Freitag, 17. Juni 2011

In den Hauptrollen: Sam Rockwell, Sam Rockwell und Sam Rockwell



Was ist ein Menschenleben wert?

Zwanzig Mark irgendwas und ein paar Zerquetschte, wie ein schlauer Kopf vor einigen Jahren behauptet hat. Als Grundlage für seine Berechnungen nahm er die Werte der verschiedenen chemischem Verbindungen im menschlichen Körper und die Rohstoffpreise der damaligen Zeit.
Natürlich ist es geschmacklos und unethisch einem Leben einen exakt bezifferten Wert beizumessen; als sei man nicht mehr als die Summe seiner Bauteile. Von da an ist es nämlich nur ein Katzensprung zum Herabwürdigen des Einzelnen. Jemanden tot gefahren, ermordet oder aus Versehen ins Jenseits befördert? OK, kein Thema, das bezahlt man noch aus der Portokasse.
Spass beiseite: jedes Leben ist einzigartig und nicht beliebig reproduzierbar. Einen Verlust kann man also nie adäquat ersetzen. Mit jedem Toten geht etwas unwiderbringlich verloren.
Ersetzen könnte man das Individuum nur durch eine exakte Kopie, die dem Originial in Physiognomie und Erinnerungs- bzw. Erfahrungswerten gleicht; oder kurz: einem Klon.

Was für Folgen eine Technologie hätte, die so etwas ermöglicht, muss Astronaut Sam Bell (Sam Rockwell; Galaxy Quest, Confessions of a dangerous mind, IronMan2) am eigenen Leib erfahen. Auf der dunklen Seite des Mondes baut er für seinen Arbeitgeber Lunar Helium3 ab, das zwischenzeitlich die Energieprobleme der Erde lösen konnte. In zwei Wochen läuft sein Vertrag aus und er kann endlich nach hause. Nach drei Jahren kommt endlich seine Ablösung. Und keinen Moment zu früh, denn er beginnt Dinge zu sehen, die nicht existieren und auch sein Körper baut scheinbar langsam ab. Scheinbar setzt ihm der lange Aufenthalt mental und physisch zu. Doch dann begegnet ihm plötzlich ein Doppelgänger und Sam muss feststellen, dass er betrogen wurde...

Duncan Jones liefert mit "Moon" ein eindrucksvolles Regiedebüt ab. In den Bildern fängt er die klaustrophobische Enge der Mondbasis und die einsame Atmosphäre auf dem Erdtrabanten fantastisch ein. Im Design schimmern Reminiszenzen an die Nostromo ("Alien") durch, der von Kevin Spacey gesprochene Roboter Gerty wiederum erinnert ein bisschen an HAL9000 ("2001"). Obwohl es sich um eine Low-Budget-Produktion handelt, sehen die Sets sehr gut aus und auch die Effekte außerhalb der Basis geben keinen Grund zu Beschwerden. Ein Action- oder Effektgewitter kann man jedoch nicht erwarten.

Wie es sich für Science-Fiction der alten Schule gehört, legt Jones den Focus nicht auf Außerirdische und Geballer, sondern mehr auf die Möglichkeiten und Folgen, die Technik bietet und stößt den Zuschauer auf moralische Kritikpunkte. Das große Thema des Films ist die Herabsetzung des Menschen auf den Status einer Ressource. Sam ist lediglich ein Posten in den Produktionskosten, um das begeherte Helium3 abbauen zu können. Wie Papier im Büro oder ein Bildschirm für den PC kann er ausgetauscht werden, wenn er nicht mehr ordnungsgemäß funktioniert.
Dabei ist das Bild, das Jones zeichnet garnicht mal so abwegig. Konzerne werden von Kostenfragen gelenkt. Stünde ihnen eine solche Technologie zur Verfügung, wäre das der nächste logische Schritt. Ob sie so etwas offen oder verdeckt tun würden, steht indes auf einem ganz anderen Blatt. Die Frage ist, ab welchem Punkt würden Konzerne die ethischen Bedenken beiseite wischen?

Während sich viele solcher Überlegungen im Laufe des Handlung ergeben, geht mir der Film in seinem Umgang mit der Materie nicht weit genug. Man kann es nun gut finden, wenn der Zuschauer ganz für sich alleine Gedanken machen muss, aber der Plot hätte die Hintergründe, Motive und Ansichten der Konzerne, der Gesellschaft oder anderer Gruppen mehr, deutlicher und besser formuliert herausarbeiten müssen (Bspw: Heiligt der Zweck die Mittel, wenn Sams Sklavendasein die Menschen mit Energie versorgt?).

Das macht "Moon" auf keinen Fall zu einem schlechten oder mittelmäßigen Film, er verschenkt aber meines Erachtens in diesem Punkt unnötig Potential. Von dem herausragenden Schauspiel Sam Rockwells getragen, ist "Moon" sicherlich einer der besten und stimmungsvollsten SF Filme der letzten Jahre.


Kommentare:

  1. Jungs, größere Schrift, da fallen mir doch die Glubscher aus der Fratze!

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  2. *mit dem finger auf ersteller zeig* sie wars sie wars äh er wars er wars ^^ Da hab ich auch Probleme mitm Lesen ^^

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  3. Und schon berichtigt. Das hätte der Master aber auch erledigen können, wenn ihm der Augenpein die Sicht vernebelte. ^^

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  4. Hätte ja sein können das du dir dabei was gedacht hast ^^

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