgar Wright. Der Mann ist gebucht auf ideenreiche, pointierte und intelligente Komödien. Dementsprechend geht man an neue Werke der bekannten Regisseure heran.


Dieses Mal geht es um den letzten Film von Gaspar Noe. Wer einmal "Irrevesibel" oder "Der Menschenfeind" gesehen hat, erkennt, dass der Mann gerne schockiert, anekelt und vielschichtige, verdrehte Geschichten zu erzählen weiss. Durchaus schwer verdauliche Kost ist dann zu erwarten, die man sich nicht unbedingt mehrfach anschaut, aber auf gruselige Weise fasziniert.

Bei "Enter the Void" wurde ich allerdings in einiger Hinsicht enttäuscht.

Kurz und bündig zur Story: Oscar und seine Schwester Linda verbindet seit einem tragischen Autounfall, bei dem ihre Eltern starben, eine besonders innige Beziehung. Jahre später lebt Oscar in Tokio und holt sie zu sich in die Fremde. Der junge Mann dealt und ist selber Drogenabhängig. Bei einer Razzia wird er erschossen. Doch als sich sein Geist vom Körper trennt schafft er es nicht ins Reich der Toten und somit von seiner Schwerster zu scheiden und bleibt in einer Welt des Zwielichts gefangen.

Was sich nun als durchaus interessanter Grundplot gibt und eine Menge vielversprechender Ansätze für unterschiedlichste Entwicklungen und Themen bietet, bleibt weitestgehend ungenutzt. Weder wird großartig mehr an Informationen dem Zuschauer vermittelt, als ich an Inhaltsangabe geliefert habe, noch bemüht sich Noe einer halbwegs spannenden Darbietung der spärlichen Kost. Zum einen ist die Geschichte zu straight erzählt und zum anderen auf eine viel zu lange Laufzeit gestreckt worden.

In knapp 160 Minuten folgt man Oscars stetem Pendeln zwischen seiner Schwester, seinen wenigen Freunden und Feinden. Da man sich nicht die Mühe gibt hierbei spannende Storytwists einzubauen, bleibt man als Zuschauer relativ emotionslos. Ehrlich, ich frage mich, warum "Enter the Void" als Skandalfilm gilt?! In "Irrevesibel" bspw. bleibt sicherlich niemand unberührt, wenn er mehrere Minuten ohne Kameraberwegung zusehen muss, wie eine Frau in einer Straßenunterführung vergewaltigt wird.
Hier bleiben ähnliche Anknüpfpunkte aus bzw werden nicht gebührend ausgespielt. "Enter the Void" ist zu vorhersehbar. Das, was gezeigt wird, hätte man auch locker in gleicher emotionaler Tiefe in hundert Minuten abhandeln können.

Allerdings will ich nicht anmaßen zu behaupten, der Film wäre ein totaler Reinfall. Hier schwingt mehr meine Enttäuschung darüber mit, dass ich von einem Regisseur wie Noe inhaltlich andere Kaliber erwarte. Ich bin mir nicht mal sicher, ob Noe mit diesem Film überhaupt eine großartige Message verbreiten wollte oder ob er nur mal im Trüben der Esoterik zu fischen versucht hat.

Auf der Habenseite kann der Film aber auch einige Dinge für sich verbuchen. Die Kameraführung ist exzellent. So gut wie nie steht sie still. Man sieht das Geschen stets aus Oscars Augen und es gibt so gut wie keine sichtbaren Schnitte im Film. Das ist für sich alleine betrachtet schon beachtlich. Zudem wurde das ganze technisch wunderbar umgsetzt. Die Drogenträume, das Schwelgen in der Zwischenwelt, das Wandern zwischen den Szenen und Dimensionen, alles wird von eindrucksvollen Effekten begleitet. Allein der Trip, den Oscar zu Beginn erlebt hätte ich auf die gesamte Laufzeit gestreckt sehen können ohne mich zu langweilen.

Letztenendes traut sich Gaspar Noe zu wenig in "Enter the Void", eckt zu wenig an, weiss nicht gebührend zu provozieren und bleibt ungewohnt blass. Für Filmfans ist dieses Werk dennoch zu empfehlen. Allein aufgrund der Technik lohnt es sich ihn einmal gesehen zu haben. Stellenweise schafft es die Bilderflut sogar einen in die Handlung einzusaugen. Schade, dass dies dem Regisseur nicht auf der gesamten Länge gelungen ist.

Wer sich übrigens nicht sicher ist, ob er Epilepsie hat, wird das spätestens nach den Opening-Credits wissen... ^^

1 Kommentar:

  1. Würd ich komplett so unterschreiben. Kamera bzw. Technik sind ganz groß, inhaltlich aber leider uninteressant. Und die Opening Credits sind einfach großartig!!

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