Freitag, 6. Februar 2009

The Spirit

Egal wie man die Qualität der aktuellen Comicverwurstungen wie Batman, Spiderman, Superman, IronMan ode Hulk im Einzelnen bewerten mag, einen schönen Nebeneffekt hat deren erfolgreiches Einspielergebnis an den Kinokassen: auch "kleinere" bzw. hierzulande unbekanntere Comicreihen oder Graphic Novels erhalten ebenfalls eine Chance verfilmt zu werden. Oft schlummern die Perlen nämlich in der Schublade der vergessenen Geschichten. Klar, dass dabei auch Schrott wie "Daredevil" oder "Ultra Violet" heraus kommt, aber hin und wieder wieder hat man dann auch eine Filmperle vor Augen. So bspw. geschehen bei "SinCity", "Hellboy" oder "300".

Um eines vorweg zu nehmen: "The Spirit" passt in keine der beiden Kategorien, sondern irgendwo dazwischen.

Doch worum geht es eigentlich?

Danny Cold (Gabriel Macht) ist Cop in Central City. Bei einem Einsatz wird er getötet, kehrt aber auf höchst mysteriöse Weise wieder zu den Lebenden zurück. Kaum aus seinem Grab gekrochen beschließt er die Situation zu nutzen, um den Verbrechern der Stadt als "Phantom" den Garaus zu machen. Er verbündet sich mit dem Comissioner und macht sich ans Werk. Der Film setzt lange Zeit nach diesen Ereignissen ein und zeigt "Spirits" finale Konfrontation mit seinem Erzfeind Dr. Octopus (Samuel L. Jackson), der immer wieder andeutet, dass die beiden etwas verbindet; etwas, das bewirkt, dass keiner der beiden sterben kann. So entwickelt sich die Jagd nach Octopus zu einer Obsession. Der Spirit verliert den Blick für das Wesentliche und macht Fehler... Zudem taucht auch nach langer Zeit die Jugendliebe Dannys in der Stadt auf: Sand Serif (Eva Mendes). Der Juwelendiebin sind jedoch Tod und Verwüstung dicht auf den Fersen. Nun ist für den Spirit überhaupt nicht mehr daran zu denken einen kühlen Kopf zu bewahren...

"The Spirit" basiert auf Will Eisners Comic, der in den USA von 1940 bis 1952 in diversen Sonntagszeitungen erschien. Anders als andere Comicbeilagen wurden keine kurzen Gags erzählt, sondern mit jeder Ausgabe eine größere Geschichte erzählt. Schnell avoncierte "The Spirit" zu einer der beliebtesten Comics und inspirierte auch andere Zeichner dieser Dekade. Anders als im Film starb Danny im Comic nicht, sondern wurde nur für tot gehalten. Aus der Anonymität heraus, ohne dass Freunde und Familie bedroht werden könnten, jagte er nun als Spirit die Gauner Central Citys. Dieses Element der Anonymität erinnert frappierend an einen anderen dunklen Rächer, der in dieser Zeit seine Geburtsstunde hatte: Batman. Auch heute noch erscheinen neue Ausgaben des Spirit, allerdings von anderen Zeichnern, da Erfinder Eisner 2005 verstarb. Regisseur Frank Miller ist auf besondere Weise mit Will Eisner verbunden, der dessen Mentor wurde und dessen Werk maßgeblich beeinflusste. So ist Millers "Sin City" durchaus auch als Hommage an die düstere Stadt des Spirits zu verstehen.

"The Spirit" ist Frank Millers erste eigenständige Regiearbeit und kann sich durchaus sehen lassen. Der optische Stil ist eine Fusion aus dem Comic-Spirit und Millers "Sin City" geworden, kann sich jedoch vom Vorbild soweit abheben und eigene Akzente setzen, dass der Vergleich durchaus positv gemeint ist. Eine Kopie ist der Film somit nicht geworden. Auch die Kamera kann sich durchaus sehen lassen. Als entscheidende Mankos muss man die leider sehr zerfahren erzählte Geschichte anführen, der es nicht gelingt den Zuschauer richtig mitzureissen. Viele Figuren bleiben blass, oft hat man den Eindruck die Schauspieler reden nebeneinander statt miteinander, das Timing wirkt einen Tick daneben oder das Schauspiel mitunter etwas hölzern. "The Spirit" ist in seiner Erzählweise zu sehr
Comic als Film. Das stört insofern, da die überwiegenden Monologe aus dem Off das Tempo aus dem Film nehmen. Dadurch entstehen unangenehme Längen. Auch der Soundtrack wirkt hier zu passiv als dass er hätte hier noch hätte gegensteuern können.

Auf der Haben Seite kann "The Spirit" die bereits angesprochene durchweg fette Optik verbuchen, interessante Einstellungen, tolle Ideen in der Inszenierung, Samuel L. Jackson ist ein Hammer, sorgt er doch mit seinen grenzdebilen Helfershelferklonen und seinem Auftritt als SS-Offizier für eine Menge Lacher, die wenige Action ist gut gemacht, es gibt reichlich Eye-Candy in Form von weiblichen Rundungen und auch die leicht überzogenen Charaktere machen durchaus Spaß, lassen aber an Tiefe missen.

Wer keine Lust hat einen Comic zu lesen und ihn statt dessen sehen will sollte ein Auge auf "The Spirit" werfen, denn von einem Totalausfall ist die Verfilmung so weit entfernt wie Uwe Boll vom Oscar. Sofern Miller aus den Fehlern lernt sollte man zukünftige Filmprojekte genauso im Blick behalten, wie bislang auch seine tollen Comics.

6 von 10 Klonos

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