Sonntag, 14. August 2011

Kleinste radikale Einheit an HQ: Bin auf Posten!



Bazil (Dany Boon; Willkommen bei den Sch´tis, Nichts zu verzollen) hat ein Problem. Der Videotheken-Angestellte bekommt vor der Tür seines Ladens eine Kugel in den Kopf geschossen. Allerdings muss man dabei ja nicht sterben. Also lässt Bazil das auch sein und kommt putzmunter, allerdings mit dem Projektil im Schädel aus dem Krankenhaus. Jetzt muss er feststellen, dass er nun ohne Job und Obdach auf der Straße steht und zusehen kann, wie er über die Runden kommt.
Nach einigen Monaten des Platte machens lernt er einen Teil der Pariser Unterwelt kennen, von dem er nicht gedacht hätte, dass er existiert. Der alte Canaille nimmt ihn in seine Familie von Außenseitern auf, in der jeder eine besondere Fähigkeit hat. Mit ihnen beschließt Bazil, der Waffenfirma, die die Kugel in seinem Kopf produziert hat, eins auszuwischen und bricht einen Streit vom Zaun, der tödlich enden könnte...

Wenn man einen neuen Film von Jean-Pierre Jeunet (Delicatessen, Stadt der verlorenen Kinder, Alien: die Wiedergeburt) sieht, geht man mit gewissen Erwartungen an das Werk heran. Um es kurz zu machen: "MicMacs" erfüllt sie alle. Um der Wahrheit die Ehre zu geben fühlte sich der Film für mich wie ein Best-Of seines Schaffens an. Die Ausstattung und die Grüngelb-Filter, die dem Bild einen angenehm antiquierten Touch verleihen, könnten glatt aus "Delicatessen" entnommen worden sein.
Die liebenswert kauzigen Figuren und die surrealen Trick- und Traumsequenzen haben mich immer wieder an "Die fabelhafte Welt der Amélie" erinnert, während der düstere Unterton durchaus auch Reminiszenzen an "Mathilde" oder "Stadt der verlorenen Kinder" weckt.

"Alien: Die Wiedergeburt" als Franchise Film mal ausgenommen, ist all diesen Filmen zudem gemein, dass die Hauptfiguren bis zu einem Gewissen Grad alle Träumer sind, die das Leben nicht einfach hinnehmen und sich ihrem Schicksal ergeben, sondern die es aktiv gestalten, damit ihre Träume Wirklichkeit werden. Auch kommunizieren die Figuren weniger durch Worte, denn durch Gestik und Mimik. Zwar gibt es auch den einen oder anderen witzigen Dialog, aber Situationskomik wird wieder ganz groß geschrieben.

Und wenn man Jeunet als Regisseur hat, kann einer nicht weit weg sein: Dominique Pinon.
Selbstredend ist er wieder mit von der Partie und darf endlich wieder eine größere Rolle spielen. Auch der restliche Cast macht seine Arbeit sehr gut, die Synchro geht voll in Ordnung, selbst die Action kommt nicht zu kurz und ist mit viel Witz inszeniert. Für einen Film ab 12 war ich über den doch recht hohen Body-Count überrascht. Da wird schon der ein odere andere Kopfschuss ausgeteilt ohne dass die Kamera verschämt wegschauen würde.

"MicMacs" ist französisches Kino at it´s best. Liebenswert, düster, schrullig, verspielt, dreckig, ideenreich, detailverliebt, humorvoll und Figuren der Marke "over the top" en Gros. Mein Fazit daher - und das kommt extrem selten vor: einfach schön!

Next one, please!


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