Montag, 19. September 2011

Von alltäglichen Monstern


"Stellenanzeige:
Demnächst wird in unserem Unternehmen eine Stelle in leitender Position frei.
Sind Sie teamfähig, freundlich, durchsetzungsfähig und in der Lage eine Vorbildfunktion einzunehmen? Haben Sie bereits Erfahrung in der Führung und Koordination eines Teams? Dann bewerben Sie sich.
Denn die schreckliche Pissnelke, die uns bislang das Leben schwer gemacht hat, wird jetzt kalt gemacht! Während Sie diese Zeilen lesen, wird ein Plan zur Terminierung dieses oberarroganten, selbstgefälligen Chauvinistenschweins durchgeführt, das morgens in die Kanne mit dem frisch aufgebrühten Kaffee spuckt. Wir werden Sorge dafür tragen, dass bis zum Assessment Center die Blutflecken wieder entfernt werden.
Bitte nur ernst gemeinte Zuschriften mit den üblichen Bewerbungsunterlagen."

So, im Grunde ist damit schon das Wichtigste zu "Horrible Bosses" gesagt worden, der in Deutschland passend mit dem deutschen (?!) Titel "Kill the Boss" in den Kinos läuft. Wer oder was sich da wieder nichts gedacht hat, kann uns heute mal egal sein, denn die beste Nachricht vorneweg: der Film macht Laune!
Die Freunde Nick (Jason Bateman; Paul, Hancock), Dale (Charlie Day; Third Watch) und Kurt (Jason Sudeikis; Der Kautions Cop, 30 Rock) heulen sich abends nach der Arbeit immer in der Kneipe beieinander über ihre schrecklichen Chefs aus. Nick wird von seinem selbstgerechten Boss (Kevin Spacey; Die üblichen Verdächtigen, American Beauty) um eine Beförderung gebracht, während Dale unter seiner nymphomanischen Chefin leidet (Jennifer Aniston; Der Kautions Cop, Entgleist) und Kurt miterleben muss, wie die Firma vom neuen Boss (Colin Farrell; Miami Vice, Gesetz der Ehre) in den Ruin getrieben wird.
Sie beschließen, dass das Maß voll ist! Die drei Ekelpakete müssen weg! Doch da die Jungs überhaupt keine Ahnung haben, wie man das anstellen soll, kommt es, wie es kommen muss: zu unsäglichem Chaos.

Ich muss gestehen, dass ich im Kino angenehm überascht war. Ich hatte zunächst garnichts vom Film erwartet. Mehr oder weniger, dass das Beste schon im Trailer zu sehen war und sich dann, wie so oft der bissige Humor auch schon erschöpft hat. Zum Glück wurde ich eines besseren belehrt. Zum einen, kann Regisseur Seth Gordon mit einer Reihe unkonventioneller Ideen aufwarten und lässt "Kill the Boss" nicht zu einem blutleeren Kindergeburtstag verkommen, an dessen Ende sich alle wieder ganz dolle lieb haben.

Zum anderen gefällt mir die Besetzung ausgesprochen gut. Die Hauptdarsteller verpassen den trotteligen Figuren eine ganz eigene Note - besonders Charlie Day hat sich hier hervor gehoben. Den sollte man im Auge behalten.
Aber auch die Nebenfiguren wurden nicht vernachlässigt. Das war das erste Mal, dass ich Kevin Spacey so glaubhaft böse sehen durfte. Mal ehrlich: selbst als Lex Luthor im vergurkten "Superman Returns" war er noch symphatisch. Und Colin Farrell als abgeranzter, koksender Nuttenbumser ist ebenfalls ziemlich over the top geraten. Sogar Jennifer Aniston gefällt hier, da auch sie aus ihrem sonstigen Rollenklischee ausbricht.
Ach, da hätte ich fast Jamie Foxx als Dean "Muthafucka" Jones vergessen. Mit eine der lustigsten Figuren im Film.

Technisch lässt Gordon nichts anbrennen. Die wenigen actionbetonten Szenen sind für eine Schwarze Komödie gut gelungen. Einzig der etwas zu behäbige Start in die Geschichte gefiel mir nicht ganz so gut. Dafür steigert sich "Kill the Bosses" nach etwa 25 Minuten fast kontinuierlich bis zum Ende hin.

Fazit: Kein Meilenstein des Genres, aber für amerikanische Verhältnisse ungewohnt bissige Komödie ohne Romantikfirlefanz. Böser kann man es derzeit nur in England.


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