Montag, 7. Februar 2011

Hängt ihn höher - zwei Mal!

Heute gibt es ausnahmsweise mal ein Doppelreview. Dafür gibt es zwei gute Gründe. Zum einen handelt es sich um zwei Comicverfilmungen und zum anderen spielen beide im Wilden Westen - YEEEEHAAA!
Legen wir doch gleich mit dem Schlechteren los.





"Jonah Hex" (Josh Brolin, No Country For Old Men) ist ziemlich angesickt. Im amerikanischen Bürgerkrieg kämpfte er gegen die Yankees aus dem Norden. Als er ihm befohlen wird ein Kriegsverbrechen zu begehen, weigert er sich. Bei dem anschließenden Feuergefecht stirbt sein bester Freund, dessen Vater Quentin Turnbull (John Malkovich; R.E.D.) nun auf Rache sinnt. Jonah Hexs Familie wird ermordet während er zusehen muss. Als Sahnehäubchen wird Jonah mit einem Brandeisen entstellt. So weit zu den Zutaten für einen astreinen Rachefeldzug, der mit Humor, Blut und Action aufwarten kann; oder besser gesagt: Könnte!

Ein bisschen Humor ist zwar drin, wobei die meisten One-Liner einfach nicht zünden wollen, Action wird auch geboten, ist jedoch maximal durchschnittlich inszeniert, Blut ist auch eher weniger vertreten. Nun gut, ein Western der alten Schule könnte nun mit Atmosphäre oder einer besonderen Erzählweise des Plots aufwarten, aber "Jonah Hex" ist nunmal kein Western der alten Schule. Uninspiriert und gelangweilt schleppen sich die Darsteller von Szene zu Szene und so zieht sich der gerade mal 82 Minuten lange Film. Schon lange habe ich nicht mehr so oft in 45 Minuten auf die Zeitanzeige meines Ergometers geschaut wie beim Genuß dieses Films.

Das ist richtig schade, denn der mit Mystery-Elementen angereicherte Film hat durchaus Potential zu etwas Größerem. Die Schauspieler passen grundsätzlich in ihre Rollen, wenn man mal von Megan Fox absieht. Eye Candy ist ja schön und gut, aber warum darf die dann den Mund auf machen!? Seien wir doch ehrlich: Megan, dreh eine eigene Porno Reihe, damit endlich wieder Ruhe herrscht! Zu mehr wirds wohl nie taugen. Passenderweise spielt sie hier eine Nutte, die in Jonah verknallt ist.

Wenigstens waren ihre Szenen kurz und die Figur so wichtig wie ein zweites Rektum. Letztenendes haben aber weniger die Darsteller, Kameraleute oder die Effektemacher gepatzt. Das Drehbuch stinkt! Und ausgerechnet von "Neveldine & Taylor" (Crank 1+2, Gamer) stammt es. Normalerweise packen die Jungs in ihrer überbordenden, kranken Phantasie die beklopptesten Ideen in ihre Skripte. Entweder durften sie hier nicht von der DC Comicvorlage weichen oder sie haben nur schnell Geld gebraucht. Das war leider nix!

"Jonah Hex" ist beileibe kein Totalausfall, geht aber in der Masse der Durchschnittsproduktionen unter. Kann man sich ansehen, wenn gerade echt nix anderes verfügbar ist.


Und damit zu unserem zweiten Kandidaten heute. LUCKY LUKE!

Wer jetzt Angst hat, dass der arme Terrence Hill mal wieder vor die Kamera gezerrt wurde, darf aufatmen. Diesmal haben wir es mit einem ernsteren, düstereren, erwachseneren Lucky Luke zu tun.

Die Eisenbahnschienen fressen sich von der Ost- zur Westküste. Doch noch ist die Linie nicht zu Ende gebaut, und ausgerechnet an Lukes alter Heimatstadt Daisy Town droht das Projekt zu scheitern. Seit Luke die Stadt in seiner Kindheit verlassen hat, haben sich allerhand Gangster und Berufskiller dort eingenistet und es in ein Paradies für Gesindel verwandelt. Kurzerhand wird Luke beauftragt dort aufzuräumen. Nichts leichter als das. Schließlich ist Lucky Luke der schnellste Schütze im Wilden Westen und hat noch nie versagt. In Daisy Town jedoch wird er mit seiner Vergangenheit konfrontiert und auf einmal ist nichts mehr, wie es einmal war...

Kommen wir zuerst zu den positiven Aspekten des Films. Hauptdarsteller Jean Dujardin (39,90 €, OSS117 - Der Spion, der sich liebte, OSS117  - Er selbst ist sich genug) ist dem Vorbild wie aus dem Gesicht geschnitten. Die Synchro geht in Ordnung, Schnitt und Bild sind besonders für eine europäische Produktion top und gefallen mir besser als bei "Jonah Hex". Die Kostüme, Setbauten usw sind ebenfalls gelungen. Der Flair der Comicvorlage wird gut eingefangen ohne sich sklavisch an die Vorgaben zu halten. Dafür verhalten sich die Figuren so skurril wie ihre Comicpendants. Wenn beispielsweise der Totengräber krächzend nach der Sarggröße fragt, Billy the Kid mit einem Lolli im Mund Passanten über den Haufen ballern will oder ein stets Theaterstücke rezitierender Jesse James die Aufmerksamkeit an sich reißt, muss man einfach schmunzeln.

Dass man sich bemüht den Hintergrund der Figur des Lucky Luke zu ergünden und ihn nicht immerzu als Strahlemann zeigt, verbuche ich ebenfalls auf der Habenseite. Wir erfahren, wie er zu seinem Namen kam oder auch warum er Gesetzeshüter wurde. Schön auch, dass man offen lässt, ob sein Pferd Jolly Jumper wirklich reden kann, oder Luke seit einem Sonnenstich nicht mehr alle Murmeln auf der Rille hat. Zudem wird Luke, wenn er mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird, von Selbstzweifeln befallen. Das gibt der Figur mehr Tiefe.

Allerdings - und das ist ein großes ALLERDINGS - ist der Plot nicht sonderlich konsistent. Die Motivationen für viele Figuren bleiben im Dunkeln oder werden nur unzureichend untersucht. Manchmal hat man den Eindruck, dass man von Szene zu Szene springt. Dadurch geht teilweise der Rote Faden flöten und man hat Schwierigkeiten mitzufiebern. Das sorgt zudem dafür, dass sich auch der neue Lucky Luke Film etwas in die Länge gezogen anfühlt. Hier wäre ebenfalls mehr drin gewesen.
Die Grundzutaten stimmen jedoch und ich hoffe, dass man mit einem zweiten Film auch diesen Punkt noch gerade biegt. Dann steht einem lockeren Kinoabend nichts mehr im Wege.

Fazit: Fans der Comicvorlage müssen den Film sowieso sehen, alle anderen sollten einen Western mit leichtem Comictouch und schrägem Humor erwarten.

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