Dienstag, 30. August 2011

Im Auftrag Ihrer Majestät - öh - oder auch nicht!



Es gibt ein paar gute Agentenparodien. "Spione wie wir" mit Dan Akroyd und Chevy Chase bspw. oder auch "Get Smart" mit Steve Carell sind zwei würdige Vertreter dieses Genres. Doch eine astreine James Bond Verwurstung fehlte da doch noch. Gut, böse Zungen könnten behaupten, dass die Roger Moore Bonds und die meisten Pierce Brosnan Bondfilme durchaus auch als Parodie durchgehen könnten, aber offiziell sind die nunmal leider ernst gemeint.

Also muss hier gefälligst Abhilfe geschaffen werden. Ausgerechnet aus Frankreich kommt da die cineastische Rettung. "OSS 117 - Er sich ist selbst genug" schimpft sich das gute Stück und basiert auf der Agentenromanserie "OSS 117" von Jean Bruce, die ab 1949 erschien. Nach den ernst gemeinten Verfilmungen der 50er-70er Jahre, wagte man sich 2006 zum ersten mal mit "OSS 117 - Der Spion, der sich liebte" auf das Parkett der Parodien. Und das kann ich nur gut heißen, denn so viel Retro auf einmal erträgt man bei neuen Filmen einfach nicht, wenn es nicht wenigstens witzig gemeint ist.


Worum gehts denn eigentlich? OSS 117 ist der Codename des französischen Agenten Hubert Bonisseur de la Bath. Hubert gehört zur alten Garde - will heißen, dass er ein mieses intolerantes Chauvinistenschwein ist, das für jede Nationalität Vorurteile pflegt, rumhurt, raucht, säuft, und dessen Frauenbild auf eine Briefmarke passt. Und genau DARUM ist "Er ist sich selbst genug" auch so lustig. Denn 1967 hat sich die Welt weiter gedreht und Hubert wirkt wie ein schnell alterndes Relikt aus alten Tagen. Klar, dass er mit dieser Einstellung natürlich immer wieder anecken muss.

In "Er ist sich selbst genug" bekommt OSS 117 (Jean Dujardin; Lucky Luke) den Auftrag den Nazi von Zimmel in Rio zu finden. Der Mistkerl erpresst nämlich die Franzosen mit einem Mikrofilm, auf dem die Namen aller französischen Kollaborateure aus dem letzten Weltkrieg drauf stehen. Blöderweise will auch der Mossad von Zimmel in die Finger bekommen. Wer sich jetzt fragt, warum der Mossad an einem Nazi in den 60ern Interesse haben könnte, verlässt sofort diese Seite!
Hubert muss nun also mit den Israelis zusammen arbeiten, was für Agentin Dolores zu einer nervlichen Zerreissprobe wird. Die Frage ist: kriegen sie von Zimmel oder erschießt sie Hubert bevor der Abspann läuft? Ehrlich gesagt habe ich eher letzteres erwartet...

Ich kenne die OSS 117 Romane nicht, aber der vorliegende Film ist definitiv eine gelungene Hommage an die Sean Connery James Bond Filme. Die gesamte Ausstattung von den Autos über Frisuren, Klamotten und Einrichtungsgegenständen wurden rigoros auf 60er getrimmt. Dazu sind die Farben und die Körnigkeit des Bildes an die der alten Bond Filme angeglichen worden. Selbst die Kameraführung und die meisten Effekte könnten aus der damaligen Zeit stammen. Für mich ein humoristisches Highlight waren die bei Tag gedrehten Nachtszenen, die man einfach wie damals mit einem Blaufilter auf dunkel getrimmt hat. Herrlich!

Auch sonst funktioniert der Film ziemlich gut. Man hat an alles gedacht, um Reminiszenzen an früher zu generieren. Überdrehte Bösewichter - am besten Deutsche - exotische Schauplätze, Plot-Holes, merkwürdige Charakterentwicklungen, sinnfreie Action. Genreliebhaber werden jedenfalls allerlei Anleihen wieder entdecken.

Hauptdarsteller Jean Dujardin macht einen tollen Job. Obwohl Hubert eigentlich ein blödes Dreckschwein ist, schafft Dujardin es, dass man ihm nicht böse sein kann. Zu einfältig, unbeholfen und isoliert wirkt seine Figur mit ihrem überholten Ansichten, als dass man ihn ernst nehmen könnte.
Auch die Synchro von Oliver Kalkofe passt verstörenderweise gut zu ihm. Dass Kalki dazu auch gleich das Drehbuch für die Synchronisation geschrieben hat, hat sicherlich auch dem gesamten Film gut getan. 

"OSS 117: Er selbst ist sich genug" kann ich jedem Fan der alten Agentenfilme empfehlen. Wer dazu noch über eine gesunde Portion schwarzen Humors verfügt sollte sich direkt wohl fühlen.
Prost!

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