Dienstag, 11. Oktober 2011

Das Largo Embargo - äh, halt! Das war wo anders...


Da ich dieses Jahr schon so oft über all die Comics geschrieben habe, die als Film umgesetzt werden, will ich mich dieses mal kurz fassen. Mit "Largo Winch - Die Burma Verschwörung" erscheint die zweite Verfilmung der Bestsellercomics von Jean van Hamme und Philippe Francq. Auf dem Regiestuhl nahm wieder Jérôme Salle Platz und setzt diesmal in nahezu allen Disziplinen einen drauf.

Wir erinnern uns: Largo Winch (Tomer Sisley; Virgil) wurde als Kind von Mr. Winch als sein Sohn angenommen und als dessen Erbe erzogen. In letzter Konsequenz sollte Largo, wenn die Zeit reif war, die multimilliarden schwere Winch-Group übernehmen und das Unternehmen leiten. Am Ende des ersten Films war Largo mit seiner Familienvergangenheit im Reinen und nahm das Ruder in die Hand.

Zwischenzeitlich hat er sich dazu entschlossen die Firma in eine humanitäre Stiftung umzuwandeln. Doch kaum bringt er seinen Plan auf Kurs, überschlagen sich die Ereignisse. Aufgrund einer Zeugenaussage will ihn die Anwältin Diane Francken (Sharon Stone; Basic Instinct, Casino) wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit anklagen und feindliche Unternehmer versuchen die Situation zu nutzen, um sich die Winch-Group unter den Nagel zu reißen. Largo muss sich also erneut seiner Vergangenheit stellen und reist nach Burma, um heraus zu finden, warum man ihm das Leben schwer macht - und vor allem: wer!

Regisseur Salle lässt auch im zweiten Teil der Reihe nichts anbrennen. Zwar wirkt die Geschichte immer noch ein wenig holprig erzählt, doch technisch gibt er sich keine Blöße. Wiederum weiß Salle mit tollen Bildern der Locations zu begeistern und die Action ist ein gutes Stück rasanter geworden. Man merkt dem Film an, dass man etwas mehr Budget zur Verfügung hatte. Die Hauptfigur entwickelt sich etwas weiter und obwohl der Plot manchmal arg konstruiert wirkt, traut man sich wenigstens hin und wieder etwas andere Wege zu beschreiten, als man zunächst vermuten würde. Zudem kommt ausreichend Spannung auf, wenn Largo von seinen Feinden in die Mangel genommen wird.

Wer den ersten Film nicht gesehen haben sollte, kann durchaus auch mit "Die Burma Verschwörung" loslegen. Allerdings erleichtert der Genuß des Erstlings den Einstieg etwas.
Wer Largo Winch noch gar nicht kennt, kann ihn sich als Bruce Wayne vorstellen, wie er geworden wäre, wenn er sich dazu entschieden hätte niemals das Kostüm des Batman anzuziehen. Largo hat im Gegensatz zu James Bond keine Lizenz zum Töten und bringt aus Prinzip möglichst niemanden um - es sei denn es geht wirklich nicht mehr anders. In den Nahkämpfen erinnert der Film immer wieder an die Bourne Filme, während der Score durchaus auch in einem Bond zum Einsatz kommen könnte.

Wer also die Rechnung "Wirtschaftskriminalität = lahmer Streifen" macht, liegt falsch. Zwar sind beide Winch Filme keine Meilensteine des Thriller-Action-Agenten-Genres, doch sind sie sehr gut gemacht, unterhaltsam und bieten genügend Eigenständigkeit, um aus der Masse hervor zu stechen.

Und so oder so: wieder einmal beweisen uns die Franzosen, dass sie eines besser können, als wir Deutschen: Filme drehen.

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