Donnerstag, 21. Juli 2011

Mignola, übernehmen sie!

Wenn es was zu feiern gibt und dazu der große rote Kerl auftaucht, handelt es sich nicht zwingend um Weihnachten und Santa Clause. Diesmal sind es ein Verlag und eine Comicfigur.
CROSSxCULT wird zehn Jahre alt und feiert sein Jubiläum mit der Figur, mit der der Verlag dübetierte: HELLBOY!

In den vergangenen zehn Jahren sind seit Hellboys erstem Auftritt viele weitere Erscheinungen hinzu gekommen. Sin City, Vampire Boy, B.U.A.P., The Goon, The Walking Dead, The Red Star, Umbrella Academy und Hack/Slash sind nur einige Beispiele für das breit gefächerte Portfolio von CC. Neben dem Phantastischen, Horror und Science-Fiction erscheinen bei CC auch Thriller und Krimi-Geschichten wie Torpedo, From Hell, Whiteout oder Sleepers. Seit einigen Jahren veröffentlicht der Verlag neben Graphic-Novels auch Bücher, wie beispielsweise Romane aus dem Star Trek Universum und zur BBC Serie Primeval.

Comics sind in Deutschland nach wie vor ein Nischenprodukt und daher haben es Verlage hierzulande oft schwer. Ein Grund mehr sich über 10 Jahre CROSSxCULT zu freuen: denn nicht nur, dass sie die Comic-Landschaft in unseren Gefilden um viele wundervolle Geschichten bereichert haben, so zeigt das Jubiläum auch, dass der Verlag mittlerweile eine feste Größe im Business geworden ist und ein erfolgreiches Konzept erarbeitet hat, um uns hoffentlich noch lange mit weiteren tollen Geschichten zu erfreuen.

Grund genug das mit etwas Besonderem zu feiern. Und was gibt es hierzu besseres, als in einer Rückschau zu dem Universum zurück zu kehren mit dem alles begann? Somit landen wir bei Hellboy und dessen Schöpfer Mike Mignola, der in den letzten zehn Jahren seines Wirkens es geschafft hat, neben HB eine weitere Reihe auf Erfolgskurs zu schicken: Das HB Spin-Off "B.U.A.P."

Und so kehren wir mit dem Jubiläumsband "Geschichten aus dem Hellboy Universum" nicht nur zu den Anfängen von CROSSxCULT zurück, sondern auch zu denen von Hellboy und der Behörde zur Untersuchung und Abwehr Paranormaler Erscheinungen. In vier Geschichten (+ zwei Kurzgeschichten) auf etwa 600 Seiten erlebt der Leser allerhand pulpige Storys rund um Lobster Johnson, Abe Sapien und Trevor Buttenholm.

In "Lobster Johnson: Der Eiserne Prometheus" verfolgt der titelgebende Held in New York am Vorabend des Zweiten Weltkriegs Nazi-Agenten und kommt einer urzeitlichen Waffe auf die Spur, die die deutschen Fieslinge nicht in die Finger kriegen dürfen.

Danach folgen wir in "B.U.A.P.: 1946" Trevor Bruttenholms Schritten. Nachdem der Krieg zu Ende ist, ist es an der Zeit das Land nach verbliebenen Gefahren zu durchforsten. Vergessene Waffenanlagen, Labore, Bunker usw. Das ist keineswegs ungefährlich, da der Führer begeisterter Anhänger des Okkulten war. Hellboys Ziehvater Bruttenholm begibt sich zusammen mit einigen GIs auf die Suche nach einer geheimen Einrichtung, die mit dem unheimlichen Begriff "Vampirsturm" in Verbindung zu stehen scheint.

Im Jahr darauf werden in ganz Europa grausame Morde an deutschen Kriegsgefangenen verübt. Die B.U.A.P. wird in der Geschichte "1947" hinzugezogen, als sich die Hinweise verdichten, dass die Verbrecher eher der paranormalen Art zuzuordnen sind. Trevor Bruttenholm schickt eine Gruppe von ehemaligen Soldaten nach Frankreich, um dort eine Schlossruine zu untersuchen. Am Ort des Geschehens angekommen lauert auf die GI´s schon der Tod. Für regelmäßige Hellboy Leser gibt es sogar ein Wiedersehen mit einer alten Bekannten des roten Höllenjungen...

Die letzte Geschichte im Bunde ("Ertrinken") handelt von Abe Sapiens ersten Auftrag als Leiter einer Einsatzgruppe. Er sucht an der Küste eines abgelegenen Inselortes die Grabstätte eines mächtigen Magiers. Im 19. Jahrhundert wurde dieser vom paranormalen Ermittler Edward Grey dort mitsamt seines Schiffes und seiner Schergen auf dem Meeresboden begraben. Doch wie so oft in der Geschichte der B.U.A.P. kommts meistens dann ganz Dicke, wenn der Auftrag eher nach einer lauen Unternehmung ausschaut.
Auf seiner Suche muss Abe schwere Entscheidungen treffen und feststellen, dass mit seinem Posten auch eine Menge Verantwortung auf ihn zu kommt...

Mir persönlich haben die ersten drei Geschichten am besten Gefallen. Die letzte braucht mir etwas zu lange, um in die Gänge zu kommen. Schlecht ist sie aber bei weitem nicht. Wahrscheinlich spielt hier Jason Shawn Alexanders Zeichenstil mit rein. Die eher realistisch wirkenden Zeichnungen passen meiner Meinung nach nicht so gut zum Erzählrhythmus der Mignola Geschichten.
Die Optik von "Lobster Johnson" und "B.U.A.P.:1947" harmoniert besser mit dem Stil von Guy Davis, der die B.U.A.P.-Reihe maßgeblich geprägt hat, und hey, der Mann ist ein Genie!
Allerdings mag ich auch abseits von Hellboy die Zeichnungen von Jason Armstrong und Gabriel Bá (u.a. Umbrella Academy).
"B.U.A.P.: 1946" ist mir persönlich etwas zu grob gezeichnet, geht aber in Ordnung.

Der fette Ziegelstein wurde natürlich auch mit allen Extras ausgestattet, die zu den einzelnen Bänden gehören. Da wären zum einen begleitende Worte der Macher, Sketchbooks und abschließend noch ein sehr schön geschriebenes Essay zum Thema B.U.A.P. von Christian Endres.
In Hardcover gebunden und mit einem Lesezeichen versehen, ist der Band allemal seine 50 Euro wert. Zum einen stimmt hier wie gewohnt sowohl die Papierqualität, als auch der sehr gute Druck. Außerdem hätte man für die vier einzelnen Bände in gesonderten Ausgaben knapp 80 Euro hinlegen müssen. Alles in allem also ein Preis, über den man nicht meckern kann.

Allerdings ist die Auflage auf 1.111 Stück limitiert; eine weitere Auflage soll nach Aussage des Verlages nicht gedruckt werden.
Allzu viel Zeit sollte man sich mit einer Kaufentscheidung also nicht lassen.

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